Erlangen
Gefällte Bäume

Bäume auf dem Bergkirchweih-Gelände in Erlangen: Der Streit schlägt Wurzeln

Zweifel an Gutachten, Kritik am Zeitdruck: In Erlangen trafen sich Stadträte bei einem eilig einberufenen Vor-Ort-Termin auf dem Bergkirchweihgelände.
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Mit Plakaten weisen Naturschützer auf die aus ihrer Sicht unnötigen Baumfällmaßnahmen auf dem Gelände der Bergkirchweih in Erlangen hin. Foto: Christian Bauriedel
Mit Plakaten weisen Naturschützer auf die aus ihrer Sicht unnötigen Baumfällmaßnahmen auf dem Gelände der Bergkirchweih in Erlangen hin. Foto: Christian Bauriedel
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Wie standfest sind die Bäume tatsächlich? Gibt es keine Alternative zur Fällung? Warum herrscht so großer Zeitdruck? In der Erlanger Stadtpolitik sind die Bäume auf dem Bergkirchweih-Gelände derzeit das Top-Thema.

Eilig, auch auf Druck der CSU im Stadtrat, die einen sofortigen Stopp der laufenden Fällungen verlangt hatte, berief man für Donnerstag einen Ortstermin mit Stadträten und Presse ein.

Dort wurde hitzig diskutiert. Denn etliche Stadträte sehen die Baumfällungen kritisch und hinterfragen deren Dringlichkeit. Bürgermeisterin Elisabeth Preuß (FDP) und Christoph Kintopp, Leiter der Abteilung Stadtgrün, erläuterten die Maßnahmen, die aus ihrer Sicht unumgänglich sind.

"Uns geht es nicht nur um die Bergkirchweih, sondern um die Sicherung eines ganzjährig zugänglichen, öffentlichen Geländes", sagte Preuß und rechtfertigte die kurzfristig geplante Fällung von 25 Bäumen mit der Sicherungspflicht der Stadt. "Hier steht niemand, der gegen Bäume ist", betonte sie in der teils emotional geführten Diskussion. Es sei das Ziel der Stadtverwaltung, so viel Grün wie möglich zu erhalten. Aber man dürfe keinesfalls Menschenleben aufs Spiel setzen. Man müsse sich nur ausmalen, was passiert, wenn zur Bergkirchweih, oder auch unter dem Jahr, ein Sturm aufzieht und ein Baum auf Personen stürzt.

Es gehe auch um die juristische Haftungsfrage. Denn, sollte etwas passieren, kommt möglicherweise ein Richter und fragt: Was wurde getan? Warum wurden Maßnahmen nicht getroffen?

Die Bergkirchweih beginnt bereits am 6. Juni. "Es gibt einen hohen Zeitdruck, weil wir wissen: Die Bäume sind nicht mehr standsicher", sagte Stadtgrün-Leiter Kintopp. Er hatte mit der Beantwortung allerhand kritischer Nachfragen zu tun.

Stadträte wittern Mauscheleien

Manche Stadträte sowie Christopher Busch vom Bund Naturschutz hinterfragten die Ergebnisse der von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten zur Standsicherheit der Bäume. Auch zu den Gutachtern selbst gab es Kritik. Eine der beiden Gutachter-Firmen sei gleichzeitig mit den Fällarbeiten beauftragt. Ein Mitarbeiter der Stadtgrün-Abteilung habe zuvor bei eben jener Firma gearbeitet. Manche Stadträte witterten Mauscheleien. Ein erstes großes Gutachten wurde 2016 erstellt. Ein weiteres gab es im Herbst 2018. Daraus gingen Zugversuche an den Bäumen hervor. Hierbei wird die Kraft von höheren Windstärken simuliert. Ergebnis: 25 Bäume sind nicht standsicher.

Preuß rechtfertigte die Eile bei den Fällungen. Die Zugversuche hätten erst vor kurzem durchgeführt werden können, da die Bäume dazu im Saft stehen müssten.

Bei einigen Stadträten sorgte für Kritik, dass man nicht ausreichend über Dimension und Zeitplan informiert worden sei. "Warum mache ich es nicht transparent?", fragte Alexandra Wunderlich, Stadt- und Bezirksrätin (CSU), am Rande der Veranstaltung. Es handle sich bei den Baumfällungen um ein unangenehmes Thema für die Stadtspitze, in der auch die Grünen mitregieren. Daher habe man seit dem Gutachten 2016 nicht mehr groß darüber gesprochen, sondern habe versucht, die Sache so geräuschlos wie möglich durchzuführen.

CSU im Wahlkampfmodus?

Hört man hier schon Wahlkampftöne bei der CSU? Nein, so Wunderlich. Es gehe um die Bäume. "Wir sind sehr erstaunt, wie man, im wahrsten Sinne, bei der Beschneidung der Bergkirchweih vorgeht. Immerhin das Aushängeschild der Stadt." Ebenfalls zum Vor-Ort-Termin gekommen war Entla's-Keller-Wirt Friedrich Engelhardt mit seinem Sohn Vincenz Schiller. Sie haben auf die Schnelle ein eigenes Gegengutachten in Auftrag gegeben. Sechs Bäume sollen in den nächsten Jahren auf dem Entla's-Areal fallen.

Gegengutachten vom Entla's Wirt

Zwei besonders kritische Exemplare ließ Engelhardt erneut prüfen. Und sein Baumsachverständiger widerspricht den beiden städtischen Gutachtern: Die Bäume stünden durchaus sicher.

Die Sturmböen am Mittwochabend hätten gezeigt, was geschehen könne, warf Kintopp ein. Von einem Baum fiel ein Ast herab. Ein Auto wurde beschädigt. Für die Kritiker ist der Astbruch allerdings eine Bestätigung ihrer Sicht: Denn der Ast brach von einem Baum, der von den Experten zuvor nicht als unsicher beurteilt worden war.

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