Pommersfelden
Verkehr

B 505 zwischen Bamberg und Höchstadt bald eine Geisterstraße?

An der B 505 wird gerade eine Mautkontrollsäule aufgestellt. Verschiebt sich der Schwerlastverkehr dann auf umliegende Landstraßen und Autobahnen?
Artikel drucken Artikel einbetten
In dieser Woche wurde immer wieder an der B 505 auf Höhe von Schweinbach (Pommersfelden) gearbeitet. Dort soll eine Mautkontrollsäule angebracht werden. Foto: Franziska Rieger
In dieser Woche wurde immer wieder an der B 505 auf Höhe von Schweinbach (Pommersfelden) gearbeitet. Dort soll eine Mautkontrollsäule angebracht werden. Foto: Franziska Rieger
Auf vielen Bundesstraßen sprießen seit einiger Zeit blaue Säulen aus dem Boden. Autofahrer nehmen alarmiert den Fuß vom Gaspedal. Die hohen Türme sind jedoch keine Blitzer, sondern Mautkontrollsäulen. Eine solche Kontrollsäule wird künftig an der B 505 auf Höhe von Schweinbach (Pommersfelden) in Fahrtrichtung Bamberg stehen. Am Freitag lässt sich deren Standpunkt nur erahnen, bis jetzt steht dort nur ein Fundament.

Ab 1. Juli wird die Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. 600 Kontrollsäulen sollen das bundesweit prüfen. Die Firma Toll Collect ist mit der technischen Vorbereitung beauftragt. Rund 52 000 Kilometer auf Autobahnen und Bundesstraßen werden künftig gebührenpflichtig. Auch Autofahrer in der Region könnten das zu spüren bekommen. Die Befürchtung liegt nahe, dass die Lkw in Zukunft auf Land- und Staatsstraßen ausweichen und der Verkehr auf den Autobahnen zunimmt (siehe rechts).


Bisher eine Säule im Landkreis

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt steht eine weitere Kontrollsäule an der B 2 am Kraftshofer Forst, wie Claudia Steen, Pressesprecherin von Toll Collect berichtet. Dass an der B 470 ebenfalls eine Säule denkbar ist, darüber wollte die Pressestelle noch keine Auskunft geben. "Die Genehmigungsverfahren sind noch nicht ganz abgeschlossen. Insofern kann ich keine abschließende Auskunft geben."

Auch wenn verhältnismäßig wenig Kontrollsäulen in ganz Deutschland stehen, werde die Maut auf allen Bundesstraßen kontrolliert. "Die Kontrollfähigkeit ist durch den Kontrollmix aus Kontrollsäulen, Brücken, Betriebskontrollen, stationären sowie mobilen Kotrollen gewährleistet", sagt Steen.

Wenn die Maut nicht ordnungsgemäß entrichtet wurde, bekommen die Unternehmen zuerst einen Anhörungsbogen, ein ähnliches Prozedere wie bei einem Strafzettel, erklärt Steen. Dann wird die Maut nacherhoben. Gegebenenfalls werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Bußgelder können bis zu 20 000 Euro betragen.


Viele Unternehmen betroffen

"Es gibt noch 30 000 Unternehmen, die noch gar keine Maut zahlen. Diese Unternehmen müssen jetzt prüfen", sagt Steen. Ja, viele handwerkliche Betriebe seien davon betroffen, darunter beispielsweise Dachdecker und Gerüstbauer. Die Speditionen im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind alarmiert (siehe rechts) .
In die Vorbereitung war auch das Staatliche Bauamt Bamberg einbezogen, wie Bereichsleiter Michael Raab bestätigt. Mit der Maut selbst habe die Behörde nichts zu tun, jedoch werde sie wegen der Standortwahl und der Absicherung hinzugezogen. "Verkehrssicherheit geht vor", betont Raab. So müsse die Kontrollsäule mit einer Schutzplanke gesichert werden.
Die Gemeinde sei vor etwa einem Vierteljahr informiert worden, sagt Pommersfeldens Bürgermeister Hans Beck (WBS). Der Stromanschluss komme vom Stromversorger aus dem Gemeindebereich. Zudem, so Beck: "Wir sollen außerdem die Info weitergeben, dass die Säulen keine Blitzer sind."


Die Maut bleibt am Endverbraucher hängen
Wird die B 505 ab Juli also einer Geisterstraße ähneln, ganz ohne Lkw, während sich auf der Staatsstraße von Bamberg nach Höchstadt der Verkehr in den Dörfern staut? Nicht unbedingt, glaubt Jürgen Erhardt von der Spedition Pohl aus Erlangen. Als Vertriebsleiter ist er für Hemhofen-Zeckern zuständig.

"Es kann sein, dass sich die Unternehmen andere Ausweichstrecken suchen", sagt er. Die Gefahr, dass die Branche auf kostenlose Landstraßen ausweicht, sieht Erhardt nicht. Dies sei nämlich gar nicht so einfach. Schließlich gebe es auf vielen Straßen Nadelöhre, wie Brücken, Kreisverkehre oder gesperrte Ortsdurchfahrten, durch die der Lieferverkehr nicht kommt.


Ein immenser Mehraufwand

"Die Maut ist ein immenser Mehraufwand", sagt Mirko Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Herzogenauracher Speditionsunternehmens Wormser. "Jeder Spediteur wird sagen, dass er da gerne darauf verzichtet hätte."

Man rechne mit 2 bis 2,5 Prozent Kostensteigerung. Die Kosten der Maut werden eins zu eins auf den Kunden umgelegt. Und damit auf den Endverbraucher. "Als Spediteure sind wir nichts anderes als die Eintreiber dieser Gebühr. Die Butter in den Geschäften muss teurer werden", ist sich Schmidt sicher. Seine Kunden werden versuchen, die Transportkosten zu drücken. "Verhandlungsgeschick wird eine Rolle spielen", sagt der Vorstandschef. Die Sorge bleibt also: "Es wird Unternehmen geben, die auf der Maut sitzen bleiben", vermutet Schmidt.

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen sei es schwierig, die Mehrkosten für die Maut richtig zu kalkulieren. Es gibt zwar festgelegte Mautsätze, je nach Anzahl der Achsen und Abgasnorm. Diese reichen von 8,1 Cent bis 21,8 Cent pro Kilometer. Die Frage ist jedoch: "Welche Marktmacht haben die Kleinen?"

Für Schmidt ist die Maut auf den Bundesstraßen dennoch ein folgerichtiger Schritt: "Warum sollte man manche Straßen bemauten und andere nicht?" Rund 2,5 Milliarden Euro wolle der Staat mit der Maut einnehmen. Sinnvoll sei die Maut dann angelegt, wenn sie tatsächlich "zweckgebunden eingesetzt wird", so wie vom Staat versprochen. Also in Straßen und die Infrastruktur investiert wird, sagt Schmidt.

"Die Infrastruktur ist bis jetzt nicht zufriedenstellend. Irgendwann droht uns deshalb ein Verkehrskollaps und in Folge dessen ein Versorgungskollaps." Ab Januar 2019 steht zudem eine Erhöhung der Maut an.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren