Oberwinterbach
Sonderkultur

Bunte Blüten bereichern Weihnachtsbäume in Oberwinterbach

Ein Schutzraum für Vögel sind Weihnachtsbaumkulturen von Haus aus. Nun kommen in Oberwinterbach auch noch Blühstreifen für Bienen und Insekten dazu.
Artikel drucken Artikel einbetten
Doris Geyer ist stolz auf ihre vielfältigen Blühstreifen in und rund um ihre Christbaumkulturen. Fotos: Karina Brock
Doris Geyer ist stolz auf ihre vielfältigen Blühstreifen in und rund um ihre Christbaumkulturen. Fotos: Karina Brock
+2 Bilder

Doris Geyer brennt für ihre neueste Errungenschaft: "Sehen Sie nur, wie es überall brummt und fliegt!" Die Frankentanne-Chefin steht mitten in einer ihrer Christbaumkulturen in Oberwinterbach und schaut den Bienen, Schmetterlingen und Vögeln zu. Eine Vielfalt, die in einer Monokultur so nicht von Haus aus vorhanden ist. Aber Doris Geyer hat ihren Mann davon überzeugt, Blühstreifen um die Kulturen, in den Fahrgassen, überhaupt auf fast allen ungenutzten Flächen anzusäen. Sogar der in der Saison als Park- und Lagerplatz genutzte Streifen direkt am Hof blüht wild und bunt. "In diesem Jahr gedeiht alles wunderbar!"

Eigentlich wurden die Insektenparadiese schon 2018 angelegt, konnten sich wegen der Trockenheit im letzten Jahr jedoch nicht entfalten. "In diesem Jahr hat es im Frühjahr zum richtigen Zeitpunkt doch etwas mehr geregnet", freut sich Doris Geyer. Auch wenn die Bäumchen durchaus mehr Niederschläge vertragen würden - für die Blühstreifen hat es gereicht.

"Das Thema ist neu"

Was in der Landwirtschaft schon vor zwei bis drei Jahren begann, hat in der Branche der Christbaumanbauer noch wenig Resonanz gefunden: "Das Thema ist in diesem Jahr neu", sagt Thomas Emslander, Vorsitzender des Bayerischen Christbaumanbauer e.V. Noch gebe es keinen Nachahmereffekt, die Familie Geyer sei absoluter Vorreiter. "Wir sind immer noch dran, über das Siegel ,Geprüfte Qualität aus Bayern' die Chemie zu reduzieren - nicht mal da ziehen alle mit", kritisiert der Vereinsvorsitzende. Und das, obwohl man festgestellt habe, dass die ökologischen Pflanzenschutzmittel teilweise sogar deutlich effektiver seien, als die herkömmlichen. "Leider sind es vor allem die kleinen Betriebe, die sich darauf einlassen. Die Großen haben wenig Interesse." Vorreiter wie die Geyers seien umso wichtiger: "Ich hoffe, dass sich das weiter verbreitet."

"Es wird schon viel getan"

Dem widerspricht Peter Geiß, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer (IGW), vehement. "Im ganzen Bundesgebiet wird schon viel gemacht - von kleinen wie großen Betrieben." Blühstreifen und -ecken seien das eine. Viele Anbauer würden zudem eng mit örtlichen Imkern zusammen arbeiten und auch mit Obstbaumstreifen für Bienenfutter sorgen. "Seit etwa zwei Jahren findet ein Umdenken statt. Es wird viel diskutiert und ausprobiert - gerade bei den Jungen." So habe die IGW bereits eine Vogelstudie in Auftrag gegeben, eine Insektenstudie laufe gerade. "Das Thema liegt vielen in der Branche sehr am Herzen. Jedem ist bewusst, dass man was tun muss." Er könne die Aussage Emslanders daher nicht nachvollziehen.

Für Doris Geyer ist es jedenfalls keine Frage, dass sich ihr Einsatz rentiert. Vielleicht nicht finanziell. Eine Förderung nehmen die Geyers dafür zumindest nicht in Anspruch. Aber für das große Ganze: "Wir bekommen soviel von der Natur und es ist schön, einen Teil an die Natur zurückzugeben." Die blühenden Kleinode seien schließlich nicht nur optisch schön, sondern bilden den Anfang einer Kette: Mehr Insekten bedeuten mehr Vögel. Diese wiederum locken Greifvögel an. Auch Hasen und Kaninchen finden Unterschlupf in den zum Teil mannshohen Gewächsen.

Wichtig war ihr, dass das ganze Jahr über etwas blüht, nicht nur im Frühling. Daher hat sie die "Veitshöchheimer Bienenweide" angesät, eine mehrjährige Samenmischung aus über 40 Wild- und Kulturarten wie Mohn, Kamille, Königskerze, Distel, Schafgarbe, Buchweizen und vielen mehr. Rund 80 Prozent der Kulturen sind inzwischen so bestückt. Um die Insekten vor Ort zu halten und den Artenreichtum weiter voranzutreiben, ist Geyer zudem dabei, Insektenhotels aufzustellen.

Vor Kurzem hat sie ihr Projekt Kollegen aus ganz Deutschland präsentiert: Bei einem Treffen der IGW auf ihrem Hof erntete sie großes Interesse an der Vielfalt der begrünten Fahrgassen. "Wir würden uns freuen, anderen Sonderkulturen einen positiven Anstoß zur Nachahmung zu geben. Es ist so bereichernd, wenn man merkt, dass man etwas bewirken kann."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren