Höchstadt
Kunst

Wildkatze lässt die Hüllen fallen

Die "Burlesque Beauties" präsentierten Tanz, Gesang, Comedy und nackte Haut in der Höchstadter Kulturfabrik.
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Gil Tonic flirtet mit dem Publikum, um sich dann ihrer Hüllen zu entledigen. Fotos: Evi Seeger
Gil Tonic flirtet mit dem Publikum, um sich dann ihrer Hüllen zu entledigen. Fotos: Evi Seeger
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Für Feministinnen dürfte das der blanke Horror sein: "Sweet Chili" windet sich lasziv aus ihrem Käfig. Mit katzenhaften Bewegungen räkelt sie sich zu ihrem Futternapf. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf: Wer wird hier domestiziert - die Wildkatze oder der Zuschauer?


Die "Burlesque Beauties" der Nürnberger Roten Bühne zu Gast in der Provinz! Und das nicht zum ersten Mal. Was Reinhard Grasse vom Höchstadter Kulturverein Akku als "die attraktivste Form des textilen Rückzugs" bezeichnet, amüsierte das Publikum in der Fortuna Kulturfabrik köstlich. Und es schien nicht so, als ob sich die Höchstadter nicht trauten, eine solche Show zu besuchen, wie Grasse eingangs sagte. Auffallend war jedoch, dass es die Generation 40, eher noch 50plus und dazu meist Paare waren, die sich diesen Spaß genehmigten. Gehen die Älteren einfach entspannter mit dem Thema Erotik um als die heutige Computer-Generation?


Mal ehrlich: Gemessen an dem, was tagtäglich in den Medien und Videos an Sex und Horror geboten wird, ist die Show der reinste Kindergeburtstag. Und - sie geht sogar als Kunst durch. Tanz, Gesang, Comedy und Erotik bilden zusammen eine Kunstform, die es nicht mehr so häufig gibt. Mit Striptease hat das nur noch im Entferntesten zu tun. Natürlich haben die vier Beauty-Ladys aus Nürnberg am Ende ihres Auftritts meist nur noch wenig Textiles am Leib. Aber der Weg bis dahin ist elegant und stilvoll. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!


Dem Höchstadter Kulturverein war es gelungen, mit kleinen Tischen und Kerzen im Fortuna-Saal ein intimes Ambiente zu schaffen. Als Moderator Leopold Lobkowicz von Hassenstein führte Philipp Hofmann mit viel Wiener Schmäh durch den Abend. Er stimmt das Publikum ein, damit es seine Schönheiten mit vielen Aahs und Oohs auf Touren bringt.
Bis hin zur Akrobatik steppen und tanzen seine " bezaubernden Katzerln", was das Zeug hält. Sie singen und flirten am "Catwalk" mit dem Publikum. Wenn sie sich "entblättern", dann immer mit einem Augenzwinkern. Das erotische Früchtchen "Dixie Dynamite" zum Beispiel, die sich als Banane nach allen Regeln der Kunst aus ihrer Schale pellt.

Hinter den fantasievollen Namen Dixie Dynamite, Sweet Chili, Fleur d'Amour und Gil Tonic verbergen sich Silvia Plankl und Julia Kempken. Julia Kempken ist die Chefin der Truppe, sozusagen "die Mama Burlesque".
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