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Adelsdorf
Seniorenpolitik

Adelsdorfer diskutieren über Seniorenpolitik

Der Adelsdorfer Seniorenbeirat stellte seine Arbeitsschwerpunkte vor.
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Das Interesse an den Ausführungen des Seniorenbeirats und der Bürgermeisterkandidaten war groß.    Foto: Britta Schnake
Das Interesse an den Ausführungen des Seniorenbeirats und der Bürgermeisterkandidaten war groß. Foto: Britta Schnake
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In der gut besuchten Aischgrundhalle in Adelsdorf wurden am Montagabend gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Peter Brosch, stellte ein auf Adelsdorf zugeschnittenes seniorenpolitisches Gesamtkonzept vor, in dem es primär um die Verbesserung der Lebensqualität, Wohnsituation und Nahversorgung von Senioren, deren Mobilität und Barrierefreiheit ging. "Wir verstehen uns nicht als Kaffeekocher und Einlader, sondern als jemand, der etwas bewegt", brachte Regina Gutberlet die Arbeit des Seniorenbeirates auf den Punkt.

Im Anschluss an Broschs Vortrag folgten Stellungnahmen der fünf Bürgermeisterkandidaten Karsten Fischkal (FW), Uwe Pöschl (CSU), Michael Auer (Grüne), Norbert Lamm (SPD) und Ralf Olmesdahl (AB) zu den dringlichsten Themen. "Die Menschen möchten im Alter im eigenen Haus bleiben, doch was, wenn das nicht mehr klappt?", fragte Olmesdahl, der den Anfang machte. Hilfreich könnten seiner Meinung nach Beratungsstellen sein. Auch das Bilden von Wohngemeinschaften oder betreutes Wohnen wären für ihn eine Alternative zum Heim. Zudem fordert er gemischte Baugebiete, wo Jung und Alt gemeinsam leben.

Lamm sieht Barrierefreiheit als Stiefkind der Ortsentwicklung. "Was nutzt es, wenn der Edeka-Markt barrierefrei ist, aber der Weg dorthin nicht?" Als Einschränkung der Mobilität der Senioren macht er zum einen die hohen Busfahrpreise aus, zum anderen hätten seiner Meinung nach ältere Menschen auch Angst, zum Bus zu gehen, einzusteigen und ein Ticket zu ziehen. "Sie müssen das Busfahren lernen", sagte er.

Rufbusse als Alternative

Auer brachte den Mangel an Pflegekräften aufs Tapet. "Ein Pflegeheim hinzustellen, wenn man keine Pflegekräfte hat, ist uninteressant", erklärte er. Ein Problem bei Wohnraum sieht Auer auch bei den Kosten. "Es soll billig sein, aber möglichst allen Komfort bieten." Auch Mobilität ist ihm wichtig. "Das Schlimmste, das einem Menschen passieren kann, ist, dass er vereinsamt und keinen Kontakt nach außen hat." Rufbusse bilden für ihn eine gute Alternative zum Bus.

"Der Bedarf an seniorengerechten Wohnmöglichkeiten und an Pflege vor Ort steigt stetig an", gab Pöschl zu Bedenken. Seiner Meinung nach müsse die ärztliche Versorgung ausgebaut werden, besonders ein Orthopäde vor Ort würde der Gemeinde guttun. Zum Thema Mobilität schlug Pöschl die Anschaffung eines Fahrzeugs für den Transport von Rollstuhlfahrern vor, gerne im Rahmen eines Car-Sharings. Um soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sei Barrierefreiheit für Senioren ein wichtiger Punkt.

Ärzte nach Adelsdorf locken

Der amtierende Bürgermeister Fischkal bildete den Abschluss. Er erklärte, dass Mitte 2020 geplant sei, mit der Caritas einen Familienstützpunkt einzurichten. Barrierefreiheit sei in seinen Augen gar nicht so schwer herzustellen: "Nehmen wir die Apotheke am Rathaus", sagte er, "eine kleine Rampe und die Apotheke ist barrierefrei." Was die Sache mit den Ärzten betrifft, war er sich mit Pöschl einig. "Wir müssen versuchen, möglichst viele Ärzte nach Adelsdorf zu holen." Auch eine Busverbindung nach Forchheim sei ein Ziel. Zum Thema Wohnraum muss es laut Fischkal auch nicht immer ein Neubau sein, um Raum für Senioren zu schaffen. "Es gibt teilweise große Häuser, in denen Menschen alleine leben. Machen wir aus einem großen Haus mehrere kleine Wohnungen für Senioren."

Im Nachgang gab es die Möglichkeit zur Diskussion mit den Kandidaten. Birgit König-Schäfer erklärte, dass es mit der heutigen Erziehung zu tun habe, dass manche Senioren das Busfahren meiden würden. "Es steht doch kein Jugendlicher mehr auf, wenn ein alter Herr oder eine alte Dame in den Bus steigt." Gabriele Kullmann vom Seniorenbeirat bemängelte, dass zwar demnächst ein seniorengerechtes Mehrfamilienhaus mit 21 Wohnungen entstehen werde, dies allerdings nicht für Senioren verfügbar wäre, außer diese hätten einen Wohnberechtigungsschein. "Die Dinge sind am Brennen!", sagte sie.

Zum Schluss zauberte Fischkal noch eine Möglichkeit aus dem Hut, wie kostengünstig und auf die Schnelle Wohnraum geschaffen werden könnte, und zwar in Form sogenannter "Tiny Houses". In Weppersdorf hätte er sich zwei dieser Modul-Häuser angesehen. Sogleich startet er einen Aufruf: "Wer ein großes Grundstück hat, soll sich bitte beim Bauamt melden oder bei mir." So könne man mit geringem Aufwand Wohnraum schaffen, der auch noch zu 100 Prozent barrierefrei sei.

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