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Gesundheit

Virologe aus Franken: "Ich hätte jetzt mehr Angst vor einer Grippe, als vor dem Coronavirus"

Der Erlanger Virologe Armin Ensser ist sich sicher: In Franken wird es schon bald zu ersten Corona-Fällen kommen. In Panik verfallen sollte deshalb aber keiner.
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Ein Mitarbeiter des Rettunsgdienstes kommt mit Schutzkleidung aus einem Einsatzwagen. Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. In Bayern gibt es erste bestätigte Infektionen - bald auch in Franken?  Foto: Julian Stähle/dpa
Ein Mitarbeiter des Rettunsgdienstes kommt mit Schutzkleidung aus einem Einsatzwagen. Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. In Bayern gibt es erste bestätigte Infektionen - bald auch in Franken? Foto: Julian Stähle/dpa
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Bei den Medien ist der Erlanger Virologe Armin Ensser derzeit ein gefragter Mann. Alle Welt will von dem Experten wissen, was es mit dem Coronavirus auf sich hat, wie ein möglicher Verlauf aussehen kann und wie sich die Gefährdungslage darstellt. Der Experte stuft mögliche Gefahren für die Menschen als niedrig ein - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie im Ticker auf inFranken.de

Herr Professor Ensser, Virologen und Tropenmediziner wechseln in ihren Aussagen zum Coronavirus zwischen Warnungen vor Pandemien und Gelassenheit. Wie gefährlich ist das Coronavirus denn nun wirklich für uns Deutsche?

Professor Armin Ensser: Wie gefährlich das Virus tatsächlich ist, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. Für den Augenblick gehe ich von keiner sehr hohen Gefährdungsstufe aus.

Wird es Ihrer Meinung nach bald einen ersten Corona-Fall in Franken geben?

Ja, das glaube ich. Das Virus wird uns erreichen. Über kurz oder lang dürfte es zu ersten Krankheitsfällen kommen. Konkret könnte das in den nächsten drei bis vier Wochen der Fall sein.

Ist die Region darauf vorbereitet?

Ja, das sind wir. Wobei schon darauf hingewiesen werden sollte, dass die bisher im Land bekannt gewordenen Fälle alle einen eher milden Verlauf nehmen.

Es gibt Meldungen, wonach in einigen deutschen Apotheken die Schutzmasken ausverkauft sind. Wie kann ich mich als Privatperson wirklich schützen? Was sollte, was kann ich tun?

Die üblichen Schutzvorkehrungen reichen völlig aus. Das heißt, man sollte sich die Hände regelmäßig mit Seife waschen, Händeschütteln vermeiden und bei Hustenanfällen in die Armbeuge husten. Das Tragen eines Mundschutzes halte ich derzeit für übertrieben.

Sollte man denn größere Menschenansammlungen derzeit meiden? Und wie sieht es mit dem ÖPNV aus? Ist Bus- oder Bahnfahren gefährlich, weil ich mich dort anstecken kann?

Ich kann nur von der Situation ausgehen, wie sie sich heute darstellt. Und da lässt sich sagen, dass im Fall der Nutzung des ÖPNV das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus äußerst gering ist, da es praktisch sehr sehr wenige mit dem Virus infizierte Menschen in Bayern gibt. Anders sieht es derzeit mit der Grippe aus. Da sollte man vorsichtiger sein, wie doch die recht gehäuft auftretenden Fälle in Oberfranken und Oberbayern zeigen.

Diese Grippewelle, von der Sie gerade sprechen und die sogar schon zur Schließung von Schulen geführt hat, ist gefährlicher als das Coronavirus?

Das sagt man immer wieder und da spricht einiges dafür, wenn man sich die Fallzahlen ansieht. Bei uns sterben jährlich zwischen 5000 und 10.000 Menschen an der Grippe. Ich hätte zum jetzigen Zeitpunkt mehr Angst vor einer Grippe als vor dem Coronavirus.

Ein Virologe der Berliner Charité warnt vor einer möglichen Pandemie und fordert die deutschen Kliniken auf, sich auf einen möglichen Massenanfall von Patienten vorzubereiten. Sehen Sie das genauso?

Ich beteilige mich nicht gerne an Spekulationen. Zumal Pandemien eine durchaus unterschiedliche Verlaufsform haben. Im Falle der Grippe kann die Ausbreitung sehr rasch erfolgen. In anderen Fällen (HIV) dauerte es bis zur weltweiten Ausbreitung der Krankheit wesentlich länger. Das kann sich über Jahre erstrecken und sagt dann immer noch nichts aus über den Schweregrad der betreffenden Krankheit. Nehmen Sie die Grippepandemie des Jahres 1918. Das war die schwerste bislang bekannt gewordene Pandemie, bei der Millionen starben. Selbst die Pest im Mittelalter hatte nicht derlei katastrophale Auswirkungen.

Was sollten diejenigen tun, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben?

Wenn es zu keiner schweren Erkrankung kommt, wird man die Krankheit am besten zu Hause auskurieren, wie man das bei einer normalen Atemwegserkrankung auch macht. Anders sieht das bei einem schwereren Verlauf der Krankheit, zum Beispiel in Form einer Lungenentzündung, aus. Da führt dann kein Weg an einem Krankenhausaufenthalt vorbei.

Das Gespräch führte Klaus Angerstein.

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