Herzogenaurach
Projekt

Bekommt Herzogenaurach einen Schulbauernhof?

Damit aus dem Archehof hinter der Reha-Klinik ein Schulbauernhof werden kann, braucht die Familie Fischer die Hilfe der Stadt.
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Petra und Has-Joachim Fischer stellten gemeinsam mit Tochter Mathilda ihre Idee eines Schulbauernhofs.   Foto: Verena Stephan
Petra und Has-Joachim Fischer stellten gemeinsam mit Tochter Mathilda ihre Idee eines Schulbauernhofs. Foto: Verena Stephan
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Freilaufende Hühner und Gänse, blökende Schafe, süße Kaninchen, ein Blick aufs weite Feld, kein Strom - Idylle pur. Was für viele klingt wie der Beginn eines Kinderbuches, ist in Wirklichkeit gar nicht weit von uns entfernt. Auf dem Bio-Archehof der Familie Fischer hinter der Reha-Klinik ist genau diese Szenerie Wirklichkeit geworden. Am Donnerstag waren Interessierte eingeladen, sich auf dem Archehof umzuschauen und sich über die Idee eines Schulbauernhofs für Herzogenaurach zu informieren.

Was 2013 als Selbstversorgungsversuch startete, ist nun der Hit für viele Gruppen von Krippenkindern bis zu Jugendlichen. Petra Fischer, Fachkraft für tiergestützte Pädagogik, möchte den Kindern die Nähe zu den Tieren beibringen und so das Umweltbewusstsein stärken. Neben verschiedenen pädagogischen Angeboten bietet die Familie außerdem Lebensmittel aus eigener, regionaler und nachhaltiger Herstellung von Apfelsaft über frische Eier bis hin zur Weihnachtsgans an.

Ein außerschulischer Lernort

Nun möchte das kleine Familienunternehmen den nächsten Schritt gehen und ein Schulbauernhof für Herzogenaurach und Umgebung werden. "Wir brennen für diese Sache", bekräftigt Petra Fischer und erzählt von ihren Plänen: "Ein Schulbauernhof wäre die perfekte Kombination für einen außerschulischen Lernort der besonderen Art. In der Schule lernen die Kinder zwar auch etwas über die Kartoffel, aber nur von außen. Hier bei uns sind wir mittendrin, mit Herz und Kopf, und können die Kinder dafür sensibilisieren, was es heißt, nachhaltig und ökologisch zu handeln."

Das einzige Problem bei diesem Projekt: Der Hof befindet sich nicht auf Bauland und die Familie Fischer braucht nun die Unterstützung der Stadt, um etwas zu verändern. Doch wieso muss überhaupt etwas verändert werden? Auch auf diese Frage steht Petra Fischer Rede und Antwort: "Zum Ersten haben wir hier keine offizielle Adresse, weshalb wir für anreisende Gruppen immer etwas schwer zu finden sind. Außerdem haben wir keine Strom- und Wasserversorgung und somit auch keine sanitären Anlagen. Da wir von April bis Dezember mit Gruppen auf dem Hof sind, kann es auch mal ganz schön frostig werden, und kein Kind schält gern bei Minusgraden Kartoffeln, also bräuchten wir einen beheizbaren Gruppenraum und eine richtige Küche."

Es ist deutlich zu merken, dass sich die Familie über alles schon wohlüberlegte Gedanken gemacht hat. Auch ein Wohnhaus, selbstverständlich aus ökologischen Baustoffen, wäre wünschenswert, da die Familie aktuell ständig zwischen ihrem Wohnhaus und dem Archehof hin- und her hetzen muss.

Es gibt schon viele Anfragen

Zielgruppe des Schulbauernhofs wären alle Menschen von eineinhalb bis 99 Jahren aus dem gesamten Landkreis. Darunter fallen 29 Grund- und Mittelschulen sowie einige Realschulen, Gymnasien und Förderzentren. Viele Punkte auf dem Bio-Archehof Fischer passen perfekt in den bayerischen Lehrplan, und gerade in der aktuellen Situation, in der Umwelt großgeschrieben wird, ist es wichtig, die zukünftigen Generationen schon früh an das Thema heranzuführen, meint Petra Fischer.

Doch auch die Stadt Herzogenaurach würde enorm von einem Schulbauernhof profitieren da sie zukunftsorientiertes Handeln und ökologische Weitsicht beweisen würde und somit am Puls der Zeit stehen könnte. Der Schulbauernhof wäre ein Leuchtturmprojekt für die ganze Region und sicherlich eine Anlaufstelle für Schulen, Einrichtungen und Familien.

"Wir bekommen so viele Anfragen, zum Beispiel von der Reha-Klinik und von Seniorenheimen, die wir ablehnen müssen, weil wir nicht die Ausstattung haben, die wir bräuchten. Viele Familien würden gern auch einfach mal einen Sonntag bei uns auf dem Hof verbringen und abschalten, aber das ist leider noch nicht möglich. Wenn wir hier erweitern dürften, würden wir gerne beispielsweise jeden ersten Sonntag unsere Tore öffnen."

"Es gibt eigentlich keine andere Möglichkeit", erklärt Hans-Joachim Fischer, der eigentlich Schreiner und Kfz-Mechaniker gelernt, aber jetzt seine Ausbildung zum Landwirt nachgeholt hat. "Entweder wir kriegen die Unterstützung der Stadt und werden ein Schulbauernhof, oder wir müssen mal schauen, wie lang wir das noch in diesem Rahmen stemmen können." Der Vater von vier Kindern hat zusätzlich zu seiner Zeit auf dem Hof auch noch einen Vollzeitjob.

Gerade weil die Familie Fischer mit so viel Leidenschaft hinter diesem Projekt steht, war es für sie bedauerlich zu sehen, dass sich die Zahl der anwesenden Politiker trotz 46 verschickter Einladungen im einstelligen Bereich bewegte. Umso mehr wünscht sich Petra Fischer die Unterstützung der Einwohner: "Pioniere wurden am Anfang immer Spinner genannt", sagt sie zum Abschied.

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