Herzogenaurach
Ausgrabungen

Der Bergfried war ein Turm mit massiven Mauern

Das Fundament des Bergfrieds der mittelalterlichen Burg ist, soweit noch vorhanden, freigelegt worden. Der Fund soll nun dokumentiert werden.
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Nach dem Abbruch des Rathauses konnte das Fundament des Bergfrieds, so weit es noch vorhanden war, freigelegt werden. Auf ihm ruhte im Hochmittelalter ein stattlicher Turm mit massiven Mauern. Keramikfunde gehen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück.  Fotos: Bernhard Panzer
Nach dem Abbruch des Rathauses konnte das Fundament des Bergfrieds, so weit es noch vorhanden war, freigelegt werden. Auf ihm ruhte im Hochmittelalter ein stattlicher Turm mit massiven Mauern. Keramikfunde gehen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. Fotos: Bernhard Panzer
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Bergfest respektive Bergfriedfest feierten die Archäologen auf der Grabungsbaustelle am Schloss. Das heißt, die Hälfte der Sicherungsarbeiten ist nun vorbei. Jetzt geht es in die Feinarbeit. Das berichtet Marco Goldmann, der die Arbeiten leitet.

Zuletzt wurde das noch in Teilen vorhandene Fundament des Bergfrieds respektive Turms der einstigen Wasserburg aus dem zwölften Jahrhundert freigelegt. Die Anlage wird dann dokumentiert, auch in 3D, und ein Modell soll erstellt werden. Danach verschwinden die Spuren der Burg aus dem Mittelalter. Sie stehen dem Rathausneubau im Weg. Genau an dieser Stelle soll ja der Keller mit dem Archiv entstehen. Goldhausens Aufgabe ist es aber nicht, das zu bewerten. Er ist, quasi als Forensiker der Vergangenheit, dafür verantwortlich, die Spuren zu erspüren und festzuhalten. Denn das gibt Aufschluss über die Geschichte der Stadt.

4,80 Meter breit

Dass hier eine Burg als Vorgänger des Schlosses gestanden hat, das ist bekannt. Auch dass die Fundamente des Bergfrieds, also des Turms, unter dem Schlosshof ruhen mussten, war bekannt. Lediglich beim exakten Standort waren man sich nicht sicher. Dieser ist nun ungefähr dort, wo der Eingangsbereich des abgerissenen Rathauses war.

Bemerkenswert sind auch die Umfänge der Mauern Sie sind 4,80 Meter breit, der in Teilen noch vorhandene Grundriss lässt sich anhand gut erhaltener Buckelquader erkennen. Die Seitenlänge des quadratisch angelegten Bauwerks betrug 12,85 Meter, so dass nur ein kleiner Innenraum von etwa drei mal drei Metern blieb. Der blieb unten wohl ungenutzt. Das Verlies, das zu jeder Burg gehört, vermutet Goldhausen im ersten Erdgeschoss des Turms. Der hat sich nach oben verjüngt, die Mauern waren aber immer noch dreieinhalb Meter dick.

Menschen fanden Schutz

Der Archäologe geht davon aus, dass auch die Bewohner der benachbarten mittelalterlichen Siedlung in dem massiven Bauwerk Schutz suchen konnten. Wie hoch es war, lässt sich kaum erschließen. Aber es muss höher gewesen sein als die beiden erhaltenen und erst Jahrhunderte später gebauten Türme in der Hauptstraße.

Dass man das Fundament der Nachwelt erhalten kann, ist unwahrscheinlich. Möglicherweise könnten einzelne Quader ausgestellt werden, vielleicht im künftigen Schlossgraben. Aber so etwas wie in Regensburg, mit einer Acrylplatte drüber und für die Öffentlichkeit sichtbar, kommt wohl nicht in Frage. Das lassen die Rathauspläne nicht zu, auch wenn es freilich wünschenswert wäre, wie Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff beim Ortstermin sinnierte. Bauamtsleiterin Silke Stadter verdeutlichte: "So kann's nicht bleiben. Da kommt das Archiv hin."

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