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Burghaslach
Initiative

Bürgerbegehren in Burghaslach: "Der Innenort stirbt aus"

Zwei Burghaslacher haben mit weiteren Unterstützern ein Bürgerbegehren gestartet. Sie sind gegen ein geplantes Neubaugebiet östlich der Gemeinde.
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Das rot eingezeichnete Gebiet im Osten ist von der Gemeinde gekauft und soll ein Neubaugebiet werden. Die Initiatoren fordern, dass zuerst auf freien Flächen innerhalb des Ortes gebaut wird (gelb eingezeichnet), damit der Altort (lila) nicht zunehmend ausstirbt. Foto: Mirjam Stumpf
Das rot eingezeichnete Gebiet im Osten ist von der Gemeinde gekauft und soll ein Neubaugebiet werden. Die Initiatoren fordern, dass zuerst auf freien Flächen innerhalb des Ortes gebaut wird (gelb eingezeichnet), damit der Altort (lila) nicht zunehmend ausstirbt. Foto: Mirjam Stumpf
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Jürgen Winkelbauer hält einen Ortsplan von Burghaslach in den Händen. Mehrere Gebiete sind darauf gelb markiert, eines rot umkreist. "Rot ist das von der Gemeinde erworbene Gebiet", sagt er über die Fläche, die am östlichen Rand des Ortes liegt. Und das ist das Problem. Winkelbauer und weitere Burghaslacher haben deshalb Unterschriften für ein Bürgerbegehren in allen Ortsteilen Burghaslachs gesammelt, um einen Bürgerentscheid zu bewirken. Sie befürchten eine zunehmende Zersplitterung des Ortes, während der Altort immer dünner besiedelt ist. "Der Innenort stirbt aus", so Christian Hofmann, erster Vertreter des Bürgerbegehrens.

Die Initiatoren sind der Auffassung, dass eine zusätzliche Bebauung östlich der Gemeinde nicht sinnvoll sei. Zumal es im Ortskern noch viele einzelne Flächen gibt, die zuerst bebaut werden könnten. Für diese spreche, dass hier bereits eine gute Infrastruktur für Verkehr und Abwassersysteme bestehe, sagt Hofmann. Außerdem würde durch das geplante Neubaugebiet die Zufahrtsstraße an der Fürstenhofer Straße zusätzlich belastet, die jetzt schon nur sehr schmal ist. Hierfür seien von Seiten der Gemeinde keine Neuerungen vorgesehen, sagt er. "Die einzige Zufahrtsstraße wird nicht entlastet, vielmehr werden die Anwohner belastet", so Hofmann.

Einen weiteren Störfaktor sehen sie in den Abwasserleitungen. Diese seien zum Teil mehrere Jahrzehnte alt und würden einer zusätzlichen Belastung nicht standhalten, erzählt Winkelbauer, dessen Grundstück selbst über diesen Abwasserleitungen liegt.

Hofmann und Winkelbauer beziehen sich in ihrer Argumentation auch auf Angaben des Bayerischen Landesamt für Umwelt. Stagniere oder sinke die Einwohnerzahl einer Kommune, während gleichzeitig neue Baugebiete am Ortsrand entstehen, steigen die Pro-Kopf-Kosten, heißt es dort. Die einzelnen Bewohner müssten aufgrund eines größeren Gebiets unterm Strich mehr für Trinkwasser oder Müllabfuhr bezahlen. Nicht nötig, wenn zuerst leere Flächen im Ortskern bebaut werden, findet Hofmann.

Neubaugebiet mit Südhang

Die Bedenken der Befürworter des Bürgerbegehrens kann Bürgermeister Armin Luther (CSU) so nicht teilen. Er spricht von einer guten Infrastruktur des geplanten Neubaugebiets. Die erforderlichen Abwassersysteme seien schon vorhanden. Ein Ingenieurbüro habe bereits Untersuchungen bezüglich der Systeme gemacht. Außerdem sei ein Regenrückhaltesystem geplant, das den Abfluss entzerre.

Es gebe auch viele Argumente, die für dieses Gebiet sprechen. "Es ist die schönste Lage mit Südhang und Blick auf den Ort." Luther räume zwar ein, dass die Bewohner an der Zufahrtsstraße eine Belastung durch den Durchgangsverkehr haben, die mit dem Neubaugebiet auch nicht weniger werde. Trotzdem: "Es ist eine ganz normale Zufahrtsstraße."

Hofmann und Winkelbauer sind in Burghaslach aufgewachsen und demnach an den Veränderungen ihres Wohnortes interessiert. "Das Dorf soll sich schon weiterentwickeln", so Winkelbauer. Gegen das Bauen an sich seien sie nicht, betonen sie, aber es müsse sinnvoll sein. "Ich bin Maurermeister. Eigentlich müsste ich dafür sein", sagt Hofmann. "Aber irgendwann ist es einfach nicht mehr Burghaslach." Zumal die noch freie Fläche von vielen Anwohnern als Naherholungsgebiet genutzt werde.

Bürgermeister Luther setzt den theoretischen Begründungen der Initiatoren ein weiteres Argument aus der Praxis entgegen: "Manche wollen eben nicht im Altort wohnen." Er versichere aber, dass auch dort etwas geschehe, man arbeite bereits daran. Er verwies auf das ehemalige Baywa-Gelände im Süden. An anderen Plätzen stellen sich Besitzer quer. "Ich kann keinen enteignen", so Luther.

Es tut sich etwas

406 Unterschriften konnten die Initiatoren in den vergangenen Wochen sammeln. Nur 200 wären nötig gewesen. Am Donnerstag haben sie die Liste der Gemeinde überreicht. Diese habe nun die Möglichkeit, den Entscheid zuzulassen oder im Gegenzug ein Ratsbegehren zu starten, so Winkelbauer. Damit der Entscheid gültig ist, müssten mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten abstimmen.

Für Hofmann und Winkelbauer ist klar: Unabhängig davon, wie der Bürgerentscheid ausgehen werde, sie sind froh, dass sich was im Ort tut.