Herzogenaurach

Zeltkirche steht offen für alle Gläubigen

Etwa 700 Mitglieder des Freikirchlichen Missionswerks Zion - C hristliche Sinti Mission sind zum Pfingsttreffen nach Herzogenaurach gekommen. Zwei Wochen lang feiern sie Gottesdienste, erneuern alte Freundschaften und verbringen hier ihren Familienurlaub.
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Musikalisch gestaltet werden die Gottesdienste des Freikirchlichen Missionswerks Zion vom Gospelchor. Zwei Wochen lang campieren rund 700 Gläubige bei ihrem Pfingsttreffen neben dem Adidas-Outlet. Fotos: R. Sänger
Musikalisch gestaltet werden die Gottesdienste des Freikirchlichen Missionswerks Zion vom Gospelchor. Zwei Wochen lang campieren rund 700 Gläubige bei ihrem Pfingsttreffen neben dem Adidas-Outlet. Fotos: R. Sänger
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Es ist eigentlich schon ein Dorf, das da seit einigen Tagen auf der großen Wiese hinter dem Adidas-Outlet steht. Passanten könnten es für einen großen Campingplatz halten. Nur ein Detail will so gar nicht ins Bild passen: Das große Zelt, direkt an der Einfahrt, auf dem ein weißes Kreuz prangt.

Bis nächsten Montag treffen sich dort nahezu 700 Menschen, Mitglieder der Freikirche Missionswerk Zion - Christliche Sinti Mission (CSM) zu einer Konferenz. Die Mitglieder überwiegend Sinti. Sie sind aus ganz Deutschland angereist und wollen gemeinsam beten, Gottesdienste feiern und über ihren Glauben reden. Wer dabei sein wolle, sei herzlich eingeladen sagt Pastor Rubeli.

Die Pfarrer der heimischen Kirchen würden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, nahezu 600 Menschen drängten zum Abendgottesdienst in die Zeltkirche.
Das Missionswerk ist eine evangelische Freikirche, die zu Pfingsten und im August Missionskonferenzen wie jetzt in Herzogenaurach hält.

Beppi Schopper, der das Treffen in Herzogenaurach organisierte, erklärt den Ablauf: "Wir werden täglich um 20 Uhr, am Sonntag um 18 Uhr, einen Gottesdienst in unserem Kirchenzelt halten." Sie würden sich freuen, wenn auch Einheimische zu den Zeltgottesdiensten kämen.

Die Sinti wollen sich nicht abkapseln. Im Gegenteil: "Ziel ist, die Gemeinschaft zu pflegen im Namen von Jesus Christus." Untertags finden vor allem Kinderstunden statt, werden Frauen- oder Bibelkreise gebildet und Jugendversammlungen gehalten. In den Abendgottesdiensten werden Gospels gesungen und das Evangelium verkündet.

Pastor Rubeli ist es wichtig, Vorurteilen zu begegnen: "Wir laden jeden ein, offen auf uns zuzugehen und uns Fragen zu stellen. "Das Treffen zu Pfingsten und eine Zusammenkunft im August sind alljährlich zentrale Treffpunkte der Gemeinden."

Diese zwei Wochen sind für viele der Anwesenden ihr Ferienaufenthalt. "Wir Sinti reisen gern, da sind diese zwei Wochen mit dem Caravans eine schöne Lösung", sagt eine Frau unter dem Vorzelt ihres Wohnwagens. "Außerhalb der Sommerferien sind die meisten ja beruflich gebunden und die Kinder müssen zur Schule."

Hier tauschen sie sich aus, treffen alte Bekannte und feiern Gottesdienste in der Zeltkirche. "Bei uns geht es sehr lebendig zu, wir haben einen Gospelchor und einzelne Gläubige berichten von ihrem Weg zum Glauben", erzählt Schopper.

Willkommen sind alle Konfessionen: "Gott ist nicht evangelisch oder katholisch, er ist auch nicht freikirchlich. Wir wollen einfach die frohe Botschaft des Christentums vermitteln, dass Gott die Menschen liebt."
Die theologische Ausrichtung? "Wir haben die Bibel als Fundament, denn ein Haus braucht ein gutes Fundament." So sagt es Pastor Rubeli. Im selben Atemzug fügt er hinzu, dass es sich hier nicht um Fundamentalismus handelt. "Das Wort ist ja sehr in Misskredit geraten."

Das Missionswerk fühle sich "mit allen ernsthaften Christen" verbunden". So unterscheide sich der zweistündige Gottesdienst stark von den gewohnten traditionellen Gottesdiensten der Kirchen. Der Gottesdienst ist sehr lebhaft, es wird viel gesungen, geklatscht, und die Ansprachen sind sehr emotional. Die Gläubigen antworten auch spontan, wenn der Pastor dazu auffordert, Gott zu lieben mit ganzem Herzen und der Seele. Mit: "Kommt alle und lasst Gottes Wort auf euch wirken und die ganze Erde bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinen Namen", lädt der Pastor in die Zeltkirche ein und die Menschen strömen ins Zelt; weitere Stuhlreihen müssen aufgestellt werden.

Etwa 60 000 Sinti leben in Deutschland, die meisten von ihnen sind sesshaft und rund 5000 von ihnen sind dem "Missionswerk Zion" mit Sitz in Saarlouis zugehörig. Die Treffen im Mai und August sind nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern müssen organisiert werden, und auf der großen Wiese ist Disziplin oberstes Gebot. Deshalb appelliert der Pastor im Gottesdienst schon mal, dass weder die Gassen zwischen den Wohnwagen befahren werden, noch Autos abgestellt werden dürfen, mit Ausnahme von Teilnehmern mit Handicap.

Die Stadt installierte eine Wasserversorgung und neben den Wohnwagen wurde ein Parkplatz ausgewiesen, auf dem auch Abfall-Container aufgestellt wurden.

Die Gläubigen aus ganz Deutschland fühlen sich in Herzogenaurach sehr wohl, erkunden die Stadt, gehen einkaufen und bummeln.


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