Erlangen
Verhandlung

B505 bei Höchstadt: Rücksichtslose Fahrerin verurteilt

Im Februar hatte eine 20-Jährige durch ein unvorsichtiges Überholmanöver auf der B505 Richtung Höchstadt einen Auffahrunfall im Gegenverkehr verursacht.
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Eine 20-Jährige verursachte einen Auffahrunfall im Gegenverkehr, weil sie rücksichtslos überholte. Symbolfoto: Michael Gründel
Eine 20-Jährige verursachte einen Auffahrunfall im Gegenverkehr, weil sie rücksichtslos überholte. Symbolfoto: Michael Gründel

Das Überholen von langsameren Fahrzeugen auf Bundes- und Landstraßen kann schnell sehr gefährlich werden, wenn der Fahrer die Geschwindigkeiten des Gegenverkehrs nicht richtig einschätzen kann.

Eine 20-Jährige aus Breitengüßbach musste sich deswegen am Montag vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. Am 7. Februar diesen Jahres war sie gegen 7.15 Uhr auf der B505 von Bamberg in Richtung der A3 unterwegs, als sie zum Überholen eines Autos und eines Lkw-Gespanns ansetzte. Dabei habe sie weder den Gegenverkehr rechtzeitig bemerkt, noch, dass durch ihr knappes Einscheren ein 57-jähriger Fahrer im Gegenverkehr voll bremsen musste. Der nachfolgende 33-Jährige konnte nicht mehr früh genug abbremsen und fuhr auf das Auto des 57-Jährigen auf.

Als äußerst rücksichtslos bezeichnete Richter Christian Kretschmar dieses Verhalten. Die junge Fahrerin zeigte sich in der Verhandlung sichtlich bestürzt und beteuerte, dass sie von dem nachfolgenden Verkehrschaos nichts bemerkt habe. "Ich war froh, dass ich noch einmal Glück gehabt habe. Ich habe danach nicht mehr in den Rückspiegel geschaut", begründete sie ihre Fahrerflucht.

Zudem sei die 20-Jährige, die seit rund zwei Jahren einen Führerschein besitzt, an diesem Tag nur ausnahmsweise mit dem Auto ihres Vaters unterwegs gewesen. Sie gab zu, dass sie in den zwei Jahren insgesamt nur selten gefahren sei und wenig Erfahrung im Straßenverkehr habe.

Dieser Unerfahrenheit sei es auch zuzuschreiben, dass sie die Situation nicht richtig einschätzen konnte und selbst den Lkw nur mit mäßiger Geschwindigkeit überholt habe, verteidigte Rechtsanwalt Marc Rimkus.

Warnung durch Lichthupe

"Ich hab mir gedacht: das wird aber knapp", sagte ein weiterer Zeuge aus. Er fuhr kurz vor dem Unfall vor der 20-Jährigen, als diese sich zum Überholen seines Autos entschied. Da er selbst bereits die Scheinwerfer des Gegenverkehrs sehen konnte, ließ er sich zurückfallen und deutete der Fahrerin die Lücke vor ihm mit der Lichthupe an. Darauf reagierte diese allerdings nicht und überholte stattdessen noch das Muldenfahrzeug.

Dieser Zeuge verfolgte die junge Fahrerin anschließend noch einige Kilometer und versuchte, ihr mittels Lichthupe und Hupe Signale zum Anhalten zu geben. Als sie darauf nicht reagierte, notierte er sich das Kennzeichen. Schwer verletzt wurde bei diesem Unfall zum Glück niemand. Der 57-Jährige Fahrer im Gegenverkehr, der eine Vollbremsung hinlegen musste, erlitt jedoch ein Halswirbel-Schleudertrauma. An beiden Autos entstand zudem ein Sachschaden in Höhe von 75.000 Euro.

Verteidiger Rimkus räumte zwar ein, dass ein erfahrener Autofahrer die gefährliche Situation sicherlich besser hätte einschätzen können. Er begründete das Fehlverhalten der 20-Jährigen allerdings hauptsächlich mit deren Unerfahrenheit und Falscheinschätzung des eigenen Fahrens. "Rücksichtslos war es nicht", so Rimkus.

"Wer als Erwachsener am Straßenverkehr teilnimmt, muss auch so verurteilt werden", machte Richter Kretschmar der Angeklagten allerdings die Gefährdung deutlich. Trotzdem verurteilte er sie nur wegen grober Fahrlässigkeit im Straßenverkehr. Der Staatsanwalt hatte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung gefordert. Schließlich habe sie trotzdem nicht abgebrochen, den Lkw zu überholen, als sie den Gegenverkehr bereits wahrgenommen habe. Von einer Anklage wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort sah Kretschmar ab. Er hielt die Aussage der 20-Jährigen für glaubwürdig, dass diese den verursachten Unfall tatsächlich nicht bemerkt habe.

Sie muss nun eine Geldstrafe von 1050 Euro bezahlen. Außerdem wird ihr Führerschein für neun Monate eingezogen.

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