Buch

Abfischen bei Buch: Drei Karpfen im Hechtteich

Die Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz machen beim Abfischen eines Weihers bei Buch nicht die erwartete Beute. Vor allem Raubfische zappelten in den Käschern.
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In den Körben landeten vor allem Hechte. Foto: Pauline Lindner
In den Körben landeten vor allem Hechte. Foto: Pauline Lindner
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Drei Dutzend Graureiher und ein Silberreiher stehen missmutig auf einer Wiese am Rande der Bucher Weiher. Sie sind ein Zeichen, dass in der Nähe etwas los ist: Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) fischt einen seiner Weiher ab. Wenn der Schlamm blank liegt, da fällt für mich was ab, weiß jeder Graureiher.

Aber Warten bei drei Grad plus ist nicht schön. Die Temperatur macht auch den Aktiven zu schaffen. Fast alle tarnen sich mit dicken Mützen, und unter den Wathosen haben sie mehrere Schichten angezogen. Alle sind per Du und agieren, als wäre die Fischerei ihr Beruf. Dabei ist selbst die Teichwirtschaft nur ein Teilaspekt, weshalb der LBV an den Bucher Weihern aktiv ist. Lebensraum für Wasservögel zu erhalten steht im Vordergrund. Offene Wasserflächen und Rückzugsmöglichkeiten im dichten Schilf brauchen die meisten Wasservögel.

Plötzlich ein seltsames Geräusch.
Sind das Laute der Schafe, die die Weiherdämme jahrein, jahraus pflegen? "Das ist eine Wasserralle", sagt Udo (Pankratius). Die Schafe haben sich nur vorsichtig und ganz leise genähert.
LBV-Kreisvorsitzender Michael (Bokämper) schaut am Mönch darauf, dass das Wasser zügig abfließt. Käscher, Körbe und Wannen stehen bereit. Aber es dauert noch eine Weile, denn in der Nacht hatte sich der Ablauf verstopft. Udo nutzt die Wartezeit zu einem Rundgang und holt bald die anderen nach. Er hat eine "Rupfung" gefunden, ein Häuflein Federn, als hätte eine Hausfrau Federwild bratfertig gemacht. Der Habicht hält es genauso, er mag sein Futter auch lieber ohne Federn, erfahren die Umstehenden, während Udo die Federüberreste anschaut.

Ihre Form und ihre Farbe, aber vor allem die untere Hälfte eines langen, spitzen Schnabels machen klar, der Habicht hat eine Wasserralle verspeist. "Sie sind hier in den Weihergebieten häufig, doch man sieht sie viel seltener als die Blässhühner, denn sie leben zurückgezogen im Schilf. Aber vorhin haben wir sie ja deutlich gehört", klärt Michael die wenigen Nicht-Vogelkundigen auf.

Jetzt ist es soweit, das Wasser steht nur mehr knietief. Bianca (Fuchs) und Wolfram (Schulze) sind die mutigsten und steigen mit Käscher und Korb gerüstet die Uferböschung hinunter. Ein Griff mit dem Käscher, und was Großes zappelt darin. Ein Karpfen, der gewiss mehr als drei Jahre auf dem Buckel hat. Michael hat derweilen drei mittelgroße Hechte gefangen.

"Wir haben etliche Schleien eingesetzt", sagt er und schaut etwas skeptisch auf die Hechte. Noch einen Spiegelkarpfen-Giganten, danach schon wieder mehrere Hechte bringen die Helfer am Ufer in die Wasserbottiche. "Das ist eine Schleie und das andere wohl eine Rotfeder", ruft Bianca nach außen, während sie den Käscherinhalt in den Korb umleert.

Aufmerksamkeit erregt dann ein Schuppenkarpfen, auch kein Jüngling mehr. Und die Hechte werden immer mehr. 20, 30, 40. Michael vermutet, dass sie als fingerlange Fischchen aus einem anderen Teich hereingeschwommen sind und sich an allen kleinen Fischen, vor allem den eingesetzten Schleine, gütlich getan haben. Und kräftig herangewachsen sind. Prachtburschen sind darunter, die bei einem Angeln dem Fischer einen Preis einbrächten. Kraft haben sie; mit Energie schlagen und drehen sie sich selbst noch im Bottich. Und etliche flutschen den Fischern auch beim Umleeren davon.

Im richtigen Moment krümmen sie sich zusammen und schnellen in der kleinen Lücke zwischen Netz und Behälter wieder ins Wasser. Diese Aktion sieht beeindruckend aus, vom Ufer aus; die im kalten Wasser finden es weniger schön, weil sie noch länger bleiben müssen.

Wolfram verrät dann auch das "Geheimnis" dieser blitzschnellen Reaktion der Fische. Sie haben hinter dem Gehirn eine spezielle Zelle, die das Kommando an alle Muskeln gibt. "Das sind die Mauthnerzellen. Sie steuern den Prozess, die Krümmung zu einem C und dann das Losschnellen mit aller Kraft", erklärt er. Er arbeitet am Lehrstuhl für Tierphysiologie an der Universität Bayreuth. Nicht große Hechte, aber Zebrafische werden dort für die Forschung zu Vorgängen in Gehirn und Nerven verwendet.

Deswegen hat er auch einen Angelschein. Die Prüfung erlaubt ihm auch das fachgerechte Töten von Fischen und damit eine Antwort auf die Frage: Wohin mit den vielen Hechten? "In den Kochtopf", waren sich etliche Anwesende einig.

"Erst mit einem Schlag auf den Kopf betäuben, dann das Nachhirn durchtrennen." Das ist nach Wolfram die richtige Art, Fische zu töten. Er langt ohne Zögern zu. "Nur so quält man Tiere nicht." Er schuppt die Hechte sogar noch grob ab, auswaiden ist ihm am Weiher-rand zu unhygienisch. Auch wenn er den wartenden Reihern gerne was gönnen würde, fällt deren "Brotzeit" doch eher mager aus, so ordentlich haben die Hechte unter den kleinen Beifischen in den Weihern aufgeräumt.

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