Bösenbechhofen an der Aisch
Pläne

Wieviel Naturschutz macht Sinn?

Um die Weiherkette bei Bösenbechhofen wird noch gestritten.
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Thomas Kropf macht sich Sorgen. Der junge Familienvater aus Frensdorf ist Fischwirtschaftsmeister und ernährt seine Familie mit der Teichwirtschaft. Er züchtet und verkauft Speise- und Satzfische. Dafür braucht er Weiher, die er unter anderem vom Grafen von Schönborn gepachtet hat. Durch die geplante Ausweisung eines Naturschutzgebietes droht ihm jetzt ein Teil seiner Existenzgrundlage entzogen zu werden.

Konkret geht es um die Weiherkette nördlich von Bösenbechhofen. Hier bewirtschaftet Kropf elf Teiche mit einer Fläche von über zehn Hektar - "etwa ein Drittel meines gesamten Betriebs", rechnet er hoch. Seit 2008 bewirtschaftet er diese Teiche nach der so genannten "guten fachlichen Praxis". Jetzt drohen ihm Auflagen, weil die Regierung von Mittelfranken hier ein Naturschutzgebiet ausweisen will. Für Kropf wären vier Teiche mit über der Hälfte der Gesamtfläche betroffen.


Unter Naturschutz gestellt werden soll die "Weiherkette nördlich Bösenbechhofen". Das 23 Hektar große Gebiet ist bereits "einstweilig sichergestellt" und wurde mit einer Veränderungssperre belegt. Die vielfältigen dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sollen durch extensive Bewirtschaftungsformen gesichert werden.

Seit Mitte der 90er Jahre ist die Weiherkette bereits als europäisches Schutzgebiet (FFH-Gebiet) ausgewiesen, erinnert sich Hans Leuchs, Sachgebietsleiter Umwelt am Landratsamt in Höchstadt. Dadurch seien Landratsamt und Naturschutzbehörden verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es sich nicht verschlechtert.

Jahrelang habe man mit dem Eigentümer der Weiherkette verhandelt und ihm ein Vertrags-Naturschutzprogramm angeboten, allerdings ohne Erfolg, sagt Leuchs. Um das Gebiet zu sichern, habe die Regierung im vergangenen Frühjahr die Veränderungssperre erlassen.

Kein Verständnis


Damit wird jetzt Fischwirtschaftsmeister Kropf konfrontiert. Der Fachmann in Sachen Karpfenzucht hat kein Verständnis dafür, wenn ihm künftig beim Besatz der Teiche Stückzahlen und Arten der Fische vorgeschrieben werden, wenn keine uneingeschränkte Kalkung mehr möglich ist und wenn die Abfischtermine für jeden Teich mindestens eine Woche vorher der Unteren Naturschutzbehörde schriftlich mitgeteilt werden müssen. "Dann rechnet sich das Ganze nicht mehr", stellt Kropf nüchtern fest.

Überhaupt fragt sich der Teichwirt, ob die zu schützenden Tiere und Pflanzen nicht gerade wegen der Form der Bewirtschaftung da sind, die er seit vier Jahren praktiziert. Bei einer Bewirtschaftung unter Vertragsnaturschutz-Bedingungen würde der Teichwirt eine Ausgleichszahlung für geringeren Besatz erhalten. Für Kropf habe das aber nichts mit einer "traditionellen, ordnungsgemäßen, der guten fachlichen Praxis entsprechenden" Teichbewirtschaftung zu tun.

Thomas Kropf stellt sich auch die Frage, ob es sinnvoll ist, öffentliche Gelder für Unterhaltsmaßnahmen an Karpfenweihern auszugeben, die der Teichwirt bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung auf eigene Kosten erledigen würde. Dazu zählt er die Schilfmahd und das Pflegen von Zu- und Ablaufgräben.

Unterstützung bekommt Kropf von Walter Jakob aus Mühlhausen. Der Obmann der mittelfränkischen Teichwirte war von der Regierung um eine Stellungnahme gebeten worden - und die fiel eindeutig aus. Der Fischereiverband lehnt die Ausweisung der Weiherkette zum Naturschutzgebiet ab.

Jakob ist überzeugt, dass das Gebiet seinen jetzigen Charakter und seine Schutzwürdigkeit "ausschließlich durch die Bewirtschaftung der Teiche durch Teichwirte erhalten hat". Die Ausweisung als europäisches Schutzgebiet mit dem Verschlechterungsverbot reiche völlig. Mit Blick auf die öffentlichen Finanzen fragt sich Jakob, ob zusätzliche, entschädigungspflichtige Auflagen mehr bringen sollen als die bisherige gute fachliche Bewirtschaftung.

Vertrauensverlust


"Die Teichwirte trauen keinem mehr vom Naturschutz", stellt Jakob fest, nachdem die Bösenbechhofener Weiher vor Jahren als FFH-Gebiet ausgewiesen worden waren mit der Maßgabe, dass sich daran nichts ändert. Wenn so wie in Bösenbechhofen agiert werde, lasse kein Teichwirt mehr etwas Schützenswertes stehen, fürchtet Jakob. "Dem Teichwirt, der naturfreundlich wirtschaftet, werden Knüppel zwischen die Beine geworfen."

Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) sucht nach einer Lösung, die die Teichwirtschaft nicht beeinträchtigt und die alle befriedigt. Der Bürgermeister sitzt im Planungsausschuss der Region 7 und dort wird über das Naturschutzgebiet auf höchster politischer Ebene debattiert. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Brehm: "Es wird noch verhandelt."
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