Eine wichtige Information vorab: Auch jetzt schon ist die Nitratbelastung des Herzogenauracher Brunnenwassers noch deutlich unterhalb des von der Europäischen Union festgelegten Grenzwertes. Dennoch will man bei der Stadt und ihren Werken den Wert senken. Eine Anlage, die das eigene Wasser mit Fernwasser mischt, soll's richten. Diese Lösung ist bei weitem billiger als eine Aufbereitung.

Das erfuhren die Stadträte in ihrer Sitzung am Donnerstagabend. Jürgen Bauer, der Geschäftsführer der Herzo Werke, informierte ausführlich über die Überlegungen, wie man das Problem technisch lösen und den künftigen Wasserbedarf sichern kann. So wurden zunächst vier Varianten einer Wasseraufbereitung untersucht, was man dann aber wieder verwarf. Dazu wäre zu viel Rohwasser erforderlich gewesen, in das das Nitrat dann ausgespült würde. Das somit belastete Abwasser müsste in großen Mengen über die Kläranlage entsorgt werden. Ein klarer Nachteil, wie Bauer erklärte. Hinzu kommen die hohen Investitionskosten von neun bis zwölf Millionen Euro. Das würde den Wasserpreis für die Bürger um 48 bis 67 Cent pro Kubikmeter steigen lassen.

Also blieben nur die Alternativen, neue Brunnen zu bohren oder mehr Fremdwasser beziehen. Auch die Möglichkeit, alle eigenen Brunnen stillzulegen und ausschließlich auf Fernwasser zu setzen, wurde untersucht. Aber auch dies käme sehr teuer und wird von den Verantwortlichen auch nicht gewollt. Die überwiegende Mehrheit im Stadtrat sah das ebenso: Man schloss sich dem Wunsch von Jürgen Bauer an, keinesfalls die eigene Versorgung aufzugeben. Das Wasser könne, Stichwort Klimawandel, irgendwann knapp werden und dann wäre man ohne eigene Teilversorgung den steigenden Preisen ausgeliefert.

Als Lösung hat die Geschäftsführung der Werke nun den Bau einer Mischanlage herausgearbeitet, was im Stadtrat auch fast einstimmig so übernommen wurde. Lediglich Frank Gäbelein von der CSU lehnte ab. Endgültig beschließen muss, ausgestattet mit dieser klaren Empfehlung des Stadtrats, der Aufsichtsrat der Herzo Werke.

Diese Wasservermischungsanlage soll am Standort "Altes Wasserwerk" errichtet werden. Gleichzeitig will man den Bezugsvertrag mit der Eltersdorfer Gruppe bis 2031 verlängern. Die Wassermischung soll etwa 700 000 Euro kosten und könnte die Wasserversorgung langfristig sicherstellen. Schon 2018 könnte sie gebaut werden. Die positiven Auswirkungen auf den Nitratwert seien durchaus nennenswert. Von bisher 39 Milligramm (EU-Grenzwert: 50 mg) käme man bei einem Mischungsverhältnis auf nur noch 23 Milligramm, erreiche also eine Senkung von 40 Prozent. Zum Vergleich: Der strenge Schweizer Grenzwert liegt bei 25 mg. Und auch der Härtegrad könnte verringert werden, und zwar um etwa 20 Prozent.

Technisch soll die Mischung so geschehen: Die Anlage auf dem Geländes des alten Wasserwerks am Ende der Würzburger Straße wird verbunden mit den Tiefbrunnen im Dohnwald. Erforderlich ist eine 850 Meter lange Leitung. Die Anlage mischt dann das eigene Wasser mit dem Fernwasser und speist das wiederum in die so genannte Hochzone ein. Diese wird bisher ausschließlich aus städtischem Brunnenwasser versorgt. Die Abnehmer erhalten also künftig "besseres Wasser", weil ja nitratarmes und "weicheres" Wasser aus Fremdbezug beigemischt wird. Die Tiefzone wird weiterhin mit dem ohnehin nitratarmen Eltersdorfer Wasser versorgt.

In der Diskussion verwies Retta Müller-Schimmel (Grüne) auf die Notwendigkeit, die Nitratbelastung deutlich zu senken, denn Nitrat sei besonders für Kleinkinder gefährlich. Insgesamt gebe es aber 70 Parameter für die Qualität von Trinkwasser und auf alle sollte man achten. Jürgen Bauer versicherte, dass es keinerlei messbare Rückstände irgendwelcher Schadstoffe im Wassert gebe.

CSU-Fraktionschef Bernhard Schwab hätte es lieber gesehen, wenn man statt der neun eigenen Brunnen nur noch zwei oder drei als Backup behalten würde und stattdessen mehr Fremdwasser bezöge. Sein Vorschlag wäre es, einen Vertrag mit der Fernwasser-Versorgung Franken für die Hochzone abzuschließen und damit vor allem auch die Wasserhärte zu senken. Walter Drebinger (CSU) würde gerne mit beiden Gruppen kooperieren, um den Preis zu senken. Man wäre dann nicht abhängig von einem einzigen Lieferanten. Beide Vorschläge fanden keine Zustimmung. Das sei schlicht teurer als die empfohlene Mischanlage.

Kurz Zollhöfer (CSU) regte an, die Bürger dahingehend zu informieren, dass man jetzt ja eine Solidargemeinschaft bilden müsse. Denn es sei durch die Mischanlage eine Wasserpreiserhöhung von etwa 15 Cent zu erwarten. Die Bürger in der Tiefzone, die schon jetzt nitratarmes Wasser haben und das auch behalten, müssten also den Wassermix in der Hochzone mitfinanzieren.