Höchstadt a. d. Aisch
Unterscheidung

Betreuung oder Pflege? Angebote in Höchstadt und Röttenbach

Etwa 50 Euro beträgt die Differenz der Kosten für die Gäste einer Seniorentagespflege gegenüber einer Tagesbetreuung.
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Maria Hildebrandt-Malucy leitet den Sitztanz an, der Gisela Fröhlich und Maria Friede großen Spaß bereitet.  Foto: Karina Brock
Maria Hildebrandt-Malucy leitet den Sitztanz an, der Gisela Fröhlich und Maria Friede großen Spaß bereitet. Foto: Karina Brock

Bei Gisela Fröhlich ist der Name Programm. "Ich komme gerne her", lacht die 80-Jährige. Sie genießt die Gespräche mit ihren Bekannten, die Gymnastik und Unterhaltung in der Seniorentagesstätte "Hand in Hand" in Höchstadt. "Es wird hier viel angeboten - das ist doch besser, als daheim alleine rumzusitzen."

Die Adelsdorferin ist noch sehr rüstig für ihr fortgeschrittenes Alter. Aber unter den Senioren, die in der privaten Tagespflege betreut werden, sind auch Demenzkranke oder Menschen, die körperlich nicht mehr fit sind. Zwölf Senioren betreuen Pflegedienstleiterin Maria Hildebrandt-Malucy und ihr Team jeden Tag. Kapazitäten hätten sie für 14. "Die Belegung wechselt. Manche sind zwei oder drei Tage da, andere jeden Tag", berichtet Simon Figacz. Der Pflegehelfer ist der Sohn der Chefin, auch ein weiterer Sohn und ihre Tochter sind im Unternehmen dabei. "Wir sind ein richtiger Familienbetrieb", freut sich Hildebrandt-Malucy. Die gelernte Altenpflegerin hat sich mit dieser familiären Unterstützung vor fünf Jahren den Traum der Selbstständigkeit erfüllt. "Ich war im System nicht mehr glücklich. Es war zu viel Bürokratie - dagegen sind die Bedürfnisse der Menschen mehr und mehr auf der Strecke geblieben."

Viel Bürokratie für hohe Qualität

Aber ohne Bürokratie geht es auch heute nicht - im Gegenteil. Um den Gästen eine qualitativ hochwertige, aber auch bezahlbare Unterbringung zu gewährleisten, hat die Einrichtung einen Versorgungsvertrag mit einer Pflegekasse geschlossen. Damit verpflichtet sie sich, bestimmte Standards in Sachen Räumlichkeiten, Hygiene, Fachpersonal und so weiter einzuhalten. "Jede Menge Dokumentation gehört auch dazu - bis hin zur Kühlschranktemperatur", so Figacz. Dafür übernimmt die Kasse den Löwenanteil der Kosten. Je nach Pflegegrad 19,82 bis 38,12 Euro pro Tag. Der Eigenanteil, der sich aus Verpflegung, Unterkunft und Investitionskosten zusammensetzt, beträgt dadurch nur noch 17,42 Euro am Tag. Geboten werden dafür - je nach Aufenthaltsdauer - bis zu vier Mahlzeiten (Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffee und Kuchen), pflegerische und medizinische Betreuung sowie abwechslungsreiche Beschäftigungsangebote. Auch die Fahrtkosten des Hol- und Bringdienstes übernimmt die Pflegekasse.

Ebenso verhält es sich bei der kürzlich eingeweihten Tagespflege der Caritas St. Barbara in Röttenbach (wir berichteten). Hier ist der Eigenanteil mit 21,89 am Tag etwas höher - wohingegen bei der Caritas-Tagesbetreuung in Höchstadt 60 bis 70 Euro pro Tag berappt werden müssen.

Warum das so ist, erklärt Adelheid Seifert: "Es gibt die Tagesbetreuung und die Tagespflege", so die Leiterin Pflege und soziale Dienste der Caritas Erlangen-Höchstadt. Bei Pflegeeinrichtungen wie St. Barbara oder "Hand in Hand" handelt es sich um teilstationäre Einrichtungen. Für solche gelten durch den Vertag mit den Pflegekassen besondere Anforderungen. Dabei geht es um Fachkraftpräsenz, Größe der Räume, Personalschlüssel und vieles mehr. Diese Auflagen werden von den Pflegekassen jährlich überprüft. "Der medizinische Dienst ist hier ganz genau. Da geht es um jede Einzelheit."

Kasse legt Preise fest

Die Preise werden dabei von der Kasse festgelegt und jedes Jahr neu verhandelt, wie Simon Figacz erklärt. "Wir haben es geschafft, unseren Eigenanteil seit 2014 stabil zu halten - trotz gestiegener Kosten." Die Pflegestufe spielt für den Kunden am Ende in so fern keine Rolle, als dass die Kassen immer den pflegerelevanten Teil übernehmen.

Eine Tagesbetreuung, wie sie die Caritas in Höchstadt unterhält, ist hingegen eine so genannte "niederschwellige Einrichtung". "Es gibt weniger Auflagen zu erfüllen und keine qualitative Überprüfung", erklärt Seifert. Hier gehe es vor allem um Beschäftigung und Angebote, nicht um die medizinische Pflege. Grundsätzlich könnte diese Form von Einrichtung auch von Ehrenamtlichen betrieben werden. "Natürlich setzen wir als Caritas auch hier unseren Qualitätsstandard an und haben Fachpersonal vor Ort", versichert Seifert. Darum seien solche Institutionen einerseits oft defizitär für den Anbieter, andererseits teuer für die Gäste, weil die Pflegekassen nicht aufkommen.

Darum, so Seifert, biete sie allen Gästen in Höchstadt an, jederzeit nach Röttenbach wechseln zu können. "Sollten wir Menschen ohne Pflegegrad aufnehmen, müssen diese allerdings ebenfalls voll für die Betreuung aufkommen." Das verhält sich bei "Hand in Hand" natürlich genauso. Schließlich haben sie keinen Anspruch auf Unterstützung durch die Pflegekasse. "Aber wir leisten in der Tagespflege auch die Begutachtung, um gegebenenfalls einen Pflegegrad zu bekommen", so Seifert. Beratung und Unterstützung bieten auch Hildebrandt-Malucy und ihre Leute. "Die Begutachtung findet jedoch zu Hause statt", sagt sie.

Problem Fachkräftemangel

Mittelfristig will die Caritas auch in Höchstadt eine Tagespflege einrichten. Das größte Problem dabei: die laut Seifert "dramatische Situation" auf dem Pflegekräftemarkt. "Immerhin sind die Arbeitsplätze in einer Tagespflegeeinrichtung attraktiv. Wir haben da einigermaßen gute Chancen."

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