Adelsdorf
Fallen ohne Gift

Über 8.000 Ratten: Gemeinde in Mittelfranken kämpft mit neuen Fallen gegen Plage

In wenigen Wochen wurden mit einem neuen System in den Kanälen der Gemeinde Adelsdorf über hundert Nagetiere erlegt.
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Dieses  Teil wird auf den  Kanal geschraubt. Wird die Ratte von den Sensoren erkannt, schießen die Stäbe aus der Verkleidung und töten das Tier in  Sekundenbruchteilen.   Foto: Andreas Dorsch
Dieses Teil wird auf den Kanal geschraubt. Wird die Ratte von den Sensoren erkannt, schießen die Stäbe aus der Verkleidung und töten das Tier in Sekundenbruchteilen. Foto: Andreas Dorsch
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Ein schauriger Gedanke, den Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal am Donnerstag auf dem Gelände der Kläranlage spann: In der Adelsdorfer Kanalisation treiben Tausende Ratten ihr Unwesen. Experten gehen von einer Ratte pro Einwohner aus, was für Adelsdorf rund 8000 Ratten bedeuten könnte. Die genaue Zahl kennt zwar niemand, aber sie soll jetzt drastisch gesenkt werden.

Die Gemeinde geht dabei neue Wege in der Rattenbekämpfung. Bisher wurden in Kanälen und Schächten Giftköder angebracht, künftig wird auf den Einsatz von Gift völlig verzichtet. Dafür kommt eine "vollautomatische, digitalisierte Schlagfalle" zum Einsatz, von deren Effektivität man in Adelsdorf schon voll überzeugt ist.

71 Ratten mit einer Falle

Im Baugebiet Oesdorfer Weg hat die Gemeinde vier dieser Geräte fünf bis sechs Wochen lang getestet und über hundert Ratten erlegt. Allein 71 Stück mit einer Falle. Und das in einem Gebiet, aus dem bisher keine Klagen über eine Rattenplage laut wurden, betonte der Bürgermeister bei der Vorstellung der neuen Technik.

Noch ein Vorteil: Jede einzelne erlegte Ratte wird sofort dokumentiert und kann am Computer abgerufen werden. Der auf Schädlingsbekämpfung spezialisierte schwedische Konzern Anticimex hat die Technik entwickelt und vertreibt sie weltweit. Schweden bekämpft seit zehn bis zwölf Jahren Ratten nur noch auf diese Art, sagte bei der Vorstellung in Adelsdorf Anticimex-Kundenbetreuer Frank Brestrich.

Die Fallen werden in Kanalschächten auf die Abwasserleitung aufgeschraubt. Wenn Ratten nun durch den Kanal wandern, kommen sie automatisch auch durch die Falle. Sensoren registrieren Bewegung und Körperwärme der Nager und lösen die Falle aus. Eine Gruppe stumpfer, kohlefaserverstärkter Kunststoffstäbe schießt in den Tierkörper und tötet die Ratte in Sekundenbruchteilen. "Das System ist hundert Prozent mortal und entspricht strengsten Tierschutzstandards", sagte Brestrich.

Tierkörper werden weggespült

Die kleinen Pfeile ziehen sich sofort wieder zurück und mit dem nächsten Schwall Wasser wird das tote Tier durch den Kanal gespült, die Falle ist wieder einsatzbereit. "Die Tierkörper kommen in der Kläranlage an und gehen in die Verbrennung", berichtete der Adelsdorfer Abwassertechniker Ralf Wegel.

In der Vergangenheit hatte man auch in die Adelsdorfer Kanäle viel Gift gehängt, so Wegel. Dafür mussten die Gullydeckel bewegt werden, was die Ratten tagelang verscheucht hat.

Haben sie dann das Gift aufgenommen, hat es zwei bis drei Tage gedauert bis die Tiere verendeten. Dabei seien laut Frank Brestrich auch Sekundärvergiftungen nicht auszuschließen gewesen. Vögel, Katzen oder Hunde konnten das Gift aufnehmen.

Wie Abwassertechniker Wegel erklärte, verlassen Ratten nachts das Kanalnetz, weil sie Frischwasser zum Trinken brauchen. Das holen sie sich beispielsweise in Gartenteichen. Durch das erkundete Verhalten der Ratten lassen sich auch Gebiete festlegen, in denen eine Bekämpfung besonders viel Erfolg verspricht.

Für Firmenvertreter Brestrich sind mit der Technik endlich strategische Maßnahmen in der Rattenbekämpfung möglich, "man arbeitet nicht mehr auf Verdacht und lernt mit dem System". Werden beispielsweise im Kanalnetz eines Wohngebietes vier solcher Fallen installiert und nach zehn Tagen keine Schüsse mehr registriert, könne man davon ausgehen, dass dieses Gebiet rattenfrei ist.

5500 Euro im Jahr

Zu jeder Falle gehört auch ein Kunststoffkasten mit Steuergerät, Akku und einer Sim-Karte, der in den Kanalschacht gehängt wird. Für eine Gemeinde der Größe von Adelsdorf reichen laut Brestrich vier solcher Fallen, die immer wieder in einem anderen Bereich der Gemeinde eingesetzt werden können. Die Anlagen werden von der Firma vermietet und in Zusammenarbeit mit den Adelsdorfer Abwassertechnikern auch betreut. Der Gemeinde kostet diese Form der Rattenbekämpfung rund 5500 Euro im Jahr. In Adelsdorf ist man nach der Testphase von dem System überzeugt

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