Höchstadt a. d. Aisch
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Bauer in Höchstadt setzt Schockfrost als Schutzschild für Erdbeeren ein

Damit die Erdbeeren im Spätfrost nicht erfrieren, schützt Bauer Johannes Schuster aus Höchstadt diese durch eine spezielle Beregnung.
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Damit es Ende Mai Erdbeeren gibt, müssen diese den Spätfrost überstehen. Foto: Mirjam Stumpf
Damit es Ende Mai Erdbeeren gibt, müssen diese den Spätfrost überstehen. Foto: Mirjam Stumpf
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Wenn das Thermometer unter null Grad zu fallen droht, muss Johannes Schuster aktiv werden, um seine Erdbeeren zu retten. Dafür bedient sich der Agraringenieur mit Feldern am Rande Höchstadts der modernen Technik der Erdbeer-Frostschutzberegnung.

Zum Einsatz komme die Anlage nachts, wenn es in den Frühlingsmonaten doch noch einmal an den Gefrierpunkt gehe. "Von Samstag auf Sonntag in der vergangenen Woche ist es Minus drei Grad kalt geworden", berichtet Erdbeerbauer Schuster. Dieser Frost zerstöre die Zellstruktur der jungen Sträucher.

Durch die Beregnung werden die gedeihenden Pflanzen ununterbrochen mit Wasser benetzt. Dieses legt sich als gefrierender Film über sie. "Wenn Wasser vom flüssigen Zustand zu Eis wird, wird dabei Energie frei", erklärt Schuster die sogenannte Erstarrungswärme, die die umhüllte Pflanze schützt. Deshalb sei es auch wichtig, dass alle Teile der Pflanze gleichmäßig beregnet werden.

Viel Wasser ist nötig

Etwa 12.000 Liter Wasser pro Stunde verteile die Maschine mit Kreisregnern über dem Erdbeerfeld, so der 59-Jährige aus Untersteinbach bei Ebrach. Eine Menge Flüssigkeit. "Das Wasser fließt aber nur zurück in den Boden", relativiert er den Verbrauch. Ein Fehler, der bei einem solchen Einsatz hingegen passieren könne, ist, wenn er die Beregnung zu früh ausschalte. Denn dann trete der gegenteilige Effekt ein und die Wärme würde aus den Pflanzen gezogen werden.

Die Familie Schuster baut ihre Früchte sowohl in Höchstadt als auch in Pödeldorf an. Die zwei direkt nebeneinander liegenden Felder am Aischpark sind jeweils 0,75 Hektar groß. Beregnet wird aber nur eine Seite. Für mehr Fläche reiche der zwölf Meter tiefe Brunnen nicht aus, so Schuster.

Gegen sieben Uhr in den Morgenstunden werde das Wasser meist wieder abgestellt. Nach einer kalten Nacht könne man bereits gegen Mittag erkennen, wenn eine Pflanze erfroren ist. Denn dann verfärben sich die Blütenköpfe schnell schwarz. "Ein paar einzelne sind noch dabei, die etwas werden könnten", sagt er, weswegen diese weiterhin gepflegt werden.Trotzdem kann er bereits jetzt eine Bilanz ziehen: "Die letzten zwei Wochen sind uns erfroren."

Ein technisches Gerät unterstützt die Familie Schuster. Per Sms kriegt der Erdbeerbauer eine Nachricht auf sein Smartphone geschickt, wenn es zu Bodenfrost kommen könnte. Die Fühler, die Luft- und Nasstemperatur gleichermaßen messen, befinden sich direkt auf Pflanzenhöhe. Für die Bildung von Frost sei aber die Nasstemperatur entscheidend. "Das ist uns eine große Hilfe", ist der Erdbeerbauer dankbar über dieses System.

Am Rand des Gewerbegebietes

Corona und Sonata sind nur zwei der Sorten, die der Agraringenieur anbaut. Sorten, die in Supermärkten nicht zu erhalten seien, da diese nicht so lange haltbar sind und einen raschen Verzehr erfordern. "Wer Marmelade machen will, sollte sie am besten noch am selben Tag einkochen", rät Schuster. Die Frische der Früchte und die Möglichkeit, sie selbst zu pflücken, mache ihre Felder so besonders.

Im vergangenen Jahr stand auf der Kippe, ob die Felder nicht einem Supermarkt-Konzern weichen müssen. Damals haben die Schusters eine Unterschriftensammlung dagegen gestartet, die von etlichen Bürgern unterzeichnet wurde. Für ihn sei es absurd, regionale Bauern zu vertreiben, damit ein Großkonzern Produkte verkauft, die von weit herkämen. Deswegen ist er froh über den großen Rückhalt seiner Kunden.

Noch keine Eisheiligen

Ob das bisherige kalte Wetter schon die Eisheiligen gewesen sind? Noch nicht, vermutet Schuster. Diese kämen in der Regel erst Mitte Mai. Wenn dabei während einer Kaltfront vom Norden her der Himmel aufklare, könne es auch im Mai zu Bodenfrost kommen. "Wolken sind deshalb unsere besten Freunde", sagt Schuster lachend.

Auch Floristen kennen den späten Frühlingsfrost, wie etwa Marcus Lechner von der gleichnamigen Gärtnerei.

Für den eigenen Garten rät er, die Sträucher bei bevorstehendem Bodenfrost mit Vlies abzudecken. Auch Lechner hält Abdecken von bereits Gepflanztem für die beste Möglichkeit, denn Pflanzen, die viel Wasser einlagern, seien besonders gefährdet. "Vlies ist besser als Plastik." Zudem empfiehlt er, vor allem den regionalen Wetterbericht im Auge zu behalten. "Aber für alles, was in Hausnähe steht, sehe ich kein Problem."

Für dieses Wochenende ist nun noch einmal Frost angesagt. Wenn die Pflanzen den überstanden haben, kann man sich jetzt schon auf frische Erdbeeren Ende Mai freuen.

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