Adelsdorf
Gemeinderat

Adelsdorf will die dritte Überflutung verhindern

Damit beim nächsten Starkregen in Adelsdorf nicht erneut mehrere Straßenzüge unter Wasser stehen, muss der "Seeside"-Bauträger seine Hausaufgaben erledigen.
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Die Adelsdorfer hoffen, dass überschwemmte Straßen nach heftigen Regenfällen wie hier Anfang Juli bald wieder der Vergangenheit angehören.   Foto: Fabian Herzig
Die Adelsdorfer hoffen, dass überschwemmte Straßen nach heftigen Regenfällen wie hier Anfang Juli bald wieder der Vergangenheit angehören. Foto: Fabian Herzig
Zweimal innerhalb von fünf Wochen wurde Adelsdorf von Starkregen heimgesucht. Viele Keller standen unter Wasser, auf den Straßen liefen Sturzbäche. Insbesondere aus dem Baugebiet Reuthsee strömten Wassermassen in den Altort. Die Ursache ist im Wesentlichen der Tatsache geschuldet, dass dort viele Baumaßnahmen am Laufen sind.

"Wir hatten ein zielführendes Gespräch mit dem Bauträger", berichtete Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) am Mittwochabend dem Gemeinderat. Klärmeister Hans Schockel hat mit den Fachleuten der beteiligten Firmen einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. "Zeitnah", so Fischkal, muss der Bauträger das Kanalsystem reinigen und das Einlaufrohr in das Regenüberlaufbecken (RÜB) freispülen. Das Becken selber muss wartungsfreundlich ausgebaggert werden und Gräben wieder freigelegt.

Im Baufenster 3 muss, solange die Bauarbeiten laufen, ein großes Becken ausgebaggert werden, das Richtung RÜB entwässert. Leitwälle sollen Wassermassen lenken. Die entstehenden Stichstraßen sollen so schnell wie möglich an die Kanalisation angeschlossen werden. Das ist allerdings schwierig, solange die Feindecke fehlt. Deshalb sollen um die jetzt noch überstehenden Sinkkästen halbmondförmige Erhöhungen angebracht werden, damit nicht straßenweit Wasser auf einen einzigen Sinkkasten zuläuft, der zwangsläufig dadurch überlastet ist. Wichtig für die Gemeinde ist noch ein Ansprechpartner vor Ort, eine Person, die schnell agieren kann, indem sie sofort Baufahrzeuge einsetzt.

Günter Münch (FW) rügte an diesem Katalog, dass die Maßnahmen nicht nachhaltig sind. Deshalb schlug Fischkal vor, eine Gruppe zu bilden, die "mit offenen Augen regelmäßig durch das Baugebiet geht. Ortssprecher Tim Scheppe sieht in der Gabionenwand am RÜB eine Problemstelle. Er befürchtet, dass sie in kurzer Zeit verschlammt. Es sollte geprüft werden, ob nicht ein Schieber zuverlässiger sei. Nach Fischkal genügt hier ein regelmäßiges Abspritzen. Die Abwasserpläne seien durch diverse Fachbehörden als ausreichend festgelegt worden.


Mößlein sieht weitere Ursachen

Peter Nagengast (BB/JB) lenkte die Aufmerksamkeit auch auf andere Überschwemmungsfälle im Gemeindegebiet wie in der Thüringer Straße und der Pommernstraße in Aisch. Am Grünsee, so Fischkal, konnte Schlimmeres durch eine Ablauffurt verhindert werden. Ebenso am Frankenring, wo ausgebaggerte Gräben beim zweiten Starkregen das Wasser in eine andere Richtung lenkten.
Damit antwortete er auf die heftigen Vorwürfe von Jörg Bubel (SPD), die Gemeinde habe nach dem ersten Starkregen nichts gemacht und vier Wochen zu spät mit dem "Seeside"-Bauträger gesprochen. Bubel zitierte den früheren Bürgermeister Ewald Münch, der nach dem Starkregen von 1995 die Gemeinde in der Pflicht sah.

Geschäftsleiter Wolfgang Mößlein stellte die Frage in den Raum, weshalb nur drei Prozent der Adelsdorfer Häuser betroffen gewesen seien. Selbst in der Bahnhofstraße, in die das Wasser aus dem "Seeside"-Gelände geflossen ist, seien nur zehn Prozent betroffen gewesen. Er sieht die Ursache auch in baulichen Mängeln der Anwesen wie in fehlenden Rückstauklappen oder satzungswidrig angeschlossenen Hausdrainagen.

"Was noch tun?", fragte Fischkal rhetorisch und verwies auf das entwickelte Alarmsystem und die Starkregenkarte. Sie zeigt 15 Stellen im Ort, die überflutungsgefährdet waren. Hier wurde einiges baulich verändert, so dass weder im Läusberg noch bei der Firma Soldan Wasserschäden auftraten.
Bubel sieht wie Mößlein die Bauherrn in der Pflicht. Und dazu zählt für ihn auch der "Seeside"-Bauträger, der nach dem ersten Starkregen nichts unternommen habe. Inwieweit er in die Haftung genommen werden kann, prüfen laut Fischkal derzeit die Anwälte der Gemeinde.


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