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Herzogenaurach
Klimawandel

Berg-Ahorne im Hitzestress: Krankheit kann auch Menschen gefährden

Junge Bäume im Birkenbühl wurden erstmals von der Rußrindenkrankheit befallen. Menschen können bei intensivem Kontakt mit den Sporen allergisch reagieren.
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Ein von der Rußrindenkrankheit befallener junger Berg-Ahorn im Birkenbühl. Der Baum ist inzwischen gefällt und verbrannt worden.  Foto: Stadt Herzogenaurach
Ein von der Rußrindenkrankheit befallener junger Berg-Ahorn im Birkenbühl. Der Baum ist inzwischen gefällt und verbrannt worden. Foto: Stadt Herzogenaurach

Das ist eine Folge von Hitze und Trockenheit, also des Klimawandels: Junge Berg-Ahorne sind von einer neuen Krankheit befallen, die auch dem Menschen Probleme bereiten kann. Es ist die so genannte Rußrindenkrankheit, die in einem städtischen Waldbestand im Birkenbühl in Herzogenaurach erstmals entdeckt wurde.

Befallen waren vor allem junge Bäume, ein gutes Dutzend an der Zahl, aber auch ein älteres Exemplar. Alle Bäume sind inzwischen gefällt und beseitigt worden. Das berichtet die städtische Umweltbeauftragte Monika Preinl in einer Pressemitteilung.

Forstrevierleiterin Heike Grumann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth hatte die geschädigten Baumrinden bei einem ihrer Kontrollgänge entdeckt. Sie hat die Stadt Herzogenaurach informiert und unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen zur fachgerechten Beseitigung und Entsorgung eingeleitet.

Bisher ist das Waldstück im Birkenbühl der einzige Standort im Landkreis, sagt Grumann. Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch in Gärten kranke Ahorne stehen, da es in der Stadt gewöhnlich ja wärmer ist als im Wald. Deshalb können die Bürger bei Verdacht die Stadtverwaltung informieren

.

Für Menschen besteht die Gefahr einer Beeinträchtigung der Atemwege. Gefährdet sind sie aber nur dann, wenn sie intensiv mit den Sporen des Pilzes in Berührung kommen, sagt Grumann. So seien erste Krankheitsfälle bei Forstarbeitern in Nordamerika aufgetreten, die über mehrere Jahre solche Bäumen fällten. Auch Monika Preinl berichtet in der Pressemitteilung: "Beim Einatmen der Sporen können Allergiesymptome wie Reizhusten auftreten. Geschieht dies in sehr hoher Konzentration und über einen langen Zeitraum, kann dies eine Entzündung der Lungenbläschen auslösen."

Die Hinweise richten sich daher vor allem an Menschen, die durch ihren Beruf diesen Sporen ständig intensiv ausgesetzt sein können, wie zum Beispiel Forst- und Waldarbeiter. Spaziergänger oder Jogger seien nicht gefährdet.

Bäume wurden verbrannt

Bei Verdachtsfällen im Wald oder Garten wird dringend empfohlen, Fachleute einzusetzen. Försterin Heike Grumann hat die mit der Fällung beauftragten Waldarbeiter im Stadtwald angewiesen, Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen beim Fällen und Zerkleinern der befallenen Ahornbäume vorzunehmen, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: "Der Fällbereich wurde weiträumig abgesperrt. Die Stämme und Äste wurden in Bigbags verpackt und mit Lastwagen zur Müllverbrennungsanlage nach Bamberg gebracht."

"Die Bäume stehen unter Stress", beschreibt die Herzogenauracher Försterin die Situation. Und das sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" eine Folge des Klimawandels. Denn der Pilz, der überall vorhanden ist und an sich kein Problem darstellt, befällt gestresste Bäume. Und schon werden sie geschädigt und krank.

Gestresst werden die Bäume, wie auch Monika Preinl berichtet, durch die extreme Hitze und Trockenheit. Viele Bäume vertragen offenbar die zunehmend steigenden Temperaturen nicht. Der Klimawandel setzt auch anderen Bäumen zu, berichtet Heike Grumann weiter. Von Hitze und Trockenheit betroffen sind, als typischer Flachwurzler, die Fichten. Da spielt der Borkenkäfer noch nicht mal die entscheidende Rolle. Ein größeres Problem sind laut Grumann aber die Kiefern, die es in den hiesigen Wäldern weit häufiger gibt als die Fichte: "Sie zeigt immer mehr, dass sie mit den hohen Temperaturen nicht zurecht kommt". Dadurch werden die Bäume anfällig für Schädlinge, von denen es eine Menge gibt, werden krank und sterben.

Umdenken erforderlich

Langfristig erfordert der Klimawandel ein Umdenken. Man müsse viele verschiedene, auch neue Baumarten pflanzen, sagt die Försterin. Und man müsse junge Bäume schützen. Beispielsweise seien viele kleine Eichen im Wald nachgewachsen. Die sieht Grumann aber auch durch den Wildverbiss gefährdet. "Wir brauchen dringend Unterstützung von Jägerseite", fordert sie. Sie müssten für "angepasste Wildbestände" sorgen.

Die Rußrindenkrankheit und ihre Folgen

Beschreibung Der extrem wärmeliebende Rußrindenpilz ist ein Schwächeparasit. Er ist latent und symptomlos an Ahornbäumen vorhanden. Wird der Ahorn durch Trockenstress, Wassermangel und große Hitze geschwächt, kann der Pilz riesige Mengen von Sporen ausbilden und am Ahorn die Rußrindenkrankheit hervorrufen. Gefährdet sind alle Ahorn-Arten, insbesondere der Berg-Ahorn.

Krankheit Befallene Ahornbäume welken, die Krone stirbt zurück, am Stamm löst sich die Rinde flächig ab und das darunterliegende Holz ist von einer dicken schwarzen, mehlig-staubigen Schicht aus Pilzsporen überzogen. Dadurch unterscheidet sich der Pilz von anderen Lebensformen (zum Beispiel Flechten), die harte, schwarze, nicht staubende Krusten auf der Rinde bilden.

Herkunft Der Rindenpilz Cryptostroma corticale stammt aus Nordamerika und wurde in Deutschland erstmals 2005 in Baden-Württemberg und in Bayern 2018 (Unterfranken) nachgewiesen. Die Rußrindenkrankheit wird ausdrücklich mit den langen heißen und trockenen Sommern in Verbindung gebracht.

Meldungen Bei Verdacht auf Rußrindenkrankheit im Wald ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, Forstrevier Erlangen (Telefonnummer 09131/47467) zu verständigen. Verdachtsfälle bei Bäumen im Straßenraum oder in Gärten sollten bei der Stadtverwaltung, Sachgebiet für Natur- Umwelt- und Klimaschutz (Telefonnummer 09132/901-232) gemeldet werden.

Maßnahmen Rindenproben von befallenen oder verdächtigen Ahornbäumen müssen luftdicht in zwei Ziplock-Tüten ("Tüte in Tüte") verpackt und beschriftet zusammen mit einem Probenbegleitschein an das Institut für Pflanzenschutz in Freising zur Diagnose geschickt werden. Bei der Probenentnahme sollte ebenfalls Schutzkleidung getragen werden.

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