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Weg mit dem "Geheimrat" in Uehlfeld

Norbert Stoll will neuer Bürgermeister in Uehlfeld werden und tritt am 18. September gegen Bürgermeister Werner Stöcker an.
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Norbert Stoll will in Uehlfeld Bürgermeister werden. Foto: Sabine Memmel
Norbert Stoll will in Uehlfeld Bürgermeister werden. Foto: Sabine Memmel
Am 18. September wählt Uehlfeld einen neuen Bürgermeister. Werner Stöcker (CSU/FW), seit sechs Jahren im Amt, hat mit Norbert Stoll einen Gegenkandidaten bekommen. Der 46-jährige gebürtige Uehlfelder war bisher noch nicht im Gemeinderat vertreten. Er wurde bei der Nominierungsversammlung der gerade erst neu gegründeten Jungen Liste Uehlfeld Ende Juni als Bürgermeisterkandidat ins Rennen geschickt. Bekannt ist Stoll vor allem als Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt.

Wie hat Werner Stöcker auf Ihre Kandidatur reagiert?
Norbert Stoll: Er hat mich angerufen, als er im Fränkischen Tag davon erfahren hat, und hat sich gefreut, dass die Uehlfelder jetzt eine Wahl haben. Das war mir auch ganz wichtig. Nur ein Kandidat ist langweilig und dem Amt nicht würdig.


Was war für Sie der Hauptantrieb zu kandidieren?
Ich wurde vor allem von vielen jüngeren Leuten in Uehlfeld angesprochen. Das war für mich der Auslöser, überhaupt erst darüber nachzudenken. Außerdem gibt es natürlich schon ein paar Dinge, die ich gerne anders machen würde.

Zum Beispiel?
Als Leiter einer Verwaltung, der sein Studium vor noch nicht allzu langer Zeit abgeschlossen hat, kriegt man natürlich aus erster Hand mit, was moderne Verwaltung bedeuten kann. Das vermisse ich in Uehlfeld derzeit sehr.
Zur Zeit ist der Gemeinderat eher wie ein Geheimrat. Man kriegt nicht mit, was dort so vor sich geht. In den meisten öffentlichen Sitzungen werden nur Bauanträge behandelt, die wirklich interessanten Dinge landen dagegen im