Landtagswahlkampf 2018

Alice Weidel in Höchstadt: Hunderte bei Demo gegen die AfD

Ein breites Bündnis hat in Höchstadt gegen die Politik der AfD demonstriert. In der Kulturfabrik machte AfD-Politikerin Alice Weidel Wahlkampf.
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Rund 400 Menschen demonstrierten gestern vor der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt  während eines Wahlkampfauftritts der AfD-Politikerin Alice Weidel. Foto: Christian Bauriedel
Rund 400 Menschen demonstrierten gestern vor der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt während eines Wahlkampfauftritts der AfD-Politikerin Alice Weidel. Foto: Christian Bauriedel
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Rund 400 Personen haben nach Angaben der Polizei am Mittwochabend an einer Kundgebung vor der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt teilgenommen. Der Protest richtete sich gegen eine Veranstaltung der örtlichen AfD. Diese hatte sich Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, als Wahlkampf-Rednerin in den Saal der Kulturfabrik eingeladen.

Zu der Demonstration aufgerufen hatte die SPD Höchstadt. Gefolgt sind zahlreiche andere Parteien und Gruppierungen wie Aktion Courage, Grüne, CSU, Linke, FDP, JL sowie Vertreter der evangelischen Kirche in Höchstadt.

AfD mit "brandgefährlichem Vorgehen"

Alexandra Hiersemann, SPD-Landtagskandidatin geißelte die AfD als intolerant. Es würden "alle ausgeschlossen, die nicht ins Weltbild passen". Die AfD müsse sich "messen lassen an den menschenverachtenden Reden." Mehr als Hetze gegen Migranten käme an Inhalten nicht. "Wir wenden uns gegen dieses brandgefährliche Vorgehen."

Auch der Höchstadter Volker Glab (SPD) sowie die Landtagskandidaten Lukas Eitel (Linke), Astrid Marschall (Grüne) und Boulent Ekrem (FDP) redeten. "Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass wir hier so viele Menschen herbringen", sagte Eitel. In der Menschenmenge waren Stadt-, Kreis- und Bezirksräte sowie Bürgermeister. Höchstadts Stadtoberhaupt lasse sich entschuldigen, richtete Stadt- und Kreisrat Andreas Hänjes aus, der die Veranstaltung im Namen der SPD angemeldet hatte. Brehm sei ein Termin dazwischen gekommen, aber er stehe voll hinter der Veranstaltung.

"Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner"

Der Herzogenauracher FDP-Politiker Ekrem erinnerte daran, dass Weidel im Bundestag gezielt über "Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse" gesprochen habe. So eine Verrohung der Sprache sowie die Hetze gegen Migranten mache vielen Menschen Angst. Eitel wandte sich gegen eine Verharmlosung durch ständige Distanzierung von angeblich nur Einzelner.

Der JL-Stadtrat und Höchstadter Fosänachter Wolfgang Pflügner trat mit einer Rede in Reimform ans Rednerpult. Der Titel des Gedichts: "Alternative für Denkfaule."

"Kein substanzielles Programm"

Höchstadts CSU-Vorsitzender Alexander Schulz warf der AfD vor, "kein substanzielles Programm zu haben". Das habe deren Vorsitzender Alexander Gauland im Sommerinterview im Fernsehen bewiesen. "Die Inhaltsleere wird von Hetztern gefüllt." Ihn erinnere das teilweise an die Reden der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Er rief auf zu "mehr Toleranz und gegen deren Hasspredigten."

Einen Spießroutenlauf hatten die Besucher der AfD-Veranstaltung auf ihrem Weg in die Kulturfabrik zu absolvieren. Sie wurden vor dem Gebäude mit Parolen ("Nazis verpisst euch" oder "Nazis raus") eines Teils der Demonstranten empfangen. Die meisten der Protestierenden folgten jedoch den Reden im hinteren Teil des Geländes. Die Polizei war vor Ort. Die Veranstaltung verlief friedlich.

Grenzen stehen "offen wie Scheunentore"

Im Gebäude war der Saal mit rund 250 Besuchern voll. Alice Weidel kam in ihrer Rede ohne Umschweife auf das Thema Migration. Es gebe zu viele "alimentierte illegale Einwanderer." Die Grenzen stünden "offen wie Scheunentore", es gebe einen "Abzocktourismus von Asylbewerbern". Auch für die CSU hatte sie Worte parat: Die Partei habe ihren Machtanspruch verwirkt. Sie habe kein "Abo" mehr auf die Macht.

Vor dem Gebäude, bei der Demo, wies Pfarrer Fritz Schäfer in einer eher nachdenklichen Rede auf Veränderungen im Land hin. Er habe Angst, dass man wieder an eine Stelle komme, an der man früher schon einmal war. "Alles was unseren Bestand gesichert hat, soll weg. Was aber kommen soll, ist der AfD selbst noch nicht klar." Dass die AfD eine Sitzung abhält, das sei "ok". "Aber alle, die da reingehen, sollen wissen, worauf sie sich da einlassen."



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