Adelsdorf
Sprachverlust

Aphasiker helfen sich gegenseitig

Das Integrationszentrum für Aphasiker kümmert sich um Schlaganfallpatienten. Ein Adelsdorfer übernimmt bald den Vorsitz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie nennen sich die Sprachakrobaten, obwohl sie oft Probleme damit haben, die richtigen Worte zu finden. Die Rede ist von Aphasikern, Menschen, die an einer Sprachstörung leiden, die oft durch einen Schlaganfall verursacht wird.
Der Adelsdorfer Siegfried Hitschfel ist einer von ihnen. Er leitet die Selbsthilfegruppe "Aphasiker - die Sprachakrobaten", die sich immer montags in der Geschäftsstelle des VdK in Erlangen trifft, und wird aller Voraussicht bald auch den Vorsitz des IZA (Integrationszentrum für Aphasiker Mittelfranken) übernehmen. Günter Brendle, der langjährige Vorsitzende des Vereins, der seinen Sitz in der Reha-Klinik in Herzogenaurach hat, will in der Jahreshauptversammlung am 28.
März den Stab übergeben.

"Auf einen Schlag"

Der 48-jährige Hitschfel ist Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und hatte in den Jahren vor seinem Schlaganfall einen leitenden Posten in einer großen Erlanger Firma inne. Am 12. Januar 2010 änderte sich für ihn das Leben "auf einen Schlag". Seitdem hat er einen langen Rehabilitationsweg zurückgelegt. Nach dem langsamen Wiedereinstieg in den Beruf Ende 2011, der immer noch nicht abgeschlossen ist, ist bei ihm bisher fast alles positiv verlaufen.
"Trotz einer Lähmung meiner rechten Seite, Epilepsie kurz nach dem Schlaganfall und Aphasie, die sich in Sprach-, Konzentrations-, Gedächtnis- und Denkproblemen äußert, habe ich noch Glück gehabt", meint Hitschfel. Jetzt arbeitet er 14 Stunden pro Woche, jeden Tag knapp drei Stunden. Im April 2014 wird er sein 25. Betriebsjubiläum feiern.
Natürlich sind der IZA-Verein mit seiner Geschäftsführerin, der Diplompädagogin Anna Rossmann, und die neun Selbsthilfegruppen in der Region, darunter auch Hitschfels Selbsthilfegruppe, wichtige Bausteine für die Betroffenen, um die Rückkehr ins Leben zu meistern. "Man fühlt sich im ersten Moment alleine gelassen und hadert natürlich mit dem Schicksal", berichtet der Zweite Vorsitzender des IZA Mittelfranken, Werner Vornberger. Auch er ist Aphasiker. Das IZA hat rund 180 Vereinsmitglieder (Betroffene, Familienmitglieder und Förderer). Zu den Treffen der verschiedenen Selbsthilfegruppen kommen monatlich ungefähr zehn bis 30 Betroffene und auch Angehörige.
Agnes Hitschfel, die Ehefrau von Sigi, wie er von allen genannt wird, ist selbst gelernte Krankenschwester. "Mein Mann hat sich seit dem Schlaganfall sehr verändert", überlegt sie. "Er ist gefühlsbetonter geworden und aufgeschlossen gegenüber der Alternativmedizin - was früher undenkbar gewesen wäre", fährt sie fort.
Es sei zu Anfang eine schwierige Zeit gewesen, vor allem auch für die beiden Töchter. Sie mussten einen neuen, anderen Vater akzeptieren lernen, der nicht mehr der "große, vorzeigbare Macher" war. "Aber mittlerweile können sie schon wieder stolz auf ihn sein, denn der Papa hat gekämpft und auch mit ihrer Hilfe das Rechnen, Lesen und Schreiben neu erlernt", freut sich Agnes Hitschfel.
In der Zeitschrift "Aphasie und Schlaganfall" stellt sich Siegfried Hitschfel in einem Beitrag vor und berichtet von seinen Erlebnissen als Skifahrer in Schladming/Obertauern. "Natürlich kann ich fast nur noch im Tandem fahren. Mein Freund Peter war ehemals Skilehrer und sicherte mich von hinten mit einem Zügel", berichtet er mit leuchtenden Augen. "Das Skifahren oder andere Sportarten machen das Leben wieder lebenswert und freier."
Ehefrau Agnes hatte die Adresse des IZA vor zwei Jahren entdeckt. "Mein Mann schloss sich erst zögerlich, dann begeistert der Selbsthilfegruppe an - und hat es nicht bereut."

Infos:
Krankheitsbild Aphasie ist eine Sprach-, Wortfindungs- und Verständnisstörung infolge einer Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn. Die Hintergründe hierfür können ein Schlaganfall, Unfälle, Tumore oder degenerative Prozesse im Gehirn sein. Die Betroffenen sind keineswegs in ihren geistigen Fähigkeiten oder in ihrer Intelligenz eingeschränkt und nehmen in ihrer Umgebung alles wahr.

Risikofaktoren Ein Schlaganfall kann jeden treffen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen:
Bluthochdruck, Diabetes, mangelnde Bewegung, familiäre Vorbelastung, Fehlernährung und Übergewicht, Rauchen, Alkoholmissbrauch und laufender Stress.

Verein Das Integrationszentrum für Aphasiker (IZA) wurde 1999 auf Initiative von Betroffenen, Ärzten und Therapeuten der Fachklinik für Rehabilitation in Herzogenaurach gegründet. Ziel des Vereins ist es, für Aphasiker und deren Angehörige die Angebote zur sozialen Rehabilitation im gesamten Raum Mittelfranken zu verstärken und zu koordinieren. Die Angebote reichen von Einzelgesprächen und -betreuung über Gruppenarbeit für Betroffene und Angehörige bis hin zu Computertraining und der Organisation von Freizeiten.

Kontakt Integrationszentrum für Aphasiker e.V. Mittelfranken, Anna Rossmann, In der Reuth 1, 91074 Herzogenaurach, Telefonnummer 09132/833130, Fax 09132 / 833180, E-Mail: izaev@aol.com, www.aphasie-mfr.de

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren