"Das ist wie Training", sagt Thomas. Der Mann mit der Statur eines Gewichthebers hievt mit Leichtigkeit zwei meterlange Stücke eines Baumstamms auf seine Schultern und trägt sie zum Transportfahrzeug. Ja, die Jungs der WAB Kosbach (steht für Wohnen, Arbeiten, Befähigen) arbeiten gern im Wald.

Vor allem bei Temperaturen, die derzeit schon den nahenden Frühling erschnuppern lassen. Unter der Ägide von Förster Wolfgang Göbel führen sie Waldpflegearbeiten und Holzernte speziell im jungen Wald durch.

Mit dem Holz sorgen sie unter anderem dafür, dass der große Kachelofen in ihrem Haus in der Höchstadter Kapuzinerstraße 9 ausreichend "Futter" bekommt, um ordentlich Wärme zu verbreiten. 20 bis 30 Ster macht die WAB bereits im dritten Jahr auf diese Weise.

"Manchmal ist es schon etwas anstrengend, aber es macht Spaß", sagt der 26-jährige Enrico. Schließlich sind die Arbeiten im Wald ja freiwillig. Auch Daniel, 29 Jahre, ist bereits im zweiten Jahr dabei und hat Spaß an der Arbeit in frischer Luft. "Sport brauchen wir danach nicht mehr", sagen beide.

Abends falle man müde ins Bett und schlafe ganz wunderbar. Eine gute Brotzeit ist natürlich dabei und nach der Mittagspause wird meist nur noch aufgeräumt und abgefahren.

Auf meterlange Stücke geschnitten, wird das Holz auf den Transporter geladen und abtransportiert. Gelagert und später auch gespalten wird es im Garten neben dem Höchstadter Hallenbad. Außer für das Holz selbst, das die WAB vom Revierleiter Göbel angewiesen bekommt, fließt von beiden Seiten kein Geld.

Brennholz von Buche, Eiche Kiefer oder Fichte ist es, das im Staatswald, Distrikt Birkach gemacht wird. "Die bayerischen Staatsforsten unterstützen die Arbeit der sozialen Einrichtung", sagt Förster Göbel vom Forstrevier Zentbechhofen, das zum Forstbetrieb Forchheim gehört.

Seit 2007 sei die WAB dabei, einen "grünen Bereich" aufzubauen, berichtet Christoph Reichert, der als Diplom-Agraringenieur für dessen Leitung zuständig ist. Reichert ist "froh darüber, dass wir einen Schlagraum bekommen". Für ihn ist das Holzmachen eine Win-Win-Situation. "Wir machen alles händisch ohne große Maschinen. Dadurch schonen wir den Wald."

Die Holzarbeiten seien aber auch wichtig für die Einrichtung. "In der vegetationsarmen Zeit ist es schwierig, eine Beschäftigung für die Bewohner der Einrichtung zu finden." Wenn es im März wieder "nauswärts" geht, geht es auch wieder los mit den Grünpflegearbeiten bei öffentlichen oder privaten Auftraggebern.
Dann beginnt aber auch wieder die Pflege der eigenen Gärten, die für die Selbstversorgung der Einrichtung wichtig sind, wie Roger Scheibe, einer der Betreuer, betont. Roger Scheibe und Piotr Kotas sind auch diejenigen, die im Wald die Kettensäge in der Hand haben und die Stämme fällen. Sie haben die für die Waldarbeiten nötigen Befähigungen in Kursen erworben.

Die WAB Kosbach ist eine Einrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen mit Hauptsitz und Verwaltung in Erlangen. Die WAB bietet ihnen einen Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen, Mut schöpfen und neue Kräfte sammeln können, um so Perspektiven für ihr weiteres Leben zu entwickeln. Voll stationär leben in den sechs WAB-Häusern in Höchstadt 45 und in Erlangen/Kosbach 60 Betreute. Hinzu kommen 34 Menschen, die von der WAB ambulant betreut werden.