Herzogenaurach
Denkmalschutz

Das Seelhaus am Kirchenplatz wird zum Schmuckstück

Eines der ältesten Bürgerhäuser der Stadt wird derzeit saniert. Da geht es um alte Bohlenbalken und eine Holzstakenwand. Und um viel Lehm.
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Eine Holzstakenwand mit Lehmfüllung: für Denkmalschützer eine Fundgrube  Fotos: Bernhard Panzer
Eine Holzstakenwand mit Lehmfüllung: für Denkmalschützer eine Fundgrube Fotos: Bernhard Panzer
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Wem alte Mauern und historisches Gebälk gefallen, der kann im Seelhaus am Kirchenplatz durchaus spannende Funde entdecken. Und diejenigen, die später mal in dem kleinen, denkmalgeschützten Haus wohnen, werden sicherlich ein ganz besonderes Schmuckstück erhalten. "Das ist ein guter Platz zum Wohnen", bescheinigte auch Bürgermeister German Hacker (SPD), als er sich dieser Tage ein Bild von der Baustelle machte.

Doch noch ist es nicht so weit: Das Dach ist zwar fertig und gedeckt, so dass direkt darunter derzeit die Technikräume eingebaut werden können. Doch alle weiteren Räume sind noch Baustelle. Dennoch zeigt sich Architekt Oliver Reiß ehrgeizig: Bis zum Jahresende soll die Sanierung beendet sein. Dann verfügt die Stadt über ein weiteres historisches Schatzkästlein, dessen Ursprünge in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreichen.

Das Seelhaus, das gleich neben der Kirche und damit in der historischen Altstadt steht, zählt zu den ältesten Bürgerhäusern der Stadt. Das gotische Fachwerkhaus hat eine Breite von zehn und eine Länge von 13,20 Meter, wie es in einer Objektbeschreibung heißt. Das Häuslein wurde als Doppelhaus konzipiert und ist mittig in zwei Hälften geteilt. Diese Trennung wird auch beibehalten, so dass zwei Wohnungen vermietet werden.

Allerdings ist das Gebäude unterschiedlich gut erhalten. Vier Bauphasen werden seit 1457 nachgewiesen, bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde es immer wieder verändert. So ist vor wenigen Wochen entdeckt worden, dass vermeintlich alte Fachwerkbalken gar nicht mehr vorhanden waren, sondern an einigen Stellen nur Bretter "aufgebohlt" wurden. Offenbar habe man den Anschein einer schmucken Fachwerkfassade bewahren wollen, vermutete der Architekt.

Während der südliche Teil über mehr historische Bausubstanz verfügt, ist der nördliche Anbau stärker ausgebessert worden. Der lag im Schatten und war offenbar feucht. In der besseren Hälfte des kleinen Doppelhauses wohnte zuletzt die Hausmeisterin der Musikschule, wie Albert Geinzer vom Bauamt der Stadt berichtet. Der andere Teil war an einen sozial schwachen Bürger vermietet.

Trotz der vielen Umbauten ist noch wertvoller alter Bestand erhalten, wie zum Beispiel eine historische Bretterdecke mit Deckleisten und weißer Fassung. Diese Decke wird repariert und "restauratorisch überarbeitet", wie es in der Beschreibung der Maßnahme heißt. Ferner ist das Ziel, konstruktive Mängel beziehungsweise Abänderungen wieder in den "Ursprungszustand" zu versetzen, sofern sich dies mit dem Grundriss vereinbaren lässt.

Bohlen-Balken-Decke

Als Beispiel nennt der Architekt den Wiedereinbau der Kopfstreben im südwestlichen Raum des Erdgeschosses. Die bauzeitlichen Holzständer sowie der Deckenbalken der ursprünglichen Wandstellung seien hier noch erhalten. Als besonderes Merkmal zählt laut Reiß auch die Bohlen-Balken-Decke in der südöstlichen Stube (ehemals Bohlenstube). Die Bohlen-Balken-Decke ist als Zwischendecke unter der eigentlichen Geschossdecke eingebaut und ist oberseitig mit einem Lehmschlag versehen (1730). Die Bohlenbalkendecke wird restauratorisch überarbeitet und neu gefasst.

Auch interessant: Oberhalb der Spunddecke ist ein etwa meterhoher Zwischenraum vorhanden. Der wird gesäubert und gereinigt, aber abgeschlossen. So kann ihn der Mieter nicht nutzen. Obwohl die Teilnehmer der Begehung für den "toten Raum" schon durchaus Verwendungen hätten. Während sich für den eher pragmatisch denkenden German Hacker da wunderbar die Haustechnik angeboten hätte, geriet Bauamtsleiterin Silke Stadter eher ins Träumen: Das wäre doch ein ideales Spielezimmer. Es wird nichts von allem.

Für die Liebhaber von Denkmälern ist auch die Trennwand zwischen den beiden Haushälften durchaus spannend und auch eher selten vorzufinden. Diese besteht aus einer Holzstakenwand mit Lehmfüllung. Das Gebilde soll erhalten, aber verfüllt werden. Die Jahrhunderte alte Wand wird also nicht als Schauwand, etwa hinter Glas, zu sehen sein.

Archäologen werten noch aus

Spannend war die Sanierung vor allem auch für die Archäologen. Diese hatten das Haus nach der Entdeckung eines alten Fundaments lange Zeit in ihrem Griff. Die Funde (Keramik und mehr) und Aufzeichnungen sind noch nicht ausgewertet. Nachgewiesen ist, dass es schon einen Vorgängerbau gegeben haben muss und das steinerne Fundament ein Teil der Mauer um die Kirche gewesen sein dürfte. Den Königshof von Uraha indes hat man nicht gefunden.

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