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LKR Erlangen-Höchstadt
ÖPNV in der Krisenzeit

Buspläne im Corona-Notmodus: Landkreis Erlangen-Höchstadt und OVF streichen bei Linien

Einbrüche bei den Fahrgastzahlen zwingen OVF und Landkreis dazu, den Busverkehr vorübergehend einzudampfen. Bei Busunternehmen wird Kurzarbeit ein Thema.
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Foto: Archiv
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Es ist eine Kern(pflicht)aufgabe des Landkreises: die Organisation des Busverkehrs. Nicht verwunderlich, dass im Kommunalwahlkampf nahezu jeder Politiker beschwor, den Nahverkehr weiter ausbauen zu wollen.

Dementsprechend schwer sei es ihm daher gefallen, die seit Freitag geltenden vorübergehenden Einschränkungen beim Busverkehr (siehe unten) vornehmen zu müssen, sagt Landrat Alexander Tritthart (CSU).

Ein guter Busverkehr liege ihm sehr am Herzen. Deshalb wolle er trotz der derzeit schwierigen Ausnahmesituation alles tun, "so gut wie möglich ein flächendeckendes und attraktives Nahverkehrsangebot zu bieten", so Tritthart.

Es ist klar: Die Corona-Pandemie wirbelt natürlich die Busfahrpläne durcheinander. Doch mit Folgen. Ein betroffenes Busunternehmen ist die Firma Werner Vogel aus Höchstadt, das zusammen mit den Busunternehmen Galster (Wachenroth) und Brehm (Greuth) Buslinien im ÖPNV des Landkreises bedient.

Die größte Zahl der gestrichenen Fahrten betreffe aktuell bei seinem Betrieb nicht die vom Landkreis, betont Damian Breuer, Prokurist bei Omnibus Vogel. Von den für den Landkreis ERH gefahrenen Linien fallen bisher nur die Nachtfahrten weg (im Fahrplan mit dem Zusatz V96Br gekennzeichnet). Diese würden aber nicht ganz so ins Gewicht fallen.

OVF streicht 95 Prozent

Der Löwenanteil der wegen der Pandemie entfallenden Fahrten seien die Aufträge des Omnibusverkehr Franken (OVF). "Hier sind 95 Prozent gestrichen. Uns trifft das gewaltig", sagt Breuer. Berechnet werden einzelne Fahrten und Tagespauschalen. Doch wegen des Coronavirus hagelt es massive Abschläge.

"Von Landkreisseite werden wir nicht alleingelassen, hier stehen wir ständig in enger Verbindung", stellt Breuer fest. Die Stadt Erlangen hat ihren Wochenfahrplan auf Wochenendfahrzeiten umgestellt. Hier rollen von eigentlich fünf Bussen der Firma Vogel zur Zeit nur noch zwei bis drei. Dazu komme, dass durch die Kurzarbeit bei einem großen Unternehmen nun wohl der Werksverkehr auf unbestimmte Zeit wegfalle. Auch im Ausflugsverkehr und wegen der Schulschließungen sind die Ausfälle enorm hoch.

Kurzarbeit scheint unabwendbar

Insgesamt habe sein Betrieb 94 Busse im Einsatz. Davon sei nun ein Drittel abgemeldet. Kurzarbeit? Ja, das sei Thema, bedauert Breuer. "Wir haben für April Kurzarbeit angemeldet. Leider. Aber anders wird es nicht gehen." Wie viele der 130 Mitarbeiter, darunter der allergrößte Teil fest angestellte Fahrer, betroffen sein werden, sei noch nicht absehbar. "Wir sind da noch am Anfang."

Auch von Breuer hört man, was man derzeit allerorten hört: Er hoffe inständig, dass die Krise bald ein Ende nimmt.

"Unsere Mitarbeiter zeigen tolles Verständnis für die schwierige Situation. Sie überlegen mit: Was kann man machen? Wie kann man zusammenhalten?", sagt Breuer. Das Motto sei "Zusammen schaffen wir das", auch durch eine vorübergehende Phase der Kurzarbeit.

