Niederndorf
Reise

Zwei Niederndorfer Senioren unterwegs

Cote d´Azur - Provence - Languedoc. 1750 km in drei Wochen. Die Niederndorfer Georg und Heiner Seeberger radelten durch Südfrankreich und zurück nach Deutschland.
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Georg (l.) und Heiner Seeberger im Lavendelfeld Fotos: privat
Georg (l.) und Heiner Seeberger im Lavendelfeld Fotos: privat
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Sport und Urlaub, das lässt sich für viele Leute kaum vereinbaren. Für Georg und Heiner Seeberger aber schon. Seit 2005 nehmen sich die beiden abenteuerlustigen Rentner, die übrigens keine Verwandten sind, jährlich eine Radtour vor. So folgten sie schon der Donau durch Europa oder fuhren bis nach Venedig. In diesem Sommer führte sie ihre Reise durch ganz Südfrankreich und zurück in die Heimat Herzogenaurach. Insgesamt 1750 Kilometer in drei Wochen. Für die Reise trainieren müssen die beiden übrigens nicht, so fahren sie doch das ganze Jahr überwiegend Rad und sind seit 25 Jahren im Turnverein Herzogenaurach als Triathleten aktiv.
Gestartet sind die beiden in Nizza. Dorthin flogen sie noch mit dem Flugzeug, doch gleich am nächsten Tag ging die Reise per Rad weiter. Der Grand Canyon du Verdon, der etwa 1000 Meter tief ist, stellte den ersten Höhepunkt dar.
Tiefe Schluchten und Bergsteiger ohne Sicherung beeindruckten den 69-jährigen und den 72-jährigen. Den Canyon überquert, erreichte sie das mediterrane Klima in Castellane. Dort warteten der türkisgrüne Stausee, kleine Palmen, schattenspendende Platanenalleen und Ginsterbüsche, die einen starken Duft verbreiteten.
Auch die deutsch-französische Freundschaft wurde auf der Reise gepflegt, so trafen sich die beiden Radler mit Freunden aus der westfranzösischen Partnerstadt Herzogenaurachs. Diesmal allerdings nicht in Ste-Luce-sur-Loire, sondern auf einem Campingplatz in Greoux. "Das war schon im Mai ausgemacht", stellt Heiner Seeberger klar. Nach ein paar Tagen fröhlichen Zusammenseins und vielen Ausflügen trennten sich die Freunde wieder, um ihre Reise fortzusetzen.
Der Weg führte sie weiter durch Lavendelfelder und kleine Dörfer wie Roussillon. Frankreich hat den Ockerpfad Roussillons 2002 in die Liste der Naturdenkmäler des Landes aufgenommen. Dieser Pfad führt durch ockerfarbene Felsen und Hügellandschaften mit beeindruckenden Formationen und Farbnuancen.
Umso westlicher die Route sie führte, umso stetiger nahmen die Tagestemperaturen zu und frühsommerliche 25 bis 30 Grad erschwerten die Tagesetappen zunehmend. Doch davon ließen sich die Freunde, die sich schon seit 25 Jahren kennen, nicht entmutigen und fuhren fleißig weiter. Ihre nächste große Etappe war Arles. Die französische Stadt mit römischen Erbe bietet viele Sehenswürdigkeiten wie die Kirche St. Trophime oder wie das Amphitheater, das fast 2000 Jahre alt ist. 20 000 Menschen fanden damals Platz im Theater. Schon Van Gogh nahm Arles 1880 als Kulisse einige seiner Kunstwerke wie "Das Nachtcafe", "Das Gelbe Haus" und "Die Brücke von Langlois".

Weiße Pferde, schwarze Stiere

Die Stadt bietet aber nicht nur architektonische Sehenswürdigkeiten, sondern hat auch einen Nationalpark ganz in der Nähe. Der bietet sowohl landschaftlich als auch tierisch einiges. So gibt es dort das größte Reisanbaugebiet Europas, aber auch Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere zu bewundern.
Die Pont du Gard war das nächste lohnenswerte Monument in der Etappe. Ein Aquädukt, das 800 m über den Gard reicht und das seit fast 2000 Jahren. Einst floss über den Pont du Gard das Wasser von Uzes aus nach Nimes, heute ist es vor allem ein Touristenmagnet.
Der nächste Stopp auf der Karte Südfrankreichs war Avignon. Avignon war einmal die Hauptstadt der Christenheit. Im 14. Jahrhundert residierten sieben Päpste im Palais des Papes, dem Papstpalast der Stadt, bis sich Papst Gregor XI. zur Rückkehr nach Rom entschloss. Dieser Palast besticht auch heute noch allein mit seiner Größe. Und auch sonst finden die Abenteurer Georg und Heiner die Stadt beeindruckend. Vor allem da zu der Zeit zufälligerweise eine Feier zur Sonnenwende stattfand und die Stimmung in der Stadt besonders ausgelassen war.
Nach der Stadtbesichtigung von Orange fuhren sie an der Rhone entlang, bis sie zufällig auf das Schild "Grottes de Saint Marcel d´Ardeche" treffen. "Wos maanst, schau mer sie die Grottn oh?", fragte der eine Seeberger den anderen. Kurz entschlossen bekamen sie eine 45-minütige Führung in deutscher Sprache durch die 14 Grad angenehm kühle Grotte. Zehn bis fünfzehn Meter hohe, baumdicke Stalaktiten hängen von der Decke. Sechs Kilometer lang und 100 Meter tief führt sie an fantasievollen Gebilden und einem glasklaren See vorbei.
Doch bald ging es schon wieder an Pfirsichplantagen vorbei in Richtung Lyon. Dem Tipp eines einheimischen Radfahrers folgend machten sie sich auf, der D315 zu folgen, die direkt an Weinhängen vorbei durch Lyon führte. Doch Zeit für einen längeren Aufenthalt blieb nicht.
Im Mai diesen Jahres war Georg Seeberger ohne seinen langjährigen Freund mit dem Fahrrad nach Taize gefahren. Das wollten sie diesmal zusammen wiederholen. In Taize hat sich ein ökumenischer Orden zusammengetan, der besonders junge Menschen anspricht. Die Stadt entwickelt sich deshalb zu einer regelrechten Zeltstadt. Aus diesem Grund gibt es in diesem Ort kaum Hotels und die Seebergers waren gezwungen, sich in einem Sechs-Bett-Zimmer niederzulassen. Dafür wurden sie von der besonders angenehmen und emotionalen Atmosphäre der vielen Menschen sowohl in der Kirche als auch im Alltag überrascht.
Ein paar Tage später fuhren die Seebergers schon wieder über die Grenze nach Deutschland und feierten, zusammen mit einem Freiburger Radfahrer, ihre Ankunft erstmal zünftig mit einem Bier. Ab Freiburg machte ihnen der Regen für die restlichen Tage einen Strich durch die Rechnung, so dass sie sich gezwungen sahen, von Donaueschingen mit dem Zug nach Erlangen zurückzufahren und die Reise ein paar Tage früher als geplant zu beenden.
Auch ihre Frauen waren erstaunt, ihre Männer früher als erwartet zurückzubekommen. "Wos, heit kummt ihr scho hamm? Heiner, i bin grod beim Marmelad einkochen." In der Heimat ist es doch am Schönsten.

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