Klara P. aus Nürnberg will gern schnell an ihr Ziel gelangen. Gelegentlich ist sie zwischen Weisendorf und Hannberg unterwegs. Auf Höhe des Weilers Reinersdorf ist eine Bushalte stelle und deshalb die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer beschränkt. Darauf achtet Klara. Dabei ist ihr völlig entgangen, dass auch auf der Strecke nach dem Ortsausgang Weisendorf die Geschwindigkeit beschränkt wurde. Dieser Fehler hat ihr drei Punkte in Flensburg eingebracht. Und könnte ein Fahrverbot nach sich ziehen, falls sie innerhalb eines Jahres nochmals zu schnell fahrend ins Visier eines messenden Polizisten gerät.

"Ich würde schon gerne vor Fahrtantritt wissen, wo auf lokaler Ebene geblitzt wird", sagt sie. Über Radiosender würden ja bei weitem nicht alle "Radarfallen" angesagt. Was übrigens vor einiger Zeit noch anders war. "Es gab eine Offensive des Ministeriums. Da haben wir die Messorte den Sendern direkt mitgeteilt", sagt Polizeipressesprecherin Elke Schönwald.

Klara P. erhielt von Bekannten den Rat, sich doch via Facebook über Radarfallen kundig zu machen. Gesagt, getan. Nur: Die Ausbeute war recht mager. Sie fand zwei örtlich leidlich passende Seiten. Die eine - zu finden unter dem Stichwort "Blitzer in Erlangen" - enthält nur Meldungen aus dem Stadtgebiet Erlangen. 264 Personen klickten bislang den Button "gefällt mir" an. Die andere - gegenblitz.de (die Bildergalerie für Franken und den Vogtlandkreis) - stellt Fotos von Fahrzeugen ins Netz, von denen aus gemessen wird. Zum Beispiel einen grauen Caddy, dessen Nummernschild unkenntlich gemacht ist. "Was soll das nützen? Es fahren doch viele solche Autos rum", meint Klara. Und offenbar nicht nur sie, denn nur 94 Usern gefällt diese Seite.

Eine Anfrage bei der Polizei ergab: Sie benutzt keine grauen Caddys. "Sie könnten der Firma gehören, die für die Stadt Erlangen die Verkehrsüberwachung durchführt", meint Jürgen Schmeißer, Höchstadts Polizeichef. Er findet es gut, dass nun auch Leute über Facebook vor Radarfallen gewarnt werden. Denn für ihn ist das längerfristige Ziel der Messaktionen, Autofahrer daran zu erinnern, dass man an gefährlichen Stellen langsam fahren sollte. Und so wirken seiner Meinung nach auch Radiomeldungen und Facebook- und Internetseiten, selbst wenn man nicht an der angesagten Stelle vorbeikommt.

"Das widerspricht der Verkehrsüberwachungsphilosophie - meiner eigenen wie der der bayerischen Polizei", reagierte er sofort, als er mit Internet-Fotos aus Mecklenburg-Vorpommern konfrontiert wurde, die Radarmessgeräte gut verborgen unter Tarnnetzen zeigen. "Wir stellen in der Nähe einer Messstelle immer ein ,uniformiertes' Polizeifahrzeug auf." Uniformiert heißt bei ihm ein grünweißes Auto mit Blaulicht und so weiter.

Wie aktuell ist die Mitteilung?


Sebastian aus Hamburg betreibt die Blitzer.de-Seiten deutschlandweit. Das ist sicher ein Vorteil für weite Fahrten. Seit zehn Jahren betreibt er die Seiten. "Radarfalle.de ist ein Downloadportal für Navigationsgeräte", erklärte er. Und: "Die App-Entwicklung für Smartphones und die Webseite www.Blitzer.de sind eine konsequente Weiterentwicklung unserer Geschäftsidee."

Bleibt immer noch ein Punkt zu diskutieren, sagte Klara P. ihren Freunden: die Aktualität. Tagealte Meldungen füllten die Seiten und auch solche Flops: Um 17 Uhr meldete jemand auf Facebook, dass am Ausgang eines Dorfes gemessen wird, und wahrscheinlich die selbe Person schrieb keine halbe Stunde später: "Bin nochmal vorbei gefahren, sind schon weg."

"Die Laserpistole macht's möglich", würde ihr Schmeißer antworten. Messungen mit ihr brauchen praktisch keine Vorlaufzeit. Allerdings muss die Messstrecke relativ gerade sein, damit die vorbeifahrenden Autos einige Sekunden lang im Messstrahl liegen.