Ein außergewöhnliches Projekt erlebte am Freitag seinen Spatenstich: der Bau einer gemeinsamen Rettungswache von BRK (Bayerisches Rotes Kreuz) und ASB (Arbeiter-Samariter-Bund). Es sei bayernweit einmalig, so wurde es in Grußworten verdeutlicht, dass diese beiden Organisationen zusammen eine Zentrale errichten. Bislang gab es nur vereinzelt Kooperationen unter einem Dach, aber keinen gemeinsamen Bau.

Auch in Herzogenaurach ist man, in beengten Verhältnissen in der Schillerstraße, schon bisher seit 1987 zusammen untergebracht. Nach mehreren Jahren, teils "zäher Verhandlungen", wie es der Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker bezeichnete, könne man bald aus der bisherigen Wache ausziehen.

Von einer der "drangvollen Enge" dort sprach Thomas Klüpfel, der Landesgeschäftsführer des ASB. Bis Weihnachten 2018 wolle man in die neue große Rettungswache im Gewerbegebiet an der Nordumgehung einziehen, stellte Alexandra Hiersemann fest. Auch die stellvertretende BRK-Kreisvorsitzende stellte die Gemeinsamkeit in den Vordergrund: "Wir gemeinsam zum Wohl der Bürger."

In der Tat: Eine solche Zusammenarbeit wäre vor zehn Jahren noch nicht vorstellbar gewesen, sagte ASB-Redner Klüpfel. Aber es sei "gut so", dass die bayerischen Hilfsorganisationen näher zusammenrücken.

Auch Gunnar Wiegand, der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, hob die Besonderheit dieser Zusammenarbeit hervor. Und dies "brauchen wir auch", ergänzte er. Denn die Herausforderungen in die Zukunft würden nicht geringer werden. Als Beispiel nannte er die so genannten Jahrhunderthochwasser, die inzwischen in viel kürzeren Abständen stattfänden.

Landrat Alexander Tritthart bezeichnete es als ein wichtiges Zeichen für die Bevölkerung, dass sich verschiedene Organisationen zusammentun und eine Vorbildfunktion erfüllen. Bürgermeister German Hacker erfüllte es mit einer "gewissen Zufriedenheit und Genugtuung", dass man nach einer langjährigen Vorbereitung das Projekt nun angehen und die Rettungswache aus dem "Kompromiss-Standort" Schillerstraße ausziehen könne.

Auch für Stefan Quandt, den Planer und Bauleiter des Projekts, sei es "in mehrerer Hinsicht ein besonderes Bauwerk", wie er feststellte. Unter anderem könne man einen wesentlich besseren Energiestandard schaffen als gefordert. Und durch die Fassadengestaltung bekomme man auch optisch einen Wiedererkennungswert.

Die neue Rettungswache ist laut der BRK-Vizevorsitzenden Hiersemann ein zukunftsweisendes Projekt mit einer Gesamtinvestition von rund fünf Millionen Euro. Das Grundstück an der Werner-Heisenberg-Straße im neuen Gewerbegebiet an der Bamberger Straße ist 2400 Quadratmeter groß. Das dreigeschossige Gebäude hat eine Grundfläche von 900 Quadratmetern.
Nach der Fertigstellung werden die beiden Hilfsorganisationen den Standort Schillerstraße aufgeben und müssen nicht mehr durchs Wohngebiet ausrücken.

In der neuen Wache werden zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug unterkommen. Außerdem werden Sozial- und Schulungsräume geschaffen. Das reguläre Rettungspersonal besteht aus Notärzten, Notfallsanitätern, Rettungsassistenten sowie Rettungssanitätern, heißt es in einer Pressemitteilung zum Spatenstich.