LKR Erlangen-Höchstadt
Interview

Alexandra Hiersemann möchte in den Landtag

Alexandra Hiersemann möchte im Landtag um höhere Zuschüsse für das seit Jahren im Kreis Erlangen-Höchstadt kontrovers diskutierte Verkehrsprojekt kämpfen. Die Direktkandidatin der SPD lehnt eine Pkw-Maut ab.
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Symbolfoto: Archiv
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Die 52-jährige Alexandra Hiersemann aus Marloffstein will für die SPD in den Landtag einziehen und stellte sich in einem Interview den Fragen unserer Zeitung.

Warum soll der Wähler gerade bei Ihrem Namen sein Kreuzchen machen?
Alexandra Hiersemann: Weil ich soziale Kompetenz in den Landtag einbringen werde. Seit vielen Jahren bin ich in der Landespolitik tätig und habe die parlamentarische Arbeit als Rechtsreferentin der SPD-Landtagsfraktion kennengelernt. In meiner Arbeit als Rechtsanwältin und in meinen Ehrenämtern in der evangelischen Kirche, unter anderem als stellvertretende Landessynodale, weiß ich um viele Brennpunktthemen unserer Gesellschaft. Mein politisches Wissen und meine Lebenserfahrung werde ich im Landtag für unsere Region einbringen.

Was hat Sie dazu bewogen, eine politische Karriere einzuschlagen?
Seit meiner Studentenzeit in Würzburg bin ich Mitglied der SPD. Für mich war es immer wichtig, dort zu unterstützen, wo Menschen Hilfe brauchen. Seit vielen Jahren leite ich im Landkreis Erlangen-Höchstadt den Arbeitskreis "SPD und Kirche" und treffe dort viele Menschen, die mit mir den Gedanken der Solidarität und Nächstenliebe praktisch umsetzen wollen. Meine Ziele sind: gerechtere Bildungschancen für unsere Jugend, bezahlbares Wohnen, starke Kommunen und nicht zuletzt eine sozialverträgliche Energiewende.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, das Direktmandat zu gewinnen oder über die Liste in den Landtag einzuziehen?
Nach ca. 15 Jahren politischer Arbeit im Landkreis Erlangen-Höchstadt hoffe ich darauf, dass die Bürger in der Region mir, meinen Zielen und meinem Einsatz vertrauen. Neben den Erststimmen aus Erlangen-Höchstadt sind bei der Landtagswahl die Zweitstimmen aus Mittelfranken besonders wichtig. Mit einem guten Stimmergebnis für mich wird der Landkreis ERH dann von mehr als nur einem Abgeordneten in München vertreten sein.

Wofür würden Sie sich als Abgeordnete besonders einsetzen - was dürfen speziell die Bürger aus dem Stimmkreis Erlangen-Höchstadt von Ihnen erwarten?
Nachhaltige Verkehrspolitik in der Zukunft schützt nicht nur unsere Umwelt, sondern schafft auch ein investitionsfreundliches Umfeld für die Wirtschaft. Hier werde ich für eine Erhöhung des Zuschusses durch den Freistaat kämpfen, dann kann die Stadt-Umland-Bahn Realität werden.

Bezahlbarer Wohnraum: Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete, wie z.B. in Herzogenaurach, bei Mietwohnungssanierungen und beim Wohnungsbau mit Sozialbindung müssen auch die Menschen guten und bezahlbaren Wohnraum finden können, die nicht über extrem hohe Einkommen verfügen. Wir müssen auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt kommunal- und landespolitische Maßnahmen gegen Münchner Wohnungspreise ergreifen.

Mit der A3 prägt eine der europäischen Hauptverkehrsadern den Stimmkreis. Wie stehen Sie zu einer Autobahn-Maut für alle Fahrzeuge?
Für Investitionen in Straßen und Schienen sind zusätzliche Einnahmen nötig. Dies darf aber und kann auch nicht über eine Pkw-Maut erfolgen. Eine einseitige Belastung der ausländischen Pkws (die auch nur ca. fünf Prozent der Autos auf den deutschen Autobahnen ausmacht) widerspricht eindeutig dem europäischen Recht. Dies weiß offenbar auch die Bundesregierung - mit Ausnahme der CSU. Eine Pkw-Maut für alle würde dagegen besonders im Flächenland Bayern die Menschen, die beruflich pendeln müssen, extrem belasten und den ländlichen Raum schwächen. Ich fordere u.a. eine Ausweitung der Lkw-Maut und eine sinnvolle Erhöhung des Verkehrshaushalts.

Geben Sie dem dreigliedrigen Schulsystem in Bayern noch eine Zukunft und wie soll diese aussehen?
Starre Lösungen werden den Ansprüchen für die Bildung unserer Kinder nicht gerecht. Ich will zusätzliche, neue Schulmöglichkeiten wie z.B. die Gemeinschaftsschule und zwar dort, wo die Schulträger und die Eltern dies wollen. In einigen Gemeinden in Erlangen-Höchstadt sehen wir, wie schwer es wird, bestimmte Schulen noch am Ort zu halten: Zu geringe Schülerzahlen in den einzelnen Schularten gefährden ganze Schulstandorte. Durch sinnvolle Verbindung verschiedener Schularten können wir die unterschiedlichen Talente unser Kinder und Jugendlichen bestmöglich fördern. Hier kann ein durchlässiges Schulsystem dazu beitragen, dass niemand ohne Schulabschluss ins Leben geht.

Nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander, auch innerhalb Bayerns gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Der reiche Süden um München legt zu, der Norden verarmt. Was würden Sie tun, um die Lebensverhältnisse in Bayern ausgeglichener zu gestalten?
Die Förderung, die in München für eine Hochschullinie möglich war, muss auch für unsere Stadt-Umland-Bahn ausgegeben werden, die unsere nordbayerische Metropolregion weiter stärkt. Wir wollen mehr finanzielle Selbstverantwortung für die Kommunen, damit diese individuelle Konzepte gegen die Abwanderung schaffen können. Mittelstands- und Handwerksbetriebe sind unser Kapital und brauchen Unterstützung. Die Grundversorgung im ländlichen Raum mit Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, Kultur und ÖPNV, schnellem Internet und Einkaufsmöglichkeiten muss wieder sichergestellt werden. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt betrifft dies auch eine zukunftsgerichtete Planung für das Kreiskrankenhaus mit staatlicher Förderung - sinnvolle Regionalplanung statt punktueller Leuchtturmpolitik.

Die Fragen stellte Andreas Dorsch.


Persönliches
Geboren 1960 in Köln, ein Kind, verwitwet, war verheiratet mit dem im Jahr 1998 verstorbenen ehemaligen Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags, Karl-Heinz Hiersemann (SPD)

Beruflicher Werdegang
Abitur in Düsseldorf, Jura-Studium in Würzburg, Assistentin der Geschäftsführung bei einem gemeinnützigen Suchthilfekonzern in München, Referentin für Verfassungs-, Recht- und Kommunalfragen der SPD-Landtagsfraktion, seit 1999 selbstständige Rechtsanwältin, unter anderem Beraterin der SPD-Fraktion in verschiedenen Untersuchungsausschüssen

Politischer Werdegang
Seit 30 Jahren Mitglied der SPD, durchgängig in unterschiedlichen Parteifunktionen tätig, u.a. im Arbeitskreis "SPD und Kirche"

Ehrenämter
Aktiv unter anderem in verschiedenen Gremien der evangelischen Kirche, in der Jugendfarm Erlangen, dem Förderverein der Laufer Mühle und dem Erlanger Hospizverein
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