Dechsendorf
Pfeil und Bogen

Das Ziel immer vor Augen

Auf bis zu 70 Metern schießen die Bogenschützen in Dechsendorf. Ein junger Verein, eine spannende Sportart und viele Pläne.
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Jugendleiter Ingo Nausester genießt die Konzentrationsphase beim Bogensport. Bis zu 70 Meter ist das Ziel auf dem Außengelände entfernt. Sein Sohn schießt auf eine Entfernung von 40 Metern.
Jugendleiter Ingo Nausester genießt die Konzentrationsphase beim Bogensport. Bis zu 70 Meter ist das Ziel auf dem Außengelände entfernt. Sein Sohn schießt auf eine Entfernung von 40 Metern.
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Was fällt Ihnen zum Thema Bogenschießen ein? Die meisten Menschen werden nun Robin Hood oder Indianer sagen. Beides richtig, aber der englische Kämpfer trat für soziale Gerechtigkeit ein und ist daher mit der Idee von "Pfeil und Bogen" schneller verbunden.
Es ist nicht ganz der Wald von Nottingham dort an der Campingstraße am Dechsendorfer Weiher, auch werden die Gerätschaften nicht mehr als Waffe in der Jagd und bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet, aber der Name des "grünen Rächers" spielt sehr wohl eine Rolle bei den Erlanger Bogenschützen.
Erstens ist das der Name des Vereins - Bogenclub Robin Hood Erlangen - und zweitens "treten wir in grün und mit Robin-Hood-Kappen auf", erklärt der Jugendleiter Ingo Nausester. Das habe schon hier und da für entsprechende Aufmerksamkeit gesorgt. Diese Idee zeigt aber auch, was in dem Verein wichtig ist: Das Miteinander, das gemeinsame Erleben eines Hobbys, das Fachsimpeln, aber auch die Aktivitäten über das Bogenschießen hinaus.
Wobei das natürlich im Mittelpunkt stehe. "Wir haben jetzt im Winter in der Halle im Waldschießhaus trainiert", sagt der Bogensportleiter Joachim Janik. Nun im April beginnt die Saison an der frischen Luft. Gegenüber des Dechsendorfer Campingplatzes, in unmittelbarer Nähe zum Weiher, liegt der Platz der Schützen. Flankiert vom Bolzplatz, in Flugrichtung der Pfeile an den Außengrenzen durch spezielle Netze abgesichert, wird dort mehrfach die Woche der Bogen gespannt und auf die Scheiben geschossen.


Frauen durften teilnehmen

Der Zuschauer muss sich, wenn er die Schützen beobachtet, sicher fragen, ob es sich überhaupt um Sport handelt. Denn der immer wieder kehrende Vorgang sieht so leicht und nicht wirklich sportlich aus. Pfeil einlegen, spannen, zielen, loslassen, um es verkürzt darzustellen. Auf die Frage, ob Bogenschießen nun ein Sport ist, kann Nausester nur grinsen und eine Gegenfrage stellen: "Ist Bogenschießen olympisch?" Bogenschießen gehört seit 1972 zu den olympischen Sportarten. Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Sport ebenfalls im Programm der Olympischen Spiele vertreten. Und es gibt eine Besonderheit: 1904 war es die einzige Sportart bei diesen Spielen, bei der auch Frauen teilnahmeberechtigt waren. Nausester ergänzt: "Es fördert die Konzentration, die Ausdauer. Aber auch körperlich passiert einiges." Rücken- und Schultermuskulatur werden gefördert, Arme und Beine werden gestärkt. "Das liegt daran, dass der ganze Körper in diesem kurzen Moment vor dem Schuss, völlig angespannt ist", sagt der Jugendleiter. Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der zunächst gar nicht so auf der Hand liegt. "Die hintere Scheibe ist 70 Meter entfernt. Nach spätestens sechs Schuss sind die Pfeile wieder zu holen." Bei 30 Schusseinheiten mit jeweils sechs Pfeilen sind das auch 4,2 Kilometer, die zurückgelegt werden.
Der Sport ist aber auch eine beliebte Freizeitbeschäftigung und immer häufiger auch ein Mittel in der Gesundheitsförderung. Orthopädische Beschwerden, aber auch seelische Probleme werden behandelt. Woran es liegt? Die Schützen geben unterschiedliche Auskünfte. In einem sind sie allerdings gemein: Wenn der Bogen gespannt wird, der Pfeil die Sehne mit großer Wucht verlässt und sich einen Augenblick später in die Zielscheibe bohrt, dann empfinden viele Schützen eine Art Glücksgefühl. "Das wird auch nicht langweilig", sagt Nausester. "Es geht darum diesen Bewegungsablauf immer und immer wieder zu wiederholen, um ein bestmöglichstes Ergebnis zu erzielen." Was aber nicht heißt, dass der Wettkampfgedanke im Vordergrund steht. Aber auch das ist bei den Dechsendorfer Schützen möglich. Die im Übrigen aus der Stadt und dem Landkreis kommen, das Vereinsgelände ist in dieser Form einmalig.


Kommen und Ausprobieren

Thema Wettkämpfe: Die sind möglich, aber kein Muss. Joachim Janik wirbt zumindest für das eigene Turnier, das im September in Dechsendorf ausgerichtet wird. "Wer Interesse hat, kann aber auch im Rahmen der Rädli am ersten Mai mal vorbeischauen", sagt Janik. Oder zu den Trainingszeiten. im Sommer ist das dienstags von 17.30 Uhr bis 19 Uhr für die Jugend der Fall (ab acht Jahre kann man starten), mittwochs von 17.30 Uhr bis 19 Uhr für die Erwachsenen und am Freitag von 17 bis 19 Uhr trainieren Jugend und Erwachsene zusammen.
Vereinsmitglied muss man nicht sofort werden, es gibt natürlich Probetrainings, auch ohne Mitgliedschaft. "Wir freuen uns allerdings über neue Schützen bei uns", sagen die beiden Vorstände. Und irgendwie will man ja auch mal Robin Hood sein. Außerdem soll der Platz in Dechsendorf ja auch genutzt werden. "Der kostet ein bisschen was und das müssen wir als junger Verein stemmen", sagen die Vereinsvertreter. Die Sportförderung über die Stadt gibt es leider erst nach zwei Jahren, eine enorme Belastung für einen kleinen Verein, der wachsen will.
Aber die Schützen nehmen es optimistisch auf die leichte Schulter: "Einfach kommen und ausprobieren", ist der Rat von Ingo Nausester. Recht hat er: Einfach mal probieren, ob man Robin Hood oder Indianer ist.
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