Er stammt vom Niederrhein, der Kinderpsychiater Johannes Wilkes. Bekannt geworden ist er in den vergangenen Jahren den Erlangern und den Bewohnern des Landkreises durch seine kenntnisreichen Sachbücher über eher versteckte Ecken der Region.

Zuletzt zeigte er den Einheimischen mit viel Sachkenntnis in seinem Buch "ERH entdecken", was es alles im Landkreis Erlangen-Höchstadt zu entdecken gibt. Um seine lokalhistorisch geprägten Sachbücher zu verlegen, hat Wilkes vor einigen Jahren einen eigenen Verlag gegründet. Das geschah eher unfreiwillig.

Nicht, dass die Bücher nicht von den Verlagen, die sich auf Lokalkolorit spezialisiert haben, abgelehnt worden wären. Der Grund war ein anderer: "Das Finanzamt hat mich darauf hingewiesen, dass ich nicht einfach ein Buch herausgeben kann", berichtet Wilkes über die Entstehungsgeschichte des Mönau-Verlags.
Um das steuerrechtliche Problem zu lösen, hat er sich damals für die Gründung des Verlags entschieden. Den Namen hat er von der Flur, die ihm sehr vertraut ist, am Stadtrand von Erlangen entlehnt.
"Das mit meinem Verlag war für mich recht günstig. Die Buchhandlungen in Erlangen habe ich selber am Weg zur Arbeit beliefert", erzählt Wilkes weiter.

Anderes Genre

Doch nun hat er die Pfade des Sachbuchs verlassen. Er hat einen Krimi geschrieben. Unter dem Oberbegriff "Erlangen Krimi" hat der Pro-Libris-Verlag in Kassel die Story "Ein Terrorist im Gepäck" verlegt.
"Das Ausliefern wäre mir zu aufwendig geworden", bekennt Wilkes, weshalb er sich fremder Hilfe bedient. Er setzt offenbar beim Krimi auf eine größere Reichweite, als er sie bisher angestrebt hat.

Und dazu gibt das Buch Anlass. Wilkes ist eine aberwitzige Story eingefallen, wie zwei Ingenieure im Vorruhestand - selbstverständlich waren sie in aktiven Zeiten bei dem in der Region ansässigen Weltkonzern beschäftigt - auf einer Nordseeinsel eine angeschwemmte Leiche finden.

Der Tote, so erkennen die zwei sofort, ist ein weltweit bekannter und gesuchter Terrorist. Ein Fund, aus dem man Kapital schlagen kann, das ist den Männern sofort klar. Die Presse muss informiert werden. Oder noch besser: Die Angehörigen werden gewiss eine Art Lösegeld zahlen, um den Leichnam bestatten zu können. Doch manche Adressen stehen nicht so einfach im Internet.

Zwischenlager Tiefkühltruhe

Da der Urlaub zu Ende geht, beschließen die zwei Ingenieure, die Wasserleiche in die fränkische Heimat mitzunehmen und sie in der Tiefkühltruhe der etwas dementen Tante zwischenzulagern. Und dann geht es mit den Zwischenfällen erst so richtig los. Zum Schmunzeln.

Ein Lächeln ins Gesicht zaubern beim Lesen immer wieder die Personenbeschreibungen. Unzweifelhaft ist Wilkes, seit er sich in Franken niedergelassen hat, der Gattung Siemens-Ingenieur oft und oft begegnet: dem wagemutigen, schnellen Typ und dem, dem die heilige Ordnung und die gewissenhafte Mehrfach-Prüfung ein Lebenselixier sind.
Zwei solche Kontrapunkte haben sich durch die Baustellen dieser Welt gekämpft und nehmen in Wilkes Buch den Kampf um ein Milliönchen auf.

Das Fränkische zieht sich durch

Mit dem Geld wollen sie sich ihren Lebenstraum, ein Segelboot auf dem Brombachsee, erfüllen. Jacketkronen für die Ehefrau und vielleicht ein größerer Wohnwagen wären auch noch toll, träumen die beiden, während die Ehefrauen ein traditionelles Schäuferla zubereiten.

Welterschütternd

Wilkes spielt amüsant mit spießbürgerlichen Lebensträumen und einem Ereignis, das - hätte es es wirklich gegeben - die Welt erschüttert hätte. Ein liebevoller Blick auf den Franken und seine Eigenarten, insbesondere seine technisch versierte Spezies, begleitet den Leser durch das ganze Buch.