Höchstadt a. d. Aisch
Krankenhausausschuss

Alle tragen St.-Anna-Defizit mit

Die "Baustelle" Kreiskrankenhaus Höchstadt braucht im nächsten Jahr 2,1 Millionen Euro Zuschuss. Langfristig fordern die Kreisräte wieder bessere Zahlen.
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Seit zwei Wochen in Betrieb: der internistische Funktionsbereich im Erdgeschoss. Die beiden Mediziner Markus Troyke und Carolyn Jung haben sich hier schon eingelebt.   Foto: Andreas Dorsch
Seit zwei Wochen in Betrieb: der internistische Funktionsbereich im Erdgeschoss. Die beiden Mediziner Markus Troyke und Carolyn Jung haben sich hier schon eingelebt. Foto: Andreas Dorsch

Jeder, der den neu gestalteten Haupteingang des Kreiskrankenhauses St. Anna in Höchstadt passiert, erkennt spätestens in der Eingangshalle am provisorischen Empfang, dass hier immer noch gebaut wird. Die seit Jahren laufenden Baumaßnahmen zur Strukturverbesserung und Modernisierung haben die Belegungskapazitäten eingeschränkt und vielleicht auch den einen oder anderen Patienten abgehalten, in das Höchstadter Haus zu gehen.

Das wird auch im Wirtschaftsplan für 2020 deutlich, der ein voraussichtliches Defizit von 2,1 Millionen Euro ausweist. Trotzdem wurde der Plan im Krankenhausausschuss am Montag einstimmig abgesegnet und dem Kreistag zur Zustimmung empfohlen. Die Wirtschaftspläne der beiden vorangegangenen Jahre hatten mit 1,8 Millionen Defizit abgeschlossen.

Kritik an der Gesetzgebung

Landrat Alexander Tritthart (CSU) betonte in der Sitzung, dass sich der Landkreis vielfältigen Herausforderungen stelle, um das Kreiskrankenhaus trotz des Defizits in die Zukunft zu führen. Dafür sei der "umfassende Erneuerungsprozess, verbunden mit der Kooperation mit der Uni-Klinik Erlangen", die Voraussetzung. Der Fachkräftemangel treffe das Kreiskrankenhaus ebenso wie die Bundesgesetzgebung, die Wirtschaftlichkeit und Planbarkeit besonders für kleinere Häuser "existenzbedrohend" beeinflussen.

Für die Zukunft sei es wesentlich, dass das Kreiskrankenhaus von den Patienten auch angenommen wird. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt werde über ein Krankenhaus verfügen, das alle Voraussetzungen hat, um auch in Zukunft eine starke Stütze für die Gesundheitsversorgung im Kreis zu sein, sagte Tritthart. Er bittet auch die Ärzte vor Ort, das Höchstadter Krankenhaus positiv zu sehen. Noch sei es eine Baustelle, aber man erkenne schon einen riesengroßen Unterschied zwischen alten und neuen Räumen. "Wir müssen Werbung machen", appellierte der Landrat an die Kreisräte.

Freie-Wähler-Sprecher und Höchstadter Bürgermeister Gerald Brehm bedankte sich bei allen Kreisräten, die hinter dem Krankenhaus stehen, "auch wenn es nur einen Teil des Kreises abdeckt". Die Augenhöhe mit der Uni-Klinik Erlangen sei eine klasse Geschichte. Brehm würde es sich wünschen, wenn nicht nur die Investitionen hervorragend bezuschusst würden, sondern wenn es auch Betriebskostenzuschüsse gäbe.

Es muss besser werden

Martina Stamm-Fibich, SPD-Kreisrätin und Bundestagsabgeordnete , sah in den Ausführungen des Landrats "eine Vollwatsche" für sie als Bundespolitikerin. Sie wies den Vorwurf zurück, die Regierung in Berlin mache alles falsch.

Ihr Fraktionskollege im Krankenhausausschuss, Konrad Gubo, betonte, dass sich das Krankenhaus in Höchstadt nicht zu rentieren brauche. Zudem seien die Rahmenbedingungen in allen Bereichen grottenschlecht. Die SPD habe das Krankenhaus immer mitgetragen, jetzt wolle man die Sanierung abwarten, aber ab 2021/2022 erwarte er bessere Zahlen.

Hans Lang signalisierte die Zustimmung der CSU zum Wirtschaftsplan. 2,1 Millionen Defizit könne man heuer und im nächsten Jahr noch vertreten. Manche Dinge seien vom Kreis nicht beeinflussbar, stellte Lang fest.

Für die Grünen kündigte Darina Bachmayer die Zustimmung zum Wirtschaftsplan an, für die FDP Britta Dassler.

Die Verwaltung geht davon aus, dass alle Baumaßnahmen in dem auf 17 Millionen Euro veranschlagten Gesamtpaket bis Ende März 2020 abgeschlossen sein werden. Bereits fertig sind die neue Endoskopieabteilung mit modernster Ausstattung, die neu gebaute Intensivstation mit Aufwachraum und Isolationsschleusen für infektiöse Patienten. Ebenso neu gebaut wurden das Labor im Untergeschoss, Umkleiden und Haustechnikräume. Neu sind auch die Stationsstützpunkte.

Seit über einem Jahr schon in Betrieb ist die Spitaleria. Sie dient als Veranstaltungsraum, Mitarbeiterkantine, Café und Begegnungsstätte. Der neue Haupteingang ist auch mit seinen Außenanlagen nahezu fertig. Seiner Funktion übergeben ist seit zwei Wochen der neue internistische Funktionsbereich im Erdgeschoss. Die neue Zentralsterilisation läuft im Probebetrieb und wird dieser Tage validiert. Die ersten neuen Pflegezimmer wurden auch schon in Betrieb genommen.

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