Mühlhausen
Gemeinschaftsprojekt

Appell an Senioren: Keine falsche Scham vor Hilferuf

Wer in Mühlhausen Hilfe braucht, soll sich melden. Mit einer wöchentlichen Kleinbus- Einkaufslinie möchten die Initiatoren ihre Senioren mobiler machen. Die Kirche öffnet künftig auch ihr WC in der Bücherei.
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Das Projekt "Hilfreich" in Mühlhausen soll ein Erfolg werden. Dafür werben Koordinatorin Lore Bär, Pastor Alexander Fischer, Bürgermeister Klaus Faatz und Pfarrer Torsten Bader (von links). Foto: Andreas Dorsch
Das Projekt "Hilfreich" in Mühlhausen soll ein Erfolg werden. Dafür werben Koordinatorin Lore Bär, Pastor Alexander Fischer, Bürgermeister Klaus Faatz und Pfarrer Torsten Bader (von links). Foto: Andreas Dorsch
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Wie kommt die nicht mehr so rüstige Seniorin aus der Mühlhausener Ortsmitte zum nächsten Lebensmittelladen weit draußen am Ortsrand? Entweder sie hat jemanden, der sie fährt, oder sie hat einfach Pech. Soweit wollen es engagierte Mühlhausener aber erst gar nicht kommen lassen.

Weil sich auch die Gemeinde Mühlhausen dem demografischen Wandel nicht verschließen kann, möchte man wenigstens gerüstet sein. Alle Vereine und Organisationen, die in der Seniorenarbeit aktiv sind, haben die Aktion "Gemeinsam älter werden in Mühlhausen" ins Leben gerufen. Federführend sind die evangelische Kirchengemeinde, die Christusgemeinde und die politische Gemeinde.

Um ältere Menschen und die ohne Auto mobiler zu machen, startet am kommenden Donnerstag um 9 Uhr eine Kleinbuslinie aus dem Ortszentrum zu den örtlichen Nahversorgern, holt die, die mitfahren möchten auf Wunsch auch vor der Haustür ab und bringt sie wieder zurück. Feste Haltestellen sind am Kindergarten, am Marktplatz und vor der Christusgemeinde.

Scham überwinden

Jeden Donnerstag ist diese Einkaufstour künftig geplant und gewinnt an Bedeutung, nachdem der Lebensmittelladen am Marktplatz dicht gemacht hat. Die Christusgemeinde stellt für die Tour einen VW-Bus mit ehrenamtlichem Fahrer, die Kosten werden über die Kasse des Projekts "Gemeinsam älter werden" abgerechnet. Alexander Fischer, Pastor der Christusgemeinde, und Mühlhausens evangelischer Pfarrer Torsten Bader können sich gut vorstellen, die Einkaufsfahrten auch auszuweiten.

Sie sehen ebenso wie Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) und Koordinatorin Lore Bär das Hauptproblem darin, dass die hilfsbedürftigen Menschen ihre Scham überwinden und sich überhaupt melden müssen.

Bär hat nicht nur die Vermittler-Aufgabe für die Bustouren übernommen. Bei ihr kann man sich unter Telefon 09548/794 jeden Dienstag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr auch melden, wenn man im Rahmen von "Hilfreich" praktische Hilfe anbieten oder in Anspruch nehmen möchte. Aber auch hier fürchten die Initiatoren, dass sich die Leute nicht trauen, um Hilfe zu bitten. Deshalb appellieren Bader, Fischer und Faatz eindringlich an die Bürger, keine Scheu zu zeigen und sich zu melden.

Über eine Fragebogenaktion im Mitteilungsblatt hatte die Gemeinde die Wünsche ihrer Senioren eruiert. Neben der Buslinie stand auch der Wunsch nach einer öffentlichen Toilette weit oben. Die evangelische Kirchengemeinde hat darauf prompt reagiert und stellt als Teil ihrer Aktion "offene Kirche" künftig auch ihr WC in der benachbarten Bücherei täglich von 8 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit zur Verfügung.
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