Adelsdorf

Ab in den Schredder? Fränkische Kleinbrauereien kämpfen um ihre Kästen

Die Bierbrauer haben das Problem, dass immer weniger Leergut zu ihnen zurück kommt. Einzelne Kunden nehmen es mit dem Pfand nicht so genau. Das größere Übel: Manche Handelsketten schreddern lieber Kästen, als sie zurückzugeben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vermissen  öfter mal Leergut:  Hans-Günter  Wirth und sein Vater Benno Wirth  vom Neuhauser Löwenbräu wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig das Mehrwegsystem gerade für kleine Brauereien ist. Hauptübel seien Handelsketten, die sich nicht an die Regeln halten.  Foto: Christian Bauriedel
Vermissen öfter mal Leergut: Hans-Günter Wirth und sein Vater Benno Wirth vom Neuhauser Löwenbräu wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig das Mehrwegsystem gerade für kleine Brauereien ist. Hauptübel seien Handelsketten, die sich nicht an die Regeln halten. Foto: Christian Bauriedel

8 Cent für die Bierflasche, 1,50 Euro für den leeren Kasten: Verglichen mit PET-Flaschen, für die der Kunde bei der Rückgabe 25 Cent zurückbekommt, herrschen auf dem Markt für Bier-Leergut quasi Dumpingpreise.

Für die Bierbrauer ist das Pfandsystem zum Reizthema geworden. "Das Thema Leergut wird immer schlimmer", sagt etwa Hans-Günter Wirth vom Löwenbräu in Neuhaus. Seit längerem sei ein gewisses Stocken beim Rücklauf spürbar. "Der Schwund nimmt zu", so Wirth. Auch Ingo Sauer, sein Kollege von der Brauerei Blauer Löwe in Höchstadt, kennt das Problem: "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer."

Doch woran liegt das? "Es klappt ja im Großen und Ganzen", betont der Neuhauser Wirth. Die meisten Kunden gäben ihr Leergut nach wie vor dort wieder zurück, wo sie ihren Kasten Bier gekauft haben. Das sei ja auch der große Vorteil des regionalen Marktes. Das Hand-in-Hand zwischen Brauer und Kunde im "Bierland Franken", es funktioniere noch.

Doch es verschwinden immer häufiger Kästen irgendwo im Pfandsystem. Ein Teil durch Touristen oder Durchreisende, die hier einkaufen. Diese Kisten finden ihren Weg nicht mehr zurück zum Ursprung.

Andere Kunden lassen sich mit der Rückgabe Zeit, bis in Keller oder Garage ganze Kästentürme verstauben. Einzelne werfen die Kästen gar gleich auf den Müll. Erst neulich habe er eine seiner Bierkisten in einem Container auf dem Medbacher Wertstoffhof entdeckt. Für Wirth ein Ärgernis.

Denn den Brauern bleibt nichts anderes übrig, als fehlende Kästen nachzukaufen. 8,50 Euro koste ihn ein nagelneuer Kasten inklusive Flaschen, rechnet Wirth vor. Von den 3,10 Euro Pfand ist das nicht kostendeckend zu finanzieren. "Das ist eine teure Angelegenheit", sagt auch Sauer vom Blauen Löwen in Höchstadt.

Verlust geht in die Zehntausende

Bei der Familienbrauerei Rittmayer in Hallerndorfhat der Schwund beim Leergut zusammen mit einer steigenden Quote an "Fremdglas" ein Loch von über 100.000 Euro gerissen. Das sagt Brauereichef Georg Rittmayer. Als Präsident des Verbands der bayerischen Privatbrauereien schlägt er Alarm. Das größte Problem sieht er bei manchen Lebensmittelketten.

Fremdkästen ab in den Schredder

Eigentlich dürfe ein Super- oder Getränkemarkt nur Kästen annehmen, die er auch im Sortiment führt. Doch es gebe schwarze Schafe. Nur um sich Kunden in den Laden zu ziehen, würden deren Pfand-Automaten jeden Kasten annehmen; alles, auch sortimentfremde Kästen, die der Kunde vorne reinschiebt, nichtsahnend und im Glauben: Der Kasten wird schon zurück zur Quelle gelangen. Doch bei den Klein-Brauereien landen diese dann nicht mehr.

Eine Weitergabe an die Tauschzentren lohne sich für den Handelskonzern nicht. Die Folge: "Fremdkästen" würden gesammelt und dann von einem Verwerter abgeholt. Zum Schreddern. Der Verwerter zahle noch einen Euro pro Kiste.

Einwandfreie Kisten, die noch lange benutzt werden könnten, werden zu Plastik-Granulat, weil einzelne Handelskonzerne die Regeln bei der Pfandabgabe nicht einhalten. "Eine massive Wertevernichtung für die Brauereien. Dazu Diebstahl", sagt Rittmayer. Denn die Kästen seien ja nach wie vor Eigentum der jeweiligen Brauerei. "Eine Vernichtung von Ressourcen. Die Wertschätzung ist einfach zu gering", sagt Benno Wirth, Senior-Brauer der Neuhauser Löwenbräu.

Das Problem besteht bayernweit. Der Verband der Privatbrauer wird daher aktiv. Kürzlich wurde ein Arbeitskreis gegründet, der ein Positionspapier erarbeitet. Einen Termin beim bayerischen Umweltminister habe man bald, sagt Rittmayer. "Wir kämpfen dafür, dass der Pfandsatz steigt und das Mehrweg-System gestärkt wird."

30 Cent Pfand pro Bierflasche?

Verbandspräsident Rittmayer kennt die disziplinierenden Maßnahmen. Er fordert: Nicht mehr 8 Cent Pfand pro Flasche sondern 30 Cent. Dazu auf alle Flaschen, egal ob Bügel- oder Normalflasche, den selben Pfandsatz. "Würde der Pfandsatz erhöht, würde sich das Schreddern nicht mehr lohnen."

Rittmayer fordert hier gleiches Recht wie bei den PET-Flaschen. Wieso sollten diese mit 25 Cent Pfand versehen sein, wenn sie doch gleich im Automaten gepresst werden? Rittmayer spricht von "Plastikbeuteln mit Schraubgewinde".

Dass das Erheben von Pfand wirkt, erfährt Wirth vom Neuhauser Löwenbräu zur Zeit ganz praktisch. Erst seit Januar gibt es dort auf Fässer, die Kunden direkt bei der Brauerei abholen, ein Pfand von 30 Euro.

Bisher habe man darauf verzichtet. Doch oft habe man Fässern, die für Grill- oder Geburtstagspartys geholt worden waren, hinterhertelefonieren müssen. Teils habe man acht Wochen warten müssen - für den Brauereiablauf alles andere als hilfreich. "Seitdem wir das Pfand haben, bringen alle ihre Fässer innerhalb von wenigen Tagen zurück", sagt Wirth.

Fehlende Kästen und Flaschen: Beim Brauhaus Höchstadt sieht man's gelassen. "Einen gewissen Schwund hat man immer", sagt Brauerei-Senior Baptist Ackermann. Doch auch beim Brauhaus hat man reagiert: Seit Herbst zahle erstmals auch der Direktabholer-Kunde in der Brauerei auf seinen Bierkasten ein Pfand. Spätestens seitdem vermisse man so gut wie kein Leergut mehr.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren