Herzogenaurach
Barrierefreiheit

Das Pflaster in der Fußgängerzone soll so bleiben

Der Behindertenbeauftragte Jörg beantragte gut "berollbare" Mittelstreifen" für Rollstuhlfahrer in der Fußgängerzone. Bürgermeister Hacker lehnt ab.
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Baustellen habe man jetzt genug: Bürgermeister Hacker scheut monatelange Beeinträchtigungen in der Hauptstraße. Unser Foto zeigt die Ausbesserung des damals gerade erst verlegten historischen Pflasters im Jahr 2002.  Fotos: Bernhard Panzer
Baustellen habe man jetzt genug: Bürgermeister Hacker scheut monatelange Beeinträchtigungen in der Hauptstraße. Unser Foto zeigt die Ausbesserung des damals gerade erst verlegten historischen Pflasters im Jahr 2002. Fotos: Bernhard Panzer
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Es ist ein Herzenswunsch von Wolfgang Jörg, dem Behindertenbeauftragten der Stadt. In der Fußgängerzone in der östlichen Hauptstraße sollte eine Furt geschaffen werden, die für Rollstühle und Rollatoren, aber auch Kinderwägen geeignet ist. Dass er damit auf Ablehnung stoßen könnte, damit hatte er offenbar nicht gerechnet.

In der Mitte der Fahrbahn, so lautet sein Wunsch, sollte ein Streifen durchgängig gepflastert werden. Mit leicht begehbaren, geschliffenen Steinen - ähnlich wie es am Marktplatz geschehen ist. Jörg, der in dem Ansinnen von Brüne Soltau vom Seniorenbeirat unterstützt wird, hatte seinem Antrag auf Verbesserung der Barrierefreiheit in der Fußgängerzone auch Beispiele aus anderen Städten angefügt, wo das problemlos machbar gewesen sei.

In der Stadtverwaltung im Rathaus allerdings fand er damit keine Zustimmung. Bürgermeister German Hacker (SPD) wird dem Planungsausschuss am kommenden Mittwoch vorschlagen, den Antrag abzulehnen. Er führt zum einen "unverhältnismäßig hohe Baukosten" ins Feld, außerdem scheue die Stadt jetzt eine weitere, monatelange Baustelle in der Innenstadt. Der bevorstehende Abbruch und Neubau des Rathauses sei schon Belastung genug, sagte Hacker.

Er habe sich mit seinen Mitarbeitern im Bauamt besprochen und sei zur Erkenntnis gelangt, dass es nur eine einzige technisch saubere Lösung gäbe. Zwischen den dreizeiligen Regenrinnen auf beiden Seiten müsste ein komplett neuer, barrierefreier Belag geschaffen werden. Denn die Seitenstreifen könne und wolle man nicht opfern, weil dort der Einzelhandel seine Auslagen und die Gastronomie ihre Tische stehen habe.

Darauf zielte Antragsteller Jörg auch gar nicht ab. Ein "Gehstreifen" würde genügen, sagt er, und verweist auf das Ergebnis einer Begehung zusammen mit dem Rathaus am 27. Juni. Ähnlich wie bei der Marktplatz-Querung könnte man auch dort einen Streifen barrierefrei pflastern. Damit würde die Geschäftswelt nicht beeinträchtigt. Und auch nicht der Lieferverkehr, denn Rollstuhlfahrer könnten schon mal ausweichen.

Speziallfall Bogenpflaster

Hacker führt allerdings an, dass man in der Fußgängerzone einen Sonderfall habe. Das historische Pflaster sei in Bögen verlegt, weshalb man keine gerade Mittelspur machen könne. "Es gibt nie eine gerade Kante", sagte der Bürgermeister, man bekomme ausgefranste Ecken. Aber die volle Fahrbahnbreite zu gestalten, das würde eben etwa 450 000 Euro kosten. Erhebliche Baukosten also, und dazu noch eine Bauzeit von vielleicht einem Jahr. Abwägend sei festzustellen, dass man solche Maßnahmen mache, wo es machbar sei. Bei der Neugestaltung der Schütt zum Beispiel. Aber in der östlichen Hauptstraße wäre das vernünftig nicht lösbar.

An die genannten Kosten allerdings mag Jörg nicht glauben. Auch andere Städte, wie Bamberg, hätten das gemacht. Und das auf weit größeren Flächen. Das hätte ja Unsummen verschlingen müssen, meint Jörg und verweist darauf, dass es in der Vorschrift für Neubauten (DIN 18040) geregelt sei, dass "gut berollbare Zonen" vorgesehen werden müssen. Für Bestandsflächen gelte freilich die Abwägung. Jörg ist jedenfalls "enorm enttäuscht" von der ablehnenden Haltung der Stadt und kündigte an, die Sitzung am Mittwoch zu besuchen. Eine Einladung hierzu habe er als Antragsteller allerdings nicht bekommen.



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