Oberalbach
Natur

Christbaumzüchter zeigen sich als Umweltschützer

Dieter Rippel und Wilhelm Beßler zeigten auf ihrem Betriebsgelände in Oberalbach, welche Tiere und Pflanzen sich in ihren Sonderkulturen wohlfühlen.
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Weihnachtsbäume im Topf sind im Trend, weil sie langlebig und dadurch besonders umweltfreundlich sind.      Foto: Evi Seeger
Weihnachtsbäume im Topf sind im Trend, weil sie langlebig und dadurch besonders umweltfreundlich sind. Foto: Evi Seeger
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Einen Weihnachtsbaum möchte jeder. Glänzende Nadeln soll er haben, gut duften und lange Zeit halten. Der Verbraucher stellt gewisse Ansprüche an seinen Weihnachtsbaum. Aber sind Christbaumkulturen umweltfreundlich?

"Unsere Weihnachtsbaumkulturen sind ökologisch wertvoll", behaupten Dieter Rippel und Wilhelm Beßler. Vor mehr als 30 Jahren haben sie sich zur Produktion und dem Handel von Christbäumen zusammengeschlossen. Ihre Kulturen seien ökologische Nischen und wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Das machten die Betriebsinhaber einer fachkundigen Besuchergruppe deutlich, die das Betriebsgelände in Oberalbach in Augenschein nahmen.

Zur Information hatten die Unternehmer für eine Art Lehrpfad gesorgt. Als müsse alles unter Beweis gestellt werden, gab es entlang des Weges Überraschungen. Eine unglaubliche Ansiedlung von Fliegenpilzen zum Beispiel. Aber auch eine Menge an Eichen-Sprösslingen. "Obwohl es im weiten Umkreis keine Eiche gibt", wie Förster Gerhard Hofmann aus Wachenroth erklärte. Dass die Natur von den Christbaumkulturen profitiert, bestätigte der Förster. Die immer seltener werdende Feldlerche schätze das übersichtliche Gelände. "Sogar der Wiedehopf, den wir im Wiesengrund verloren haben, findet sich hier."

"Da bilden sich interessante Lebensräume", erklärte Dieter Rippel. Denn die "landwirtschaftlichen Dauerkulturen", so der fachliche Name, haben eine Standzeit von acht bis zehn Jahren. Während dieser Zeit bleibe der Boden unbehandelt, werde also nicht umgebrochen. Rund 250 Hektar Anbaufläche bewirtschaftet der Betrieb im Umkreis von etwa 20 Kilometern. Zwanzig Prozent der Fläche, also 50 Hektar, sind Fahrgassen. "Diese Fahrgassen stellen wir der Natur zur Verfügung", sagt Rippel. Löwenzahn, Klatschmohn, Kornblumen und eine große Vielfalt an Kräutern und Gräsern, die für Insekten und viele Kleintiere von großem Nutzen sind, würden dort wachsen.

Rückzugsort und Brutplatz

Da der Boden lange Zeit nicht mechanisch bearbeitet werde, würden sich Ameisen und Bodeninsekten wohl fühlen. Singvögel und Wiesenbrüter würden die Kulturen als Rückzugsort, Brutplatz und Nahrungsquelle nutzen. Selbst Schlangen und Eidechsen fänden optimale Lebensbedingungen vor. Greifvögel sind gern gesehene Gäste. "Da sitzen viele Mäuse in den Kulturen und die Greifvögel haben ein gutes Nahrungsangebot."

Anneliese Göller, Kreis-, Bezirks- und bayerische Landesbäuerin, sieht Bäume in Zeiten von Klimaschutzdiskussionen als "ein Pfund, mit dem man wuchern kann". Jeder Baum binde . Ganz abgesehen von den kurzen Transportwegen als weiterem Argument für den Klimaschutz. Der ist auch den Betriebsinhabern wichtig: "Qualität aus dem Steigerwald" ist ihr Siegel für die in der Region produzierten Weihnachtsbäume. So frisch sei kein anderer, der von weit her transportiert werden müsse. "Da haben vorgestern noch die Vögel drauf gepfiffen", sagt Wilhelm Beßler.

Die Bäume könnten viel später gesägt werden, wären deshalb länger frisch. In der Region gewachsen, bleibe auch die Wertschöpfung in der Region. Und sie würden Arbeitsplätze sichern. Im Betrieb arbeiten acht Vollzeitbeschäftigte. In der Saison sind bis zu hundert Personen beschäftigt. Rund 150 000 Weihnachtsbäume gehen pro Saison in den Handel. Wichtige Standbeine sind auch Topfpflanzen und gebundene Tannenzweige. Jährlich werden rund 20 Hektar Fläche neu bepflanzt. 2018 konnten wegen der Trockenheit allerdings keine Neupflanzungen vorgenommen werden. Eine gute Nachricht für die Verbraucher: Die Preise der Bäume werden dennoch stabil bleiben, wurde signalisiert.

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