LKR Erlangen-Höchstadt
Alarm

Autobahneinsätze für kleine Feuerwehren: Alarmplan wird in Erlangen-Höchstadt heiß diskutiert

Seit Anfang des Jahres müssen auch kleinere Feuerwehren zu Unfällen auf die Autobahn raus. Sie übernehmen ihre Aufgabe pflichtbewusst, aber hinter vorgehaltener Hand gibt es Kritik. Teils mangele es an Ausrüstung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Seit diesem Jahr rücken im Raum Höchstadt nicht nur größere Feuerwehren auf die A3 aus. Werden kleine Feuerwehren mit Autobahneinsätzen überfordert? Foto:  Archiv
Seit diesem Jahr rücken im Raum Höchstadt nicht nur größere Feuerwehren auf die A3 aus. Werden kleine Feuerwehren mit Autobahneinsätzen überfordert? Foto: Archiv

Offen will es keiner sagen. Aber hinter vorgehaltener Hand hört man von manchen Feuerwehrleuten in der Region nicht nur Begeisterung, wenn es um den neuen Alarmierungsplan für die Autobahn geht.

Da würden jetzt neuerdings auch kleine Wehren, aus Orten an der Autobahn, zu Unfällen gerufen. Und das, obwohl die technische Ausstattung teils gar nicht vorhanden ist und deshalb automatisch größere Wehren wie Höchstadt oder Wachenroth mitalarmiert werden.

Dies führe dazu, dass ab und zu fast zu viele Feuerwehren bei einem Unfall anrücken und man sich "auf den Füßen herumsteht". Klar gelte: Lieber einer zu viel. Aber für ehrenamtliche Feuerwehrleute, die oft von der Arbeit zum Einsatz hetzen, stellt sich schon die Frage, ob das Sinn macht. Oder ob nicht, wie bisher, ausschließlich die großen Wehren angefordert werden sollten.

Sei die Feuerwehr noch so klein

Seit Anfang des Jahres gilt in Bayern die neue Regelung für Feuerwehreinsätze auf Autobahnen. Nicht mehr wie bisher die größte, speziell ausgerüstete und ausgebildete Feuerwehr wird bei einem Unfall oder Fahrzeugbrand alarmiert. Die neue Regel im Freistaat besagt, dass nun die Erstalarmierung an jene Feuerwehr geht, auf deren Gemeindegebiet die nächste Autobahnauffahrt liegt. Sei die Wehr noch so klein. Voraussetzung: Die Wehr muss über die "geeignete" Ausstattung verfügen.

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer. Was heißt geeignet? Weder Rettungsschere, Spreizer oder Atemschutzgeräte, nicht einmal ein Fahrzeug mit Wassertank ist Pflicht. Alarm ist Alarm.

"In den Feuerwehren gibt es Diskussionen darüber", bestätigt Stefan Brunner vom Kreisfeuerwehrverband auf Anfrage des Fränkischen Tags. Auch Bürgermeister betroffener Gemeinden im Landkreis würden die Stirn runzeln.

Denn die Neuregelung könnte es nötig machen, dass kleinere Wehren nun mehr Ausrüstung und Schulungen brauchen. Gestiegene Aufgaben, gestiegene Anforderungen. Für die Kommunen könnte das einen Batzen an Geld bedeuten.

Die Regelung zu strikt ausgelegt?

"Es muss nicht zwangsweise die Rettungsschere sein", sagt Brunner. Auch ein wasserführendes Fahrzeug, vorbereitende Arbeiten oder die Verkehrsregelung können erste Dienste am Unfallort leisten. Der neue Alarmplan mache Sinn, so Brunner. Es gehe darum, die ersten Minuten zu überbrücken, bis die voll ausgestattete Feuerwehr vor Ort ist. Dass, wie Kritiker sagen, der Landkreis die Neuregelung enger auslege als andere, könne er nicht bestätigen. Die gesetzliche Vorschrift sei klar.

Betroffen ist Weingartsgreuth. Über die Zufahrt zur Raststätte ist man sofort auf der A 3. "Wir haben uns schon gewundert", sagt Georg Fürstenhöfer, Vorsitzender der Weingartsgreuther Wehr.

Sirene heult in Weingartsgreuth

Erstmals seien sie heuer auf die A3 gerufen worden. Bisher drei Mal. Beim Motorradunfall neulich seien sie als erste vor Ort gewesen. Beim Vollbrand eines Autos, der eine Brücke beschädigt hat, wären sie wohl auch als erste eingetroffen. Allerdings seien nur drei Feuerwehrleute im Ort gewesen, als die Sirene ging, aber keiner mit Fahrberechtigung fürs Feuerwehrauto.

Die Weingartsgreuther würden ihre Pflicht, auch auf der A3, natürlich erfüllen, sagt Fürstenhöfer. Die Wehr mit 24 Aktiven habe auch viele engagierte Junge in ihren Reihen. Aber zumindest ein Fahrzeug mit Wassertank wäre angebracht. Ihr derzeitiges - ohne Tank - sei über 40 Jahre alt. Man sei mit der Gemeinde deshalb bereits in Kontakt.

Auch Mühlhausen gehört durch die A3-Anschlussstelle Höchstadt-Nord zu den Wehren, die ran müssen. "Es ist nicht absolutes Neuland", sagt Kommandant Stephan Vogel. Auch vorher gab es einzelne Einsätze auf der A3. Aber jetzt werden es wohl mehr werden. "Wir sehen der Herausforderung positiv entgegen", sagt Vogel.

Muss Mühlhausen aufrüsten?

Die Mühlhausener hätten eine gute Grundausstattung für Autobahneinsätze. "Für die Zeitüberbrückung in den ersten fünf bis zehn Minuten sind wir gut aufgestellt", sagt Vogel. Dann könne die Höchstadter Wehr übernehmen, die per se mitalarmiert wird. Oder aber die Mühlhausener rüsten mit einem Rettungssatz (Rettungsschere und -spreizer) auf.

Darum gehe es gerade bei einer Bedarfsprüfung, sagt Bürgermeister Klaus Faatz (CSU). Die Feuerwehrleute seien gut ausgebildet. Ob sie mehr Equipment für die Autobahn brauchen, müssten Fachleute entscheiden. Das Gesetz habe Mühlhausen zur Autobahnfeuerwehr gemacht. "Es ist unsere Verpflichtung zu helfen. Und wir werden die Aufgabe erfüllen", sagt Faatz.

In Gremsdorf sorgt die Anschlussstelle Höchstadt-Ost dafür, dass nun auch hier immer die Sirene geht, wenn es auf der A 3 kracht. "Wir sind gewappnet", sagt Bürgermeister Norbert Walter (CSU). Seit zwei Jahren haben die Gremsdorfer ein größeres Fahrzeug und einen Rettungssatz. "Nichtsdestotrotz kann Gremsdorf ohne Höchstadt nicht rauf", sagt Walter.

Benjamin Obexer, Kommandant in Höchstadt, kennt die Bedenken, die es gegenüber dem neuen Alarmplan gibt. Doch er betont die Arbeitsteilung. Die Höchstadter, die in Sachen Autobahn voll ausgestattet und trainiert sind, rücken sowieso aus. Die ersten vor Ort, die die Unfallstelle sichern, sind häufiger nun andere. Es gehe schließlich um die "schnellstverfügbaren Einsatzmittel". Und das sind die nächstgelegenen Feuerwehren, oft die kleineren Wehren aus den Autobahndörfern.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren