Mitte August stakste ein Jungstorch fast tänzerisch durch die Wiesen am weiherumrundeten Weiler Gottesgab. Die Eleganz der Bewegungen hatte er wie ein Alter; aber die dunklen Beine verrieten, dass er zum heurigen Jahrgang gehört. Vermutlich war er gar nicht ganz alleine unterwegs. Denn in diesen Wochen sammelten sich die Jungstörche in Gruppen, um ihren ersten Flug ins Winterquartier vorzubereiten.

Ob die Aischgründer Störche dazu über den Bosporus und Kleinasien nach Afrika ziehen oder die Route über Gibraltar nehmen, wenn sie nicht gleich in Spanien überwintern, ist ungewiss. Die mittelfränkischen Adebare leben genau in dem Raum, von dem aus beide Zug routen möglich sind.

Aus welchem Horst der Jungstorch stammte, ist ebenfalls ungewiss, braucht doch jedes Brutpaar ungefähr 200 Hektar Wiesen und offenes Land, um genügend Nahrung zu finden. In Betracht kommen etliche Horste.
Zwar machte die Schlechtwetterperiode Ende Mai fast überall menschliches Eingreifen notwendig, aber mindestens ein Jungtier pro Nest überlebte meist.

Im Schaufenster der Bäckerei Falkner in Adelsdorf stehen zwei Plastikstörche. Sie weisen ganzjährig daraufhin, dass auf dem Kamin des Backhauses seit drei Jahren Familie Adebar (ganzjährig) heimisch ist.

Die Störche sind umgezogen, als beim Rathausumbau auch das Dach erneuert wurde.

"Die Störche haben ein paar Äste auf unseren Kamin geschleppt", erinnert sich die Verkäuferin im Laden. "Der Storchenbetreuer Stahl hat dann ein Gestell für sie angebracht, denn der Backofen wird ja jeden Tag geschürt."
Auch danach wollten die Störche nicht mehr aufs Rathausdach zurück. Die Verkäuferin vermutet, die roten neuen Ziegel irritieren sie. Heuer gab es zwei Junge im Falkner-Horst. "Sie haben unter dem Regen schwer gelitten; eines war schon tot, als Storchenvater Edmund Lenz nach dem Rechten schaute", erzählt sie. Das andere wurde zum Aufpäppeln in den Nürnberger Tiergarten gebracht.

Ähnlich war es am Horst auf dem alten Rathaus in Höchstadt.

Von den fünf Jungen des Elternpaares Anna und Gerome überlebten zwei, weil sie von den Eheleuten Heidi und Friedrich Ortegel warm gefönt wurden. Zu deren gleichnamigen Patenkindern wurde noch Christine gesellt. Sie stammt aus dem Horst bei der Stadtpfarrkirche, auf dem ein junges Elternpaar zu ersten Mal brütete.

Die Herzogenauracher Jungstörche waren schon fast flügge, als auch sie ein Unglück heimsuchte.

Auf einem ihrer ersten Ausflüge verloren sie - wodurch auch immer - die Orientierung und landeten notgedrungen in Höfen und Gärten. Einer kam dabei zu Tode. Der andere konnte sich zwar im Hof der Brauerei Heller nicht mehr in die Luft erheben, fand aber über das Tor hinaus in einen Garten. Auch er wurde zu seinen etwa 15 Kollegen im Zoo gebracht.

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zieht dieses Jahr eine gemischte Bilanz bei den bayerischen Weißstörchen. Im Vergleich zum Vorjahr ist zum einen eine deutliche Bestandszunahme zu erkennen. Zum anderen sind jedoch starke Verluste bei der Brut durch die ungünstige Witterung Ende Mai zu verzeichnen.

"Erfreulicherweise steigt der bayerische Weißstorchbrutbestand seit über zehn Jahren kontinuierlich an, allerdings war der Bruterfolg in diesem Jahr sehr gering", bilanziert deshalb LBV-Storchenexpertin Oda Wieding. In Bayern haben 2013 über 320 Storchenpaare ein Nest besetzt, womit das Rekordergebnis vom Vorjahr mit 272 Paaren deutlich übertroffen wurde.