Erlangen

Angeklagter im "Goldmünzen-Prozess": Berliner Clan-Mitglied in Erlangen verurteilt

Hydraulische Werkzeuge waren Beute eines Einbruchs in Eltersdorf. Nun wurde ein Urteil gegen ein Mitglied eines Berliner Groß-Clans gesprochen.
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Der Verteidiger begleitet seinen Mandanten, der sein Gesicht hinter einer Zeitung versteckt, ins Erlanger Amtsgericht.  Foto: Karina Brock
Der Verteidiger begleitet seinen Mandanten, der sein Gesicht hinter einer Zeitung versteckt, ins Erlanger Amtsgericht. Foto: Karina Brock

In ein paar Wochen wird er 23. Für so junge Jahre hat der Mann, der sich vor dem Erlanger Amtsgericht wegen eines besonders schweren Falls von Diebstahl verantworten musste, bereits eine beachtliche kriminelle Karriere hinter sich. Das ist nicht unbedingt ungewöhnlich. Dass Angeklagte aus Berlin nach Franken anreisen müssen, kommt hingegen schon seltener vor. Wenn diese dann neben der örtlichen Presse auch noch ein Stern-TV-Kamerateam auf den Plan rufen, scheint es sich um mehr als einen gewöhnlichen Einbruch zu handeln.

Bundesweites Aufsehen

Bei dem einigermaßen verzweifelt wirkenden jungen Mann auf der Anklagebank handelt es sich um ein Mitglied eines Familienclans, der mit seinen kriminellen Machenschaften inzwischen bundesweit Aufsehen erregt. Sein Vater war lange im Knast, einer seiner Brüder sitzt derzeit im Gefängnis und für ihn könnte es nun auch so weit sein. Trotz vieler einschlägiger Vorstrafen musste der Berliner mit libanesischen Wurzeln noch nie eine Freiheitsstrafe verbüßen. "Die Berliner Justiz scheint mir nicht besonders verfolgungseifrig zu sein", drückte sich der Vorsitzende Richter Wolfgang Gallasch gelinde gesagt vorsichtig aus.

Diesmal ging es aber um eine Schadenssumme von rund 22.000 Euro - 500 davon Sachschaden durch das Aufhebeln eines Fensters. Vor fast genau einem Jahr soll der Angeklagte bei einer Eltersdorfer Hydraulikfirma eingestiegen und aus einem Schauraum hydraulische Rettungswerkzeuge im geschätzten Wert von 21.600 Euro gestohlen haben. Werkzeuge, wie sie besagter Clan schon früher für Überfälle auf beispielsweise Geldtransporter benutzt hat.

Laut Aussage des als Zeugen geladenen Polizeibeamten wurde der 22-Jährige durch eine DNA-Spur am Tatort überführt. Trotz Durchsuchungen im Umfeld der Familie blieb das Diebesgut jedoch bis heute verschwunden.

Zu dem Vorwurf äußern wollte sich der Angeklagte nicht. Dafür nahm sein Verteidiger die Indizien auseinander. Schuhe, die bei der Hausdurchsuchung sichergestellt worden waren, seien weder dem Tatort noch dem Angeklagten eindeutig zuzuordnen. Und auch die DNA am Tatort sei kein ausreichender Hinweis für eine Verurteilung: Diese könne auch vorher schon am Werkzeug gewesen sein. Er unterstellte dem Ermittlungsbeamten, dass er nur die Erkenntnisse hinzugezogen habe, die zur Belastung des jungen Mannes dienten. Auch den Wert der Werkzeuge bezweifelte er.

Er stellte verschiedene Anträge, wollte mehr Zeugen hören, das DNA-Gutachten überprüfen lassen, sprach der ganzen Beweisaufnahme ihre Gültigkeit ab. "Es hat überhaupt keine Beweisaufnahme stattgefunden - Sie können doch nicht nur auf Grundlage einer Geschichte, die der ermittelnde Polizist erzählt, eine Freiheitsstrafe fordern", ging er in seinem Plädoyer den Staatsanwalt an, der zuvor zwei Jahre und neun Monate Haft beantragt hatte. Der Verteidiger plädierte schließlich auf Freispruch.

All das nützte nichts. Das Schöffengericht verurteilte den 22-Jährigen zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft sowie dem Einzug von 21.600 Euro zur Schadensregulierung. Zu den sichergestellten Schuhen meinte Gallasch nur: "Es könnte sein, dass von diesen Schuhen gar keine am Tatort waren. Damit kann man den Angeklagten selbstverständlich nicht überführen. Aber mit der DNA-Spur, die ihm 100-prozentig zuordenbar war, schon." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist damit zu rechnen, dass der Verteidiger Rechtsmittel einlegen wird.

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