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Oberalbach
Steigerwald-Bäume

Gefahr für Vögel? Fränkischer Christbaum-Anbauer wehrt sich gegen Vorwürfe

Dieter Rippel aus Oberalbach ärgert sich über den Vorwurf, seine Weihnachtsbaum-Kulturen würden bedrohten Vogelarten den Platz nehmen. Das Umweltamt hält an neuen Auflagen fest. Nun wird ein Richter entscheiden.
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Den Schuh des Artenvernichters will sich Christbaum-Produzent Dieter Rippel aus Oberalbach nicht anziehen lassen. Er klagte gegen Auflagen des Umweltamts Erlangen-Höchstadt. Foto: Christian Bauriedel
Den Schuh des Artenvernichters will sich Christbaum-Produzent Dieter Rippel aus Oberalbach nicht anziehen lassen. Er klagte gegen Auflagen des Umweltamts Erlangen-Höchstadt. Foto: Christian Bauriedel
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Beim Christbaum-Anbau Rippel und Beßler in Oberalbach herrscht momentan Hochbetrieb. Rund 80 Saisonarbeiter sind zur Zeit im Einsatz. Auf dem Hof stapeln sich bereits eingenetzte Christbäume. Mit rund 250 Hektar und weit mehr als 100.000 Bäumen in der Saison ist der Betrieb Platzhirsch im Weihnachtsbaumanbau in Süddeutschland.

Wenn es um seine Christbaum-Kulturen geht, kommt Dieter Rippel ins Schwärmen. Ja, natürlich sei das sein Geschäft, aber auch ein sehr naturfreundliches, wie er betont. Umso weniger könne er verstehen, warum das Umweltamt ihm so einen Bescheid beschert hat.

Es geht um rund 17 Hektar nahe Oberalbach, die sein Betrieb 2018 mit neuen Bäumchen bepflanzt hat. Für den gelernten Forstwirt Rippel ist die Aufforstung von vorher landwirtschaftlich genutzter Fläche Alltag.

Doch dann flatterte ihm mit der forstrechtlichen Genehmigung ein Schreiben ins Haus, in dem strikte Auflagen gemacht werden. Der Grund: Das Umweltamt des Landratsamts Erlangen-Höchstadt sieht die Feldlerche in ihrem Lebensraum bedroht. Die Christbaumkultur führe zu "mehrere Meter hohem geschlossenem Aufwuchs". Dies zerstöre das Revier der bedrohten Vogelart, die "Offenlandflächen" benötige.

Amt fordert "Lerchenfenster"

Der Betrieb soll nun Platz schaffen. Je Brutplatz der Feldlerche schreibt das Amt Brachestreifen vor, zehn Meter breit und hundert Meter lang. Zudem 1000 Quadratmeter Wechselbrache, zusätzlich einen mindestens noch einmal so großen Blühstreifen sowie sechs "Lerchenfenster" zu je 20 Quadratmetern pro zwei Hektar.

Besser als Mais-Monokulturen

Rippel hat die Passagen im Bescheid mit Textmarker angestrichen. Er schüttelt mit dem Kopf und legt Fotos auf den Tisch. Sie zeigen, was vor seiner Christbaumkultur dort angebaut wurde: Mais und Weizen in Monokultur. "Da lebte sicherlich keine Feldlerche", sagt Rippel. Was ihn ärgere: Jeder, der schon einmal eine Christbaumkultur im Sommer gesehen hat, wisse, dass diese im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Flächen das blühende Leben seien. Von einer Wand aus Tannen, alle in gleicher Höhe, könne nicht die Rede sein. Auf vielen Flächen stünden Bäume verschiedenen Alters, die nicht gleichzeitig geerntet würden. Dadurch entstünden Lichtungen, freie Plätze, die Lebensraum für viele Vogelarten seien.

"Wir vernichten keine Lebensräume für die Feldlerche. Sondern wir schaffen Lebensräume. Und dafür bekommen wir jetzt auch noch eins auf den Deckel", ärgert sich Rippel. Ein Ornithologe habe ihm bestätigt: Feldlerche, Heidelerche, Kibitz, Wendehals oder Raubwürger sind in seinen Christbaumkulturen heimisch. Aber auch für Hasen, Igel und viele andere Kleintiere seien die Nadelholz-Plantagen gute Rückzugsorte. Den Schuh des Artenvernichters lasse er sich nicht anziehen. Er reduziere den Pestizideinsatz. Viele Kulturen würden mechanisch gepflegt. Mulcharbeiten fänden außerhalb der Brutzeiten statt, Baumspitzen würden nicht wie andernorts chemisch sondern mit der Zange gekürzt.

50 Hektar baumlose Wege

Dazu kämen die Bewirtschaftungsgassen zur Pflege und Ernte der Christbäume. Insgesamt seien das bei ihm ganze 120 Kilometer, also rund 50 Hektar baumfreies Land, das im ganzen Jahr nur selten befahren werde. In den Kulturen werde nur ein bis zwei Mal jährlich gemäht.

Rippel fragt sich: Wozu braucht es dann noch Blühstreifen oder Brachen? Im Sommer seien die Kulturen voller blühender Blumen. Anders als ein sortenreines Weizenfeld sei sein Anbau "ein Eldorado für Vögel, Insekten und andere Tiere". Um darüber aufzuklären, wie ökologisch wertvoll Christbaum-Kulturen seien, hat Rippel Schautafeln anfertigen lassen. Die will er bald draußen an den Plantagen aufstellen.

"Es geht nicht um eine allgemeine Abwertung oder darum, dass Christbaumkulturen generell schädlich wären", versucht Anne-Marie Müller, Leiterin des Umweltamts, auf Anfrage des Fränkischen Tags die Wogen zu glätten. Es handle sich um einen "Ausgleich mit Augenmaß" für bedrohte Vogelarten, da es sich bei den 17 Hektar um eine "außergewöhnlich große Fläche" handle. Daher werden die Auflagen "als zumutbar eingeschätzt". Gesetzliche Grundlage sei das Bundesnaturschutzgesetz. Man setze die Auflagen der Regierung von Mittelfranken um.

Entscheidung vor Gericht

Rippel fühlt sich gegängelt. Er habe Kulturen in der ganzen Region und habe bisher mit keinem anderen Landratsamt Ärger gehabt. Bereits vor dem strittigen Bescheid habe das Umweltamt eine artenschutzrechtliche Prüfung erwirken wollen, wogegen er aber erfolgreich protestiert habe. Es gehe ihm nicht ums Finanzielle, viel mehr ums Prinzip. Er wolle nicht zu Unrecht als Naturzerstörer dastehen. Daher hat er die Auflagen juristisch angefochten. Anfang nächsten Jahres wird also ein Verwaltungsrichter entscheiden, ob die Christbäume die Feldlerche nun vergraulen oder nicht.

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