Adelsdorf
Interview

Autor liest in Adelsdorf aus einem Buch voller Kuriositäten

Der Autor Thomas Montasser lässt in seinem neuen Roman Pinguine mitten unter Menschen leben. Was er damit aussagen will, verrät er bald in Adelsdorf.
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Thomas Montasser sagt über "Der Sommer der Pinguine", dass es sein liebstes eigenes Buch ist. Foto: privat
Thomas Montasser sagt über "Der Sommer der Pinguine", dass es sein liebstes eigenes Buch ist. Foto: privat
Im neuen Roman von Thomas Montasser dreht sich alles um die Frage der Perspektive. Das Zitat zu Beginn des Buches "Es wäre vieles leichter auf der Welt, wenn die Menschen nicht immer nur das sehen würden, was sie sehen wollen" trifft es dabei auf den Punkt. Verwunderlich, dass diese Aussage von einem Pinguin stammt, ist es nach der Lektüre dieses liebevoll von Isabel Pin illustrierten Büchleins keineswegs mehr.
Montasser lädt in "Der Sommer der Pinguine" auf seine unverwechselbare, literarisch wertvolle, dabei aber immer mit einer ganz eigenen Note des passenden Humors versehenen Schreibweise dazu ein, seinen Blickwinkel auch einmal anders zu setzen. Kluge und unterhaltsame Dialoge machen dieses Buch zu einem idealen Begleiter für einen entspannten Sommernachmittag. Im Interview verrät der Autor aus München, warum er ein Faible für kleine Buchhandlungen hat, wieso es nicht unbedingt einfacher ist, Kinderbücher zu schreiben und warum er gerade Pinguine als Sinnbild für das Anderssein gewählt hat.

Nachdem bereits Ihr Roman "Ein ganz besonderes Jahr" in einer kleinen Buchhandlung spielte, entführen Sie Ihre Leser auch in Ihrem neuen Buch in einen Buchladen. Was fasziniert Sie so an diesem Schauplatz?
Thomas Montasser: Buchhandlungen sind für mich ein Sehnsuchtsort. Kleine Buchhandlungen im Speziellen sind für mich Manufakturen der Träume, denn je kleiner sie sind, desto charmanter sind sie meist auch. Sie sind ein Quell der Inspiration, gegen den Fernsehen und Internet einpacken können und bieten immer wieder überraschende Erweckungserlebnisse. Ich bin überzeugt, dass die Menschheit im Großen und Ganzen besser wäre, wenn sie mehr Zeit in Buchhandlungen verbringen würde. Bücher vereinen gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch die Tiefe, die diese gleichzeitige Präsenz der Zeitformen unweigerlich mit sich bringt, bringen Bücher den Lesern die Welt näher.

Sie haben das seltene Glück, nicht nur ein erfolgreicher Schriftsteller, sondern auch ein bekannter Literaturagent zu sein. Wie lebt es sich mit dieser Doppelexistenz?
Mein Hauptberuf als Literaturagent ist zweifellos die anstrengendere Arbeit. Sie ist sehr abwechslungsreich und bietet natürlich auch Vorteile für meine Arbeit als Autor, da ich die Ansprechpartner bei sämtlichen Verlagen schon kenne und genau weiß, an wen ich mich wenden muss. Allerdings ist diese Doppelexistenz als Schriftsteller und Agent immer ein zweischneidiges Schwert.

Inwiefern?
Grundsätzlich ist es schwer, aus dem Klischee ,Als Agent kann man nicht selbst schreiben‘ herauszutreten und das Gegenteil zu beweisen. Andererseits hat man manchmal das Gefühl, dass Verlage sich dazu gezwungen sehen, ein Manuskript anders zu bewerten, weil man ein geschätzter Agent ist.
Also habe ich es mir angewöhnt, meine Manuskripte unter einem Pseudonym an die Verlage zu schicken. So erhalte ich am Ehesten eine ehrliche Antwort. Ich freue mich dann, wenn mein Vorschlag Gefallen findet und kann auch damit leben, mal eine Absage zu bekommen.

