Laden...
Adelsdorf
Protest

Proteste in Mittelfranken: Deshalb blockierten Bauern die Aldi-Zufahrt

Eine Nacht blieb das Tor des Aldi-Zentrallagers in Adelsdorf von Traktoren verstellt. Landwirte wollten ein Zeichen setzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Traktor reihte sich an Traktor. Foto: News5/Merzbach
Traktor reihte sich an Traktor. Foto: News5/Merzbach
+4 Bilder

Sie sind sauer, richtig sauer. Ralf Geyer, Hans-Peter Lechner und hunderte andere Landwirte, die in der Nacht zum Montag das Aldi-Zentrallager in Adelsdorf blockierten. "Wir wollten Flagge zeigen. Das geht an die Existenz der Milcherzeuger," schimpfte Geyer am Montag im Gespräch mit dem FT. Der Schirnsdorfer Landwirt meint die neuesten Verhandlungen von Aldi Süd mit den Molkereien zur Senkung des Milchpreises. "Und das kaum vier Wochen, nachdem sich Einzelhandel und Politik wieder mal gemeinsam für vernünftige Preise ausgesprochen haben." Das war ihm und vielen seiner Kollegen einfach zu viel. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen immer mehr Bürokratie, Auflagen, Vorschriften und den immer höher werdenden Preisdruck.

Die jüngste Schnellaktion sei zwar weder angemeldet noch zentral organisiert gewesen. Es seien aber viele gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. "Wir haben uns gedacht, wir reagieren sofort, weil bis zum 1. Mai sollen die Preise mit den Molkereien festgelegt werden", sagte auch Hans-Peter Lechner, Biolandwirt aus Burgebrach. Um die 300 Menschen und 80 bis 100 Traktoren seien in der Spitze versammelt gewesen. Insgesamt waren etwa von 22 Uhr bis 4.30 Uhr Menschen und Maschinen vor Ort.

Friedlich und gesittet

Trotz Wut und Menschenansammlung sei aber alles friedlich und gesittet abgelaufen, berichtet Markus Fehder, Einsatzleiter der Polizei. Die Bauern hätten lediglich mit Plakaten auf die Situation aufmerksam gemacht und kleine Feuer zum Wärmen geschürt. "Es hat niemand strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten. Wir bewerten das als spontane Versammlung - es gab ja auch keinen Versammlungsleiter. Das ist im Versammlungsgesetz möglich."

Anamaria Inden, Pressesprecherin bei Aldi Süd, bestätigt auf Anfrage, dass die Proteste friedlich abliefen. Wie "jedes Jahr üblich um diese Zeit" befinde sich das Unternehmen in der Ausschreibung für Milchprodukte, "die Verhandlungen dazu laufen noch". Ausschlaggebend für die Preisfindung seien die weltweiten Rohstoffmärkte, also Angebot und Nachfrage.

"Darüber hinaus ist Aldi grundsätzlich daran interessiert, eine partnerschaftliche und vernünftige Einigung mit unseren Lieferanten im Sinne aller Beteiligten zu finden", so Inden. Mehr wollte die Pressesprecherin während des aktuell laufenden Prozesses nicht sagen.

"Echte" Blockaden möglich

Immerhin scheint Aldi die Proteste bereits erwartet zu haben, meint Ralf Geyer. "Da wollte kein Lkw raus, der etwas auszuliefern hatte. Die waren vorbereitet und haben das vorher schon abgewickelt", so sein Eindruck. Wenn Aldi in den Gesprächen, die gestern mit der Organisation "Land schafft Verbindung" (LsV) stattfinden sollten, stur bleibe, könnte er sich aber auch "echte" Blockaden vorstellen. "24 oder 48 Stunden, um richtig Druck zu machen." Das müsste dann aber natürlich angemeldet und entsprechend vorbereitet werden.