Weisendorf

Weisendorf auf dem Weg in die Schuldenfreiheit

Der Markt Weisendorf profitiert immer noch von einer Entscheidung, die der damalige Gemeinderat 1993 getroffen hat.
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Auf dem Parkplatz des Waldfriedhofs (linker Bildrand) wird eine Buswendeanlage errichtet, gleichzeitig wird der Fuß- und Radweg, der bisher dort endet, bis noch Reuth weitergeführt. Foto: Richard Sänger /Archiv)
Auf dem Parkplatz des Waldfriedhofs (linker Bildrand) wird eine Buswendeanlage errichtet, gleichzeitig wird der Fuß- und Radweg, der bisher dort endet, bis noch Reuth weitergeführt. Foto: Richard Sänger /Archiv)
Der Markt Weisendorf ist eine der wenigen Kommunen im Landkreis, die das Jahr 2017 mit einem genehmigten Haushalt beginnen wird. In der letzten Sitzung des Marktgemeinderates im Jahr 2016 wurde der Haushalt 2017 mit drei Gegenstimmen verabschiedet. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen verweigerte die Zustimmung ebenso wie Karoline Schmidt (BWG/FW).
Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) bezeichnete in seiner Rede die Haushalts-, Finanz- und Wirtschaftslage des Marktes Weisendorf als äußerst zufriedenstellend. So würden sich die wichtigsten Kennzahlen des Haushalts (Zuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt, Entwicklung der Schulden, Entwicklung der Rücklagen) durchwegs positiv darstellen. "Der 2007 eingeleitete Schuldenabbau konnte über die Jahre hinweg kontinuierlich weiterverfolgt werden, im Laufe des Jahres 2018 können die noch verbliebenen Darlehen vollständig zurück bezahlt werden", betonte der Bürgermeister.
Die Pro-Kopf-Verschuldung Ende 2016 liegt bei sechs Euro, sie ist damit wesentlich unter dem Landesdurchschnitt gleich großer Gemeinden, der 764 Euro beträgt. Durch den geplanten Schuldenabbau 2017 wird die Pro-Kopf-Verschuldung Ende 2017 auf rund einen Euro sinken. "Damit habe ich meine Schulden für 2017 bezahlt", erklärte Karl-Heinz Hertlein am Ende der Haushaltsreden und legte demonstrativ einen Euro auf den Tisch.
Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sei der Markt Weisendorf rechnerisch schuldenfrei, da die bestehenden Rücklagen höher sind als der noch verbliebene Schuldenstand. Der Bürgermeister führte die positive Entwicklung insbesondere auf eine sparsame und wirtschaftliche Haushaltsführung zurück. Die vorausschauende Entscheidung des Marktgemeinderats im Jahr 1993, das Areal der heutigen Gerbersleithe zu kaufen, war nach einer anfänglichen Erhöhung des Schuldenstandes der Grundstock für den positiven Trend.


Ballsporthalle kommt

"Das Ziel für die Zukunft wird sein, die solide Haushaltspolitik fortzusetzen. Der Haushaltsplan 2017 und die Finanzplanung bis 2020 weisen in die richtige Richtung", erklärte Süß abschließend. Trotz Investitionen wie dem Bau einer Ballsporthalle und dem Kauf eines Löschfahrzeuges sowie dem Bau des Fuß- und Radweges in den Ortsteil Reuth mit der Buswendeschleife am Waldfriedhof und der geplanten Erweiterung der Kindertagesstätte St. Josef müssen keine Kredite in Anspruch genommen werden, betonte Süß.
Die positiven Ausführungen des Bürgermeisters mochte Christiane Kolbet von den Grünen als erste Rednerin nicht teilen. "Ich könnte die gleiche Rede vom Vorjahr halten, denn aus grüner Sicht hat sich nicht wirklich was geändert." Sie bezeichnete die Haushaltslage des Marktes Weisendorf als sehr gut und hätte sich deshalb mehr Mut gewünscht und nicht nur die Erfüllung von Pflichtaufgaben.
Mehr Mut, um die Lebensqualität der Gemeinde zu erhöhen und mehr Geld, viel Geld, in die Hand zu nehmen, um ähnliche Projekte wie den Ausbau des Schlossparks anzupacken. Stattdessen werde wieder viel Geld in Asphalt und Beton gesteckt, was sich nach dem Finanzplan in den nächsten Jahren noch fortsetze. Kolbet kritisierte wiederum den Fuß- und Radweg nach Reuth und die Buswendeschleife. "Die wenigen Autos sind Quellverkehr, und die müssen halt den Fuß vom Gas nehmen", erklärte Kolbet. Auch die Buswendeschleife für 295 000 Euro sei überflüssig, wenn der Bus über die Gerbersleithe fahren würde, wo die Menschen wohnen.
Da wäre der Fuß- und Radweg entlang der Erlanger Straße notwendiger gewesen, ebenso der Bau von Spielflächen. Auch die geplante Ausweisung von Gewerbe- und Wohnbauflächen sowie der Ausbau von Flurbereinigungswegen wird von den Grünen abgelehnt. Mit: "Weil heute Weihnachtssitzung ist, bedanke mich beim Bürgermeister, der Verwaltung mit dem Kämmerer und allen Kollegen für die konstruktive Zusammenarbeit", schloss Kolbet ihre Rede.
Die übrigen Fraktionen kündigten ihre Zustimmung an. "Der positive Haushalt ist bequem für Weisendorf", erklärte Kathrin Rascher (SPD) und mahnte an, den Fuß- und Radweg an der Erlanger Straße nicht zu vergessen. Hans Kreiner sprach für die CSU, bezeichnete die Pro-Kopf-Verschuldung als "beispielhaft" und hofft, dass sich die Entwicklung wie im Finanzplan dargestellt auch erfüllt.
Manfred Schmidt (FW) zeigte sich glücklich, dass die Ballsporthalle gebaut wird, denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen werde in den nächsten Jahren stark ansteigen. "Ein Haushalt kann nicht jeden überzeugen", erklärte Schmidt und regte an, die Personalkosten im Auge zu behalten. Jutta Kattner (UWG) lobte das Zahlenwerk und die solide Haushaltspolitik. "Ich kann mich nicht erinnern, während meiner Tätigkeit als Gemeinderat einen solchen Haushalt vorgelegt bekommen zu haben", kündigte Walter Ferbar (BWG/FW) seine Zustimmung an.


Ein unerreichtes Ziel

Auch Ludwig Paulus bezeichnete die Ausgangslage als erfreulich und der Markt Weisendorf könne durchaus optimistisch in die Zukunft schauen. Er vermisste in der Aufstellung allerdings die Renaturierung der Seebach. Dazu erklärte der Bürgermeister, dass die Gemeinde keinerlei Uferflächen besitze und mindestens ein zehn Meter breiter Streifen benötigt werde. Bislang seien keine Grundstücksbesitzer bereit gewesen, die erforderlichen Flächen abzugeben. "Wir bleiben da dran und sind bereit, die Renaturierung abschnittsweise umzusetzen" erklärte Süß und lud das Gremium dann zum Jahresabschluss-essen ein.
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