Hohe Ausfälle bei Firmen

Die wirtschaftlichen Folgen seien enorm. Breuer rechnet bisher mit einem hohen Betrag bei den Ausfällen. "Wir haben ja zum Glück noch was zu Fahren", sagt der Prokurist. Schlimmer sei es für Unternehmen mit Schwerpunkt auf Busreisen, etwa ins Ausland. "Die werden alleine gelassen", so Breuer. Es werde zwar viel an Hilfsgeld oder Krediten angekündigt. Aber es gebe Kollegen, die seit drei Wochen auf eine Reaktion der Behörden warten.

Doch auch im Linienverkehr geht es ums Geld. Beim OVF sieht man sich zu Kürzungen gezwungen angesichts der ausbleibenden Fahrgäste. Ein Sprecher des Unternehmens teilt auf FT-Anfrage mit: "In Zeiten von flächendeckenden Schulschließungen haben die Aufgabenträger den Schulfahrplan abbestellt und einen Ferienfahrplan bestellt. Im entsprechenden Umfang entfallen bei der OVF, aber natürlich auch bei den Subunternehmern, Leistungen."

"Marktaustritt" vermeiden

Man verstehe das "Verhältnis mit Subunternehmen der Busbranche partnerschaftlich" und man habe "keinerlei Interesse an einem Marktaustritt von Unternehmen". Dies gelte "zumal die Schülerverkehre ja absehbar wieder gefahren werden sollen". Darum bezahle der OVF den beauftragten Busfirmen "weiterhin einen hohen Ausgleich, der sich am Schulfahrplan orientiert, obwohl Leistungen im Schülerverkehr - aufgrund der fehlenden Bestellungen unseres Aufgabenträgers - derzeit nicht stattfinden."

Verträge kennen keine Pandemie

Aufgabenträger ist in diesem Fall der Landkreis. Dieser teilt auf Anfrage mit, man zahle für die eigenen Beauftragungen "natürlich auch weiterhin - in welcher Höhe ist allerdings aktuell noch nicht klar." Ein "solcher Fall wie der Aktuelle ist in den Verträgen nicht explizit geregelt", so das Landratsamt.

Die Reduzierung auf zwei Linien sei der Vorschlag des diese Route bedienenden Unternehmers gewesen, kein Vorschlag des Landkreises. Das Amt betont: "Der OVF fährt diese Verkehrsleistung auf eigene Rechnung, daher der Vorschlag des OVF das Angebot aufgrund der aktuell geringen Nachfrage zu reduzieren, um im Unternehmen die Kosten so gering wie möglich zu halten."

Einschränkungen auf bestimmten Linien

Auf den Buslinien des Landkreises Erlangen-Höchstadt werde das Fahrplanangebot aufgrund der geringen Nachfrage weiter reduziert, teilt das Landratsamt mit. Das gekürzte Angebot gelte vorerst bis zum Ende der Osterferien (Sonntag, 19. April).

Keine Schul- und Nachtfahrten

Auf den VGN-Linien, die im Landkreis ERH verkehren, finden seit Freitag vorerst die Fahrten mit den Verkehrshinweisen V96 und Br nicht mehr statt. Aufgrund der weiterhin geltenden Ausgangsbeschränkungen sei der Bedarf für die Nachtschwärmer-Fahrten gering, heißt es in der Mitteilung.

Takt von 203E und 205 reduziert

Ab Montag, 6. April, wird das Taktangebot der Linie 203E "Erlangen - Höchstadt (Aisch-Express über A3)" von Montag bis Samstag auf einen Zwei-Stunden-Takt reduziert. Das Fahrplanangebot der Linie 205 "Erlangen - Höchstadt" wird von Montag bis Freitag auf einen 30- bis 60-Minuten-Takt reduziert. Samstags fährt die Linie in einem 30- bis 120-Minuten-Takt und sonntags im Zwei- bis Drei-Stunden-Takt. Außerdem finden nach 22 Uhr keine Fahrten mehr statt.

Der OVF, Omnibusverkehr Franken GmbH/DB Frankenbus, weise an den Haltestellen der betroffenen Linien 203E und 205 auf die Änderungen hin, teilt der Landkreis mit. Fahrgäste können dort die ab Montag gültigen Not-Fahrpläne einsehen.

Das Landratsamt bittet alle Fahrgäste, sich vor Fahrtantritt zu informieren, ob die Fahrt stattfindet - am besten auf der Seite des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) unter www.vgn.de.