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Herzogenaurach
Umweltschutz

Weg mit den alten Zöpfen in der Kläranlage

Das 19 Jahre alte Rührgerät im Faulturm der Kläranlage hat ausgedient. Moderne Technik hilft nun auch beim Stromsparen.
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Ein paar alte Zöpfe hängen noch an der Wand des 20 Meter hohen Faulturms, der jetzt abgepumpt wurde. Künftig schafft der Zerkleinerer die Beseitigung.
Ein paar alte Zöpfe hängen noch an der Wand des 20 Meter hohen Faulturms, der jetzt abgepumpt wurde. Künftig schafft der Zerkleinerer die Beseitigung.
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19 Jahre hat das alte Rührwerk im Faulturm der Kläranlage gehalten, zuletzt allerdings mehr schlecht als recht. Und vor allem war die Anlage ein regelrechter Energiefresser. Deshalb hat die Stadt beschlossen, das Teil zu ersetzen.

Am Montagvormittag wurde das alte Rührwerk mit einem Autokran aus dem Faulturm gehoben. Das neue Teil lag in Einzelteilen schon bereit und wartete auf die Montage.

Das war auch dem Bürgermeister einen Besuch wert. Kann die Stadt mit einem neuen und modernen Faulturmrührwerk doch eine Menge Geld sparen. Etwa 120 000 Euro hat es gekostet, einschließlich der Gerüststellung und der Absaugung. So steht es in einer Presseinfo. Diesen Betrag allein hat das alte Teil schon an Strom verbraucht, ist aus der Information weiter ersichtlich. Insgesamt hat der Faulschlamm-Mischer in seinen fast zwei Jahrzehnten sogar rund 200 000 Euro gekostet.

Wie Bürgermeister German Hacker (SPD) erläuterte, ist die neue Anlage schon wegen der Anforderungen im European Energy Award (EEA) erforderlich. Die Stadt ist da ja auf dem Weg zu Gold. Der neue Mixer verbraucht 1,5 Kilowatt, der alte brachte es zeitweise auf 14. Ein Siebtel Energie könne man auf jeden Fall sparen, sagte der Leiter der Kläranlage, Oliver Kulhanek.


Taucher im Faulwasser

Aber noch aus anderer Hinsicht ist die neue Anlage eine bedeutende Erleichterung. Bisher, so führte Hacker aus, mussten alle sieben Jahre Taucher eingesetzt werden, die im Faulturm buchstäblich alte Zöpfe abschnitten, die sich im Lauf der Zeit gebildet hatten. Das sind Ansammlungen von festen Gegenständen, die den Schlamm zu einer zähen Masse machten, die vom alten Rührwerk dann nicht mehr erfasst wurde.

Das neue Teil aber hat einen Zerkleinerer, der das packt, ohne dass noch das Personal und Taucher zusätzlich tätig werden müssen. "Vor 19 Jahren hat es diese Technik noch nicht gegeben", sagte Bauamtsleiter Gerhard Merkel. Doch jetzt sei man auf dem modernsten Stand und schaffe es mit der neuen Anlage, durch weniger Unterhaltskosten auch richtig Geld zu sparen.

Der 20 Meter hohe Faulturm ist für den Einbau leer gepumpt worden. Der Klärschlamm wird derweil in zwei Becken zwischengelagert. Bei einem Blick in die Masse erkennt man auch viele Fremdkörper, wie Plastikteilchen oder Ohrstäbchen oder auch Luftballons. Also allesamt kleinere Teile, die den Weg durch den Rechen fanden, aber im Klärschlamm absolut nichts verloren haben. Auch deshalb lasse man den Klärschlamm nach der Behandlung nicht mehr auf Äcker ausbringen, sondern fahre ihn in die Verbrennung. Das regelt ein Abnahmevertrag mit Eon. Ziel ist ein Kraftwerk in Sachsen, in das der Schlamm per Zug transportiert wird.


24 Tage lang wird gerührt

In den Faulturm gelangt der Klärschlamm, sobald er die Vorbehandlung in den entsprechenden Becken hinter sich hat. Dort werden Grobteile aussortiert, wie zum Beispiel Tennisbälle oder auch Pullover. "Lustige Dinge findet man da", sagte Kulhanek. Des Weiteren durchläuft der Schlamm den Sand- und Fettfang, um dann in den Faulturm zu gelangen. Dort wird die Masse bei 38 bis 40 Grad etwa 24 Tage gerührt. "Dann ist er stabilisiert und nicht mehr schädlich", sagt der Klärmeister.

Die alte Anlage war zuletzt nur noch eingeschränkt funktionstüchtig. Immer wieder bildeten sich die so genannten Zöpfe, was zur Folge hatte, dass der Inhalt des Faulturms nur mangelhaft durchmischt wurde.
Weil der Schlamm damit aber nicht richtig ausfaulen konnte, wie der Bürgermeister ausführte, war auch die Ausbeute an Faulgas niedriger. Das aber hatte zur Folge, dass man höhere Mengen an Strom zukaufen musste.

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