Höchstadt a. d. Aisch
Bürgermeisterkandidat

Alexander Schulz: Der Herausforderer in Höchstadt

80-Stunden-Wochen sind für Alexander Schulz (CSU) zur Zeit die Regel. Er möchte neuer Bürgermeister in Höchstadt werden. Dafür geht er von Tür zu Tür.
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Alexander Schulz in seinem Wohnzimmer.  Fotos: Barbara Herbst
Alexander Schulz in seinem Wohnzimmer. Fotos: Barbara Herbst
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Auf der großen grauen Magnetwand in seinem Büro hat Alexander Schulz alles genau im Blick. Alles genau organisiert. Auf der einen Karte, was er noch vor sich hat. Auf der anderen Karte, was er bereits geschafft hat. Nachgezeichnet mit einem dicken roten Stift. Über 4000 Haushalte hat der Bürgermeisterkandidat der CSU bereits. Bis zur Wahl am 16. März will er alle in Höchstadt besucht haben.

Angefangen hat er im Herbst, zwei Drittel liegen seitdem bereits hinter ihm. Auch wenn er nicht immer jemanden antrifft - bei rund 40 Prozent klingelte er bisher vergeblich. An manchen Tagen ist er eine dreiviertel Stunde unterwegs, an anderen vier Stunden am Stück. Insgesamt waren es bereits 90 Stunden und 260 Kilometer, die er zu Fuß abgelaufen ist. Schulz hält alles genau fest. Notiert jede Anregung, jede Bemerkung, die er an den Haustüren bekommt. "Ich will den direkten Kontakt zu den Bürgern", sagt der 43-Jährige entschlossen.

Bis zwei Uhr nachts

Daneben viele andere Termine: in den Ortsteilen, bei Vereinen, an Info-Ständen. Wahlkampffreie Tage gibt es schon lange nicht mehr. Ohne sein Pad, in dem alle Termine gespeichert sind, wäre er so gut wie aufgeschmissen. Statt Frühstück - den Kaffee gibt's unterwegs im Auto - checkt er schon gleich morgens am Esstisch seine E-Mails. Abends nimmt er das Tablet meistens noch mit ins Bett, bereitet sich auf den nächsten Tag vor. Sein eigentlicher Job bleibt dabei nicht auf der Strecke. Manchmal korrigiert der Chemie- und Biologie-Lehrer an der FOS Erlangen bis nachts um zwei Uhr. "80-Stunden-Woche sind zur Zeit die Regel. Ich mache den Wahlkampf in meiner Freizeit, der Bürgermeister hat es da leichter."

Bereits seit letzten Sommer steht Schulz als Bürgermeisterkandidat fest. Viele Gespräche mit seiner Frau Heike und den CSU-Kollegen Franz Rabl und Michael Schwägerl gingen voraus. "Ich hab' mich als Kandidat nicht aufgedrängt. Fühlte mich aber geehrt, als ich gefragt wurde", betont Schulz. Und in Führungspositionen hat Alexander Schulz bereits seine Erfahrung. Seit zweieinhalb Jahren ist er Personalratsvorsitzender auf der FOS, seit acht Jahren Vorsitzender des Gewerbevereins Höchstadts, seit März letztes Jahr Ortsvorsitzender der CSU. "Ich war schon immer jemand, der gerne gestaltet und Verantwortung übernimmt."

Und das möchte er jetzt auch für Höchstadt. Schulz nimmt sich vieles vor. Er wünscht sich den Wechsel. Will weg von "verkrusteten Strukturen und eingefahrenen Wegen". Stattdessen will er einen frischen Wind, neue Ideen. Und einen respektvolleren Umgang miteinander: "Stadträte werden in manchen Bereichen gar nicht ernst genommen, Unterlagen werden kurzfristig ausgehändigt, wirkliche Haushaltsberatungen finden nicht statt." Schulz will das ändern. Will parteiübergreifend Entscheidungen treffen. "Ich vermisse eine langfristige Planung, wo es hingehen soll. Visionen."

Von anderen lernen

Vor allem was die Innenstadt angeht. Sein Metier, sein Steckenpferd. "Höchstadt ist keine Stadt, die zum Bummeln einlädt", bedauert Schulz. Immer weniger Geschäfte, kein Café - wirkliche Konzepte wurden bisher versäumt. "Man kann nichts erzwingen, aber man kann Rahmenbedingungen schaffen", empfiehlt Schulz. Er will sich deshalb anschauen, wie es andere Gemeinden machen, will sich demnächst mit den Bürgermeistern in Roth und Schwabach treffen. "Vielleicht kann man etwas lernen." Vom Geschäftshaus am Vogelseck ist der Kandidat jedenfalls kein großer Freund: "Der Bürgermeister verkauft es als Innenstadtbelebung. In Wirklichkeit ist es aber nur eine Verlagerung." Die Folge: Immer mehr Leerstände. Und die drohen für Schulz nicht nur in der Innenstadt, sondern aufgrund der stagnierenden Bevölkerungszahlen auch in alten Wohngebieten. "Wir weisen immer mehr Flächen aus. Baugebiete sind wichtig für junge Familien, aber wir brauchen auch Maßnahmen gegen eine Zersiedlung."

Auch im Gewerbegebiet fehlt dem Höchstadter ein konkreter Fahrplan. "Wer als Erster ruft, wird reingelassen", beklagt er. Stattdessen sollte genau überlegt werden, wer zur Stadt und dem Aischpark passt und welche Schwerpunktsetzung Sinn machen könnte. Beispielsweise aus dem Bereich der Medizintechnik oder der Erneuerbaren Energien. "Wichtig ist auch ein nachhaltigerer Umgang mit der Ressource Boden. Man kann jeden Quadratmeter nur einmal bebauen." Wichtiges Thema für ihn ist außerdem der Personennahverkehr. Vor allem einzelne Siedlungsgebiete sollten besser angebunden sein, beispielsweise mit einer Bürgerbuslinie, besonders für ältere Menschen. Die Schulbusse sollten bei einer Bestandsaufnahme auf den Prüfstand gestellt werden. "Bei meinen Hausbesuchen wird häufig beklagt, dass sie zu voll sind und zu ungünstigen Zeiten fahren."

Bis zur Wahl hat er noch ein paar Hausbesuche vor sich. Ausgleich findet Schulz bei der Gartenarbeit, beim Gitarrespielen - und vor allem bei seiner Frau Heike. Letztes Jahr im Mai hat das Paar geheiratet. 2009 haben sie gemeinsam gebaut, alles selbst geplant und umgebaut: "Das Haus ist wie eine kleine Oase, unser Rückzugsbereich, in dem wir zur Ruhe kommen."

Mit ungleichen Mitteln

Schon mehrmals stand Schulz auf der CSU-Liste, wollte in den Stadtrat kommen - die Stimmen haben allerdings nie gereicht. Auch bei der letzten Wahl nicht. Der 16. März macht ihn noch nicht nervös. "Ich hab' wenig Zeit, um nervös zu werden. Es ist ja immer irgendwas", sagt Schulz und lacht. Er freut sich drauf. Will es schaffen. "Es ist eine schwierige Geschichte, gegen den Amtierenden anzutreten. Da bin ich schon realistisch", gesteht er. Doch er ist optimistisch: "Es ist ein Wettbewerb, der mit ungleichen Mitteln ausgeführt wird. Aber ich habe nichts zu verlieren." Deshalb wird er auch heute und morgen wieder in Höchstadt unterwegs sein. Und an den Haustüren klingeln.
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