Herzogenaurach

Das Imkern wird immer beliebter

Aus Sorge um das Wohl der Bienen begeistern sich auch in Herzogenaurach viele Menschen für ein neues Hobby.
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Auch für Kinder ist die Imkerei faszinierend.   Foto: Richard Sänger
Auch für Kinder ist die Imkerei faszinierend. Foto: Richard Sänger
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Das sommerliche Wetter lockt in diesen Tagen nicht nur die Menschen ins Freie, sondern auch die fleißigen Bienen. Die heimischen Imker registrieren immer mehr Zulauf und sehen neben Werbe- und Nachwuchskampagnen vor allem einen Grund dafür: Meldungen über das Bienensterben bewegten die Menschen dazu, selbst aktiv zu werden, sagt Imker Klaus Becker, Vorsitzender des Kreisverbandes und Vorsitzender des Imkervereins Herzogenaurach. Das Insektensterben sei nicht nur fatal für die Artenvielfalt, sondern eine Bedrohung für die Menschen: Der Anbau zahlreicher Obst- oder Gemüsearten sei auf die Bestäubungsleistung von Insekten angewiesen.

Was passiert, wenn die Biene fehlt, zeige sich bereits in manchen Regionen Chinas: Dort muss der Mensch Obstbäume von Hand bestäuben. In diesem Zusammenhang erinnert Klaus Becker daran, dass rund 75 Prozent der Nahrungsmittelpflanzen von Honig- und Wildbienen bestäubt werden. Bienen gehören mit rund 100 Millionen Jahren auf der Erde zu den ältesten Lebewesen. Die Bienen sind ein Hauptbestandteil des funktionierenden Ökosystems und halten das Leben auf der Erde im Gleichgewicht.

"Die Biene ist ein Sympathieträger und ein Türöffner, um auf den Artenschutz aufmerksam zu machen", sagt Klaus Becker. "Wir können über jeden Menschen froh sein, der sich für das Thema interessiert." Viele Experten hätten bereits seit Jahren vor dem Artenschwund gewarnt, seien aber von der Politik lange Zeit nicht gehört worden. "Da muss erst das Kind in den Brunnen fallen", kritisiert Becker die Trägheit der Politik.

Vom Land in die Stadt

Die Honigbiene zieht es vermehrt vom Land in die Stadt, denn auf dem Land herrscht laut Becker agrarindustrielle Ödnis: Hecken, Kleingehölze, Waldstücke und Bachränder wurden und werden systematisch gerodet und die Folge sind eintönige Agrarflächen - gut für großräumige Monokulturen, schlecht für Bienen. Denn Monokulturen werden binnen weniger Tage abgeerntet. Schlagartig entstehen grüne Wüsten, in denen die Bienen weder Pollen noch Nektar finden. Hinzu kommt, dass die Bauern weniger Zwischenfrüchte kultivieren und ihre Wiesen oft schon vor der Blüte mähen. In manchen Regionen finden Bienen bereits im Juli nur noch blütenfreie Flächen vor. "Auf dem Land hungern teils die Bienen", sagt Klaus Becker, "und manche Völker sterben mitten im Sommer."

Gartenbesitzer hingegen greifen immer häufiger zu bienenfreundlichen Blühpflanzen. Und bundesweit wächst die Zahl der Imker, gerade in den Städten. Die Popularität der fleißigen Pollensammlerin ist nicht völlig neu, bekommt aber durch den Nachhaltigkeitstrend Aufwind - und durch aufrüttelnde Nachrichten über das Insektensterben. Auch Klaus Becker freut sich über "Probeimker" und lud sie an Ostern zum Zeidlerhaus auf der Herzo Base ein. Bei dem warmen Wetter konnten die Probeimker beobachten, wie fleißig die Bienen Nektar, Pollen und Wasser einsammeln, um das Bienenvolk zu stärken. "Ein großer Teil der Königinnen ist schon dabei, die Legeleistung auf bis zu 2000 Eier pro Tag zu steigen, woraus nach 21 Tagen die jungen Bienen schlüpfen" erklärte der Vorsitzende am Zeidlerhaus.

Regelmäßige Treffen

Becker schätzt die Zahl der vom Verein betreuten Bienen, die den Winter überlebt haben, auf rund 20 000 Tiere, aus ihnen sollen nun 40 000 bis 50 000 Sommerbienen werden, die dann für die notwendige Blütenbestäubung sorgen. Wie Becker erzählt, habe manche Königin schon früher angefangen und den Imker mit dem ersten Bienenschwarm überrascht, weil es dem Bienenvolk in der noch winterlich eingerichteten engen Beute (Bienenwohnung) zu eng wurde. Bei dem Treffen an Ostern wurde vereinbart, dass die regelmäßigen Treffen der Probeimker an jedem Samstag ab 9.30 bis etwa 12 Uhr am Zeidlerhaus auch von den Imkerexperten zum Infoaustausch genutzt werden könnten. Auch die Treffen am Lehrbienenhaus für internationale Begegnungen in Bruck sollten nicht nur für Probeimker, sondern auch für die Imker genutzt werden.

Auch die monatlichen Treffen am ersten Sonntag im Monat ab 9.30 Uhr finden weiterhin im Gasthaus Gumbrecht in Obermembach statt. Dort soll Ende Mai mit der neuen Honigschleuder der erste Honig produziert werden.

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