Vestenbergsgreuth
Wochenthema Gleichberechtigung

Den Respekt muss man sich erarbeiten

Die 21-jährige Vestenbergsgreutherin Susanna Preis hat sich als Schreinerin einen vermeintlichen Männerberuf ausgesucht.
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Noch schnell das letzte Teil schleifen, dann verbauen: Arbeitsalltag für Susanna Preis. Foto: Yannick Hupfer
Noch schnell das letzte Teil schleifen, dann verbauen: Arbeitsalltag für Susanna Preis. Foto: Yannick Hupfer
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Gerade montiert Susanna Preis Stühle. Stück für Stück entsteht aus einfachem Holz ein hochwertiger Stuhl. Unter der Sitzfläche befindet sich ein ausziehbarer Tisch, eine "Abstellmöglichkeit", wie Preis erklärt. Zehn von diesen Stühlen muss sie bauen, schleifen, zusammensetzen. Susanna Preis ist Schreinerin, und wenn sie von Holz spricht, merkt man ihr an: das ist ihr Traumberuf, kein Plan B oder ein Notnagel.

Susanna Preis arbeitet bei der Firma Baier in Geiselwind. Es ist die Firma, in der sie schon vor ihrer Ausbildung ein Praktikum absolviert hat. Einer ihrer ersten Aufgaben in der Schreinerei war ein Eichenbett: "Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich in die Eiche verliebt habe." Die Struktur gefalle ihr, es sei ein ausdrucksvoller Baum.

Generell gefällt ihr das Material Holz. "Man kann so viele Sachen damit machen", schwärmt die 21-Jährige. Es klingt fast romantisch, wenn sie über ihren Beruf redet. Doch sie musste sich als Frau in diesem vermeintlichen Männerberuf zunächst etablieren. Laut Bundesagentur für Arbeit arbeiteten im Juni 2017 nur 25 Prozent Frauen im "verarbeitenden Gewerbe".

Als Susanna Preis sich nach der Realschule und zahlreichen Praktika entschieden hat, in der Schreinerei Baier eine Ausbildung zu beginnen, musste sie sich in der begleitenden Berufsschule als eines von vier Mädchen viel anhören. "Da wird man abgehärtet", sagt Susanna Preis heute. Auf der Arbeit sei sie hingegen super aufgenommen worden. "Vielleicht muss man am Anfang erstmal zeigen, was man drauf hat", meint die heute ausgelernte Schreinerin.

Doch sie sagt auch: "Nicht jede Frau ist dafür geeignet, einen Männerberuf zu machen." Auf dem Bau würden manchmal raue Töne herrschen, sie muss genauso anpacken wie ihre männlichen Arbeitskameraden auch. Unter den Kollegen, so sagt Preis, herrsche aber großer Respekt. Für sie wäre ein Job im Büro nie etwas gewesen, zu "trist", schließlich möchte die junge Schreinerin am Ende des Tages sehen, was sie geleistet hat.

In der Gleichstellungsdebatte sieht sie generell noch Potenzial nach oben. "In vielen Schreinereien werden Frauen nicht ausgebildet, weil die Werkstätten dann eine zweite Toilette bräuchten", sagt die Vestenbergsgreutherin. Deshalb fordert sie, wenn neue Betriebe eröffnen, gleich eine zweite Toilette für Frauen einzubauen. Das mache es hinterher nicht kompliziert - und schaffe ein Stückchen mehr Gleichberechtigung. "Im 21. Jahrhundert darf man schon denken, dass Frauen auch etwas drauf haben", sagt Preis selbstbewusst und schleift weiter den kleinen, ausziehbaren Tisch für ihren Stuhl.



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