Höchstadt a. d. Aisch
Schule

Abi in Höchstadt: büffeln, bis das Licht ausgeht

Julia Lorz ist eine der 98 Abiturienten, die in diesen Tagen am Gymnasium Höchstadt die Prüfungen absolvieren. Egal wie gut die Vorbereitung ist - die Anspannung bleibt bis zum Schluss.
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Noch am Abend vor der ersten Abiturprüfung lernt Julia Lorz.   Foto: Yannick Hupfer
Noch am Abend vor der ersten Abiturprüfung lernt Julia Lorz. Foto: Yannick Hupfer
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Julia Lorz sitzt an ihrem Schreibtisch. Um sie herum stapeln sich die Bücher und Mitschriften hoch wie Palmen auf einer Insel. Doch das Paradies ist das für Julia sicher nicht: Die Schülerin steht kurz vor ihrem Abitur. Es ist Montagabend, in wenigen Stunden wird sie das Deutsch-Abitur am Gymnasium Höchstadt ablegen. Sie ist sichtlich nervös: "Ich bin sehr aufgeregt, weil man noch nie so lange etwas geschrieben hat und man keine Erfahrung hat, wie ein Abitur ist."

Vor einem Monat hat sie mit den Vorbereitungen für ihre Prüfungen begonnen. Immer wieder während der Schulzeit, vor allem aber in den vergangenen Osterferien hat sie ganze Tage auf ihrer Insel am Schreibtisch verbracht. Im vergangenen Schulhalbjahr kamen zum Lernen fürs Abi auch noch zahlreiche Klausuren innerhalb kurzer Zeit. "Da war es schon hart, sich auch noch aufzuraffen und fürs Abi zu lernen", sagt Julia.

Dabei ist Deutsch das Fach, vor dem sie am meisten Angst hat. In anderen Bundesländern kann man beispielsweise ein Abitur in Mathe ausschließen. Könnte sie auch eines abwählen, wäre es Deutsch. "Ich finde es teilweise schon unfair, weil das Abitur an Hochschulen als gleichwertig angesehen wird", sagt die Abiturientin noch am Vorabend.

Vereinheitlichung nicht in Sicht

Das bayerische Abitur gilt als das schwierigste in ganz Deutschland. Dabei sind die Durchfallquoten in Bayern durchschnittlich. 2017 schafften hier laut der Kultusminister-Konferenz 3,5 Prozent der Schüler ihr Abitur nicht. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern waren es sieben.

Höchstadts Schulleiter Roland Deinzer relativiert aber: "Wichtiger wäre es, dass man guckt: Wo sind die Schwerpunkte dessen, was man lernen muss?" Jeder Schüler müsse sich für sein Abitur in jedem Bundesland anstrengen. Wenn es der höchste Schulabschluss in Deutschland ist, dann müsse das Abitur auch ein Qualitätsmerkmal sein. In den vergangenen Jahren habe man versucht, das Abitur immer weiter anzugleichen. Doch er glaubt nicht daran, dass es irgendwann ein deutschlandweit einheitliches Abitur geben wird: "Eine totale Vergleichbarkeit gibt es jetzt nicht und gibt es auch nicht in Bayern. Das ist etwas Erstrebenswertes, dem wir aber immer hinterherbleiben."

Das gute Gefühl danach

Rund zehn Stunden später steht Julia vor der Höchstadter Aischtalhalle. Die Schüler stehen in kleinen Grüppchen, unterhalten sich und spekulieren darüber, welche Texte drankommen könnten. Noch eine halbe Stunde haben sie Zeit, dann werden sie an ihrem Platz sitzen und ihre erste Abiturprüfung schreiben. "Ich habe Angst davor, dass ich die Aufgaben nicht verstehe", sagt Julia, die bisher fast durchweg gute Noten in der Schule hatte. Ihr Ziel für das Deutsch-Abi: mindestens fünf Punkte. Dann werden die Schüler in die Turnhalle gebeten, die Papierbögen liegen schon bereit, Tisch an Tisch reiht sich auf. Ganz vorne sitzen die Lehrer, die sie die nächstem 315 Minuten beobachten werden. Doch sie sprechen den 98 Abiturienten auch Mut zu. Kleine Glücksbringer liegen auf den Tischen neben Federmäppchen und Wasserflaschen.

Mehr als fünf Stunden später sind diese ausgetrunken, denn die erste schriftliche Abiturprüfung ist vorbei. "Es lief besser als erwartet, ich habe ein gutes Gefühl", sagt Julia kurz nach der Prüfung. "Ich bin jetzt ziemlich erleichtert und froh, dass es vorbei ist." Sie hat eine Dramenanalyse verfasst. Doch lange freuen konnte sie sich nicht, denn am Freitag stand bereits Mathe an. Nächste Woche schreiben die Abiturienten dann noch ihr drittes, frei wählbares, Fach, bevor sie noch zwei mündliche Prüfungen ablegen müssen. Die Ergebnisse bleiben aber bis zum Schluss geheim, alle Noten werden zusammen bekanntgegeben. Und dann kann Julia ihre Schreibtisch-Insel gegen eine reale Erholungsoase eintauschen.

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