Was bedeutet Ihre Arbeit als Schriftsteller für Sie?
Bücher zu schreiben dient für mich der Erholung und der Selbstfindung. Mir ein eigenes Refugium in Form einer Geschichte zu schaffen, ist für mich der Inbegriff von Entschleunigung. Die einzige Sache, die für mich besser ist, als ein gutes Buch zu lesen, ist selbst eines zu schreiben.

Ihr neues Buch "Der Sommer der Pinguine" ist ein Plädoyer für das Anderssein. Pinguine sind darin nicht nur am Südpol beheimatet, sondern plötzlich auch mitten unter den Menschen - als Cellist, als Portier oder als Opernbesucher. Wie kamen Sie darauf, diese Spezies unter die menschliche Bevölkerung zu mischen?
In gewisser Weise stehen die Pinguine sinnbildlich für alle, die sich soweit anpassen, dass sie in Frieden leben können. Dabei geht es mir aber auch darum, die andere Seite der Medaille zu sehen. Nämlich: Wie gehen die Mitmenschen mit den Unbekannten, den Fremden, um? Dieses Thema lässt sich natürlich auch auf die aktuelle Situation in Deutschland ummünzen. Wo viele Kulturen sind, wo Neues und Fremdes ist, braucht es auch immer Mühe und Einsatz, um sich gegenseitig zu verstehen.

Und trotzdem ist Ihre Protagonistin Annetta Robington die Erste, die die Pinguine als solche erkennt.
Es ist ja nun mal so, dass Menschen immer nur das sehen, was sie sehen wollen. Man erwartet ja nicht, plötzlich einem Pinguin gegenüber zu stehen. Da braucht es schon einiges an gutem Willen, die Dinge mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mrs. Robington, die ich wegen ihres Vermögens, den Blick auf die Schönheit der Welt zu lenken, beim Schreiben sehr ins Herz geschlossen habe, hat keine Angst davor, sich die Augen öffnen zu lassen.

Was war Ihre Inspiration für "Der Sommer der Pinguine"?
Meine Inspiration war ein Bild des Künstlers Quint Buchholz. Dieses Bild ist auf poetische Weise fotografisch und zeigt ein Sprungbrett, von dem gerade ein Pinguin springt. Eingerahmt von weiteren Pinguinen, die auf dem Brett warten, steht ein Mann im Frack, völlig vertieft in eine Lektüre. Dieses ungewöhnliche Bild war der Auslöser für meine Geschichte, dann habe ich einfach losgeschrieben.

Was können die Leser von Ihrem Roman erwarten?
"Der Sommer der Pinguine" ist mir mein liebstes eigenes Buch. Ich kann getrost behaupten, dass man als Autor sein Buch, nachdem man es zu Korrekturzwecken selbst ungefähr 15 Mal gelesen hat, irgendwann satt hat. Aber dieser Roman hat mir selbst nach so vielen Malen immer noch Vergnügen bereitet. Es ist ein ungewöhnliches Buch, das verspielt und verschnörkelt ist, das viele Kuriositäten enthält - die perfekte Sommerlektüre.

Neben Romanen haben Sie auch schon einige Kinderbücher veröffentlicht. Zuletzt das "Monsterhotel". Worin unterscheidet sich das Schreiben von Romanen und Kinderbüchern?
Zunächst einmal ist es ein Irrglaube, dass Kinderbücher leichter geschrieben sind als Erwachsenenliteratur. Auch Kinder haben ihre eigenen Vorstellungen von guter Unterhaltung. In gewisser Weise ist das "Monsterhotel" verwandt mit "Der Sommer der Pinguine", denn auch hier wird die Perspektive umgedreht. Monster und Menschen müssen lernen, mit ihrer Angst voreinander umzugehen und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Das Gespräch führte
Larissa Händel.


Die Lesung: Am Freitag, 22. Juni, um 19.30 Uhr liest Thomas Montasser bei Bücher-Schmidt in Adelsdorf aus "Der Sommer der Pinguine". Der Eintritt kostet zehn Euro. Um Reservierung unter Telefon 09195/992057, unter E-Mail buecher-schmidt@t-online.de oder direkt in der Buchhandlung wird gebeten.
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