Adelsdorf
Verkehr

Adelsdorfer wollen ihre Ruhe

Aus den Wohngebieten entlang der östlichen Ortseinfahrt von Adelsdorf mehren sich die Rufe nach "Flüsterasphalt" und einer Geschwindigkeitsbegrenzung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Anwohner schilderten Bürgermeister Karsten Fischkal (l.) und einigen Gemeinderäten ihre Sorgen.     Foto: Evi Seeger
Die Anwohner schilderten Bürgermeister Karsten Fischkal (l.) und einigen Gemeinderäten ihre Sorgen. Foto: Evi Seeger

"Uns reicht's", war auf einem Plakat zu lesen. Die Bürger vom Adelsdorfer Baugebiet "Frankenring" (Oesdorfer Weg) wie auch die Anwohner der Kaspar-Lang-Straße auf der gegenüberliegenden Seite wollen nicht mehr mit dem Verkehrslärm und den hohen Geschwindigkeiten auf der Staatsstraße 2264 leben.

Bürgermeister Karsten Fischkal (FW), der zu einem Ortstermin an der viel befahrenen Straße eingeladen hatte, steht voll und ganz hinter den drastischen Forderungen seiner Bürger. Sie verlangen die Aufbringung eines "Flüsterasphalts" und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer aus Richtung der B 470. An der Zufahrt nach Wiesendorf/Reuthsee wird zudem ein Kreisverkehr gefordert, der die Geschwindigkeit abbremsen und somit für mehr Sicherheit sorgen soll. An dieser Stelle sei es in der Vergangenheit zu mehreren Unfällen gekommen.

Beim Ortstermin nahe der Bushaltestelle an der Staatsstraße war mitunter kein Wort zu verstehen. Immer dann, wenn ein Fahrzeug vorbeidonnerte. Und es waren viele, denn es war 17 Uhr und Rush Hour. Pro Tag werden auf der Strecke zwischen der B 470 und Adelsdorf 8000 Fahrzeuge gezählt. Die Gemeinde befasse sich nicht zum ersten Mal mit dem Thema, so Günter Münch. Der Fraktionssprecher der Freien Wähler hatte den entsprechenden Antrag gestellt, nachdem eine Familie aus der Vogtlandstraße "den Stein ins Rollen gebracht hat".

"Reine Flickschusterei"

Der Verkehr nehme immer weiter zu, nicht zuletzt durch die "Mautflüchtlinge" unter den Lkw-Fahrern. "Damit man nicht mehr mit 110 reinbrettert", müsse schnellstmöglich eine Verbesserung kommen. Die bis jetzt an der Straße durchgeführten Ausbesserungen sind nach Münchs Worten "reine Flickschusterei". Die Anwohner vertreten sogar die Meinung, dass der "Fleckerlteppich" nun noch lauter ist als zuvor.

"Eine unendliche Geschichte" auch für Bürgermeister Fischkal. Bereits von seinem Vorgänger gebe es diesbezüglich Korrespondenz mit dem Staatlichen Bauamt. Es müsse dringend etwas passieren, stellte Fischkal fest. Nicht zuletzt, weil an der Bushaltestelle auch viele Kinder unterwegs sind.

"Wir bilden uns durchaus nichts ein", betonte Fischkal. Ein in Auftrag gegebenes Lärmgutachten habe erbracht, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung von 100 auf 70 Stundenkilometer eine Verbesserung um zwei Dezibel bringe. Gefühlt seien dies 40 Prozent weniger Fahrzeuge. Die Gemeinde selbst habe im letzten Jahr eine Messung durchgeführt und festgestellt, dass im Durchschnitt mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern aus dem Ort gefahren werde. Auch Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometer seien keine Seltenheit. Nach dem Besuch des Innenministers vor zwei Jahren sei das Ortsschild um hundert Meter nach außen versetzt worden. Unverständlich für Fischkal, dass dafür das Schild auf der anderen Straßenseite fünfzig Meter zur Ortschaft hin versetzt wurde.

Fischkal favorisiert Kreisverkehr

Dass die Zufahrt ins Baugebiet "Reuthsee" ein Unfallschwerpunkt ist, belegte Fischkal durch Zeitungsberichte. "Aber bitte keine Ampelanlage, sondern einen Kreisverkehr" und somit ein "zukunftsträchtiges" Modell, wünscht sich Fischkal. Seit der Ampelanlage auf der B 470 ist er ein gebranntes Kind. Für "unrealistisch" hält er, dass die Planung dafür sechs Jahre in Anspruch nehmen soll.

"Verschwenkungen" der Fahrbahn, wie sie Gemeinderat Norbert Birkner (FW) in beide Richtungen forderte, haben nach Meinung des Bürgermeisters wenig Chancen auf Umsetzung. Auf einer Staatsstraße müsse der Verkehr "fließen". Die Anregung soll dennoch in den Antrag an das Staatliche Bauamt aufgenommen werden. Den Antrag an die Behörde zu stellen, wurde in der nachfolgenden Sitzung des Gemeinderats beschlossen.

Sonja und Hannes Förner aus der Vogtlandstraße nehmen jedoch auch die Gemeinde Adelsdorf in die Pflicht: Zusammen mit weiteren Anwohnern fordern sie die Wiederherstellung des Lärmschutzwalles zum Schutz des Baugebiets "Frankenring". Der ursprüngliche Lärmschutzwall sei über die Jahre hinweg "abgesackt". Durch bauliche Maßnahmen könne viel bewirkt werden. "Aushubmaterial vom Baugebiet Seeside ist genug vorhanden", argumentieren die beiden.

Für Karin Mirwald von der gegenüberliegenden Kaspar-Lang-Straße gibt es eine solche Hoffnung überhaupt nicht. Der "Ist-Zustand" des etwa 50 Jahre alten Baugebiets ist noch so wie zu Zeiten des Genehmigungsverfahrens. Der Verkehr hingegen habe sich vervielfacht. Eine Garagen-Wand als Lärmschutz entlang der Staatsstraße wäre nach Fischkals Worten "eine feine Sache". Bislang scheiterte sie jedoch an der Genehmigung der Behörden.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren