Höchstadt a. d. Aisch
Unterschriftensammlung

Das Erdbeerfeld in Höchstadt hat eine Lobby

Der Erdbeerhof Schuster wehrt sich mit einer Unterschriftensammlung gegen die Verdrängung durch ein Edeka-Logistikzentrum.
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Das Erdbeerfeld am Rand des Höchstadter Gewerbegebiets Foto: Christian Bauriedel
Das Erdbeerfeld am Rand des Höchstadter Gewerbegebiets Foto: Christian Bauriedel
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"Strawberry fields forever", sangen die Beatles einst. Erdbeerfelder für immer. Dass dem nicht unbedingt so sein muss, sieht man an einem umstrittenen Grundstücksgeschäft in Höchstadt.
Der Erdbeerhof Schuster, der rund fünf Hektar am Rand des Gewerbegebiets gepachtet hat, bangt um seine Geschäftsgrundlage. Denn Edeka hat ein Auge auf das Areal geworfen.

Beim Handelskonzern denkt man darüber nach, auf der Fläche zwischen der Straße "Am Waageck" und der Kläranlage ein Logistikzentrum mit fleischverarbeitender Produktion zu errichten. Rund 400 Jobs könnten entstehen. Die Erdbeerfelder müssten weichen.

Dagegen wehrte sich die Familie Schuster in den letzten Wochen mit einer Unterschriftensammlung. Gestern übergaben Gabriele Schuster und ihre Tochter Hanna einen Aktenordner voller Listen im Rathaus. 2362 Unterschriften habe man zusammen bekommen.

"Uns hat die hohe Zahl selbst überrascht", sagt Hanna Schuster. Die Listen seien vier Wochen am Stand auf dem Erdbeerfeld ausgelegen. Aber ist nicht klar, dass, wenn man dort fragt, auch die gewünschte Antwort kommt? Es gehe nicht nur um das Erdbeerfeld, sagt Gabriele Schuster. "Die Stimmung der Menschen kam bei uns eins zu eins an."


"Nicht noch mehr Gewerbe."

Und die sei gewesen: "Nicht noch mehr Gewerbe." Etliche seien extra aufs Feld gekommen, nur weil sie wussten, dass man sich dort eintragen kann. Die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen treibe die Leute um. Auch angesichts von Leerstand riesiger Flächen, etwa bei der Firma Meinhart gleich gegenüber.

Dass es sich bei den 2362 Unterschriften um eine beachtliche Zahl handelt, merkte auch Bürgermeister Gerald Brehm (JL) an. Er halte Unterschriftenaktionen für einen "wunderbaren Ausdruck der Demokratie". Dennoch sei es zulässig, anderer Meinung zu sein. Er stehe weiterhin zur Edeka-Ansiedlung. Brehm erinnert daran, dass der Stadtrat im Mai bei nur drei Gegenstimmen ein Bebauungsplanverfahren befürwortet hat.

Gewerbeansiedlung oder Erdbeeranbau: Für Brehm stehe fest, dass weder die Stadt noch der Erdbeerhof entscheidet, was passiert, sondern der Eigentümer und Verpächter des Erdbeerfelds. Das sei dessen gutes Recht.


Stadtrat berät wohl noch einmal

Falls der Eigentümer einem Verkauf zugunsten Edekas positiv gesinnt ist, werde sich der Stadtrat in der Juli-Sitzung noch einmal mit der Thematik beschäftigen, kündigt Brehm an. "Das freut uns. Dann haben wir zumindest einen Zeitplan", sagt Hanna Schuster.

Brehm ist zur Zeit umzingelt von Protest. Erst kürzlich erhielt er zwei Bündel mit Unterschriften. Einmal gegen die Wohnbebauung in der Kerschensteiner Straße und einmal gegen ein Gewerbegebiet bei Nackendorf.

Letzteres hat auch mit dem Erdbeerfeld zu tun. Denn Nackendorf wäre ein denkbarer Alternativstandort für das Edeka-Logistikzentrum. Es gehe um eine Abwägung, sagt Brehm. Er favorisiere die Fläche im Höchstadter Gewerbegebiet, da hier bereits Infrastruktur vorhanden sei, die man in Nackendorf erst schaffen müsste.

Einer, der im Stadtrat dagegen gestimmt hat, ist CSU-Fraktionsvorsitzender Alexander Schulz. Er habe damals schon auf eine Abwägung und daher auf eine Vertagung gepocht. Er sehe zudem Klärungsbedarf, ob es "Am Waageck" zu Verkehrsproblemen durch zu viele Lkws kommen könnte. Er begrüße es daher, dass sich der Stadtrat noch einmal damit befassen wird. Und er werde sich dafür einsetzen, dass die Schusters gegebenenfalls eine "gleichwertige Fläche" bekommen.

Brehm hat der Familie Schuster bereits ein Angebot für einen Alternativstandort gemacht. Der Betrieb könne auf eine stadteigene Fläche hinter der Eishalle ausweichen. Dafür sei man dankbar, sagt Gabriele Schuster. Jedoch erhoffe sie sich, dass der Bürgermeister hier konkreter werde.
Denn um welches Gelände genau es sich handelt, habe er noch nicht gesagt. Eine dementsprechende Anfrage sei unbeantwortet geblieben. Es sei enorm wichtig, die Bodenbeschaffenheit zu kennen, um beurteilen zu können, ob der schwierige Erdbeeranbau dort überhaupt möglich ist.

Eine Ausweichfläche sei gut, jedoch drohten durch einen Umzug Ausfallkosten. Die Pflanzen für die nächsten Ernten seien bereits gesetzt. Am jetzigen Standort habe man in einen Brunnen investiert.
Für die Schusters geht es am Standort Höchstadt (man hat noch ein Feld in Pödeldorf bei Bamberg) um alles. Freie landwirtschaftliche Pachtflächen seien rar. Als sie vor 15 Jahren in Höchstadt anfingen, sei man noch vor den Toren der Stadt gewesen. Heute sei alles voll mit Gewerbe beziehungsweise ausgewiesenem Gewerbegebiet.

Vielleicht gibt es in der Causa Erdbeerfeld ja aber doch noch eine Lösung die von Nackendorf übers Erdbeerfeld und die Edeka-Zentrale bis ins Rathaus alle zufrieden stimmt. Frei nach den Beatles: "Come Together". Kommt zusammen.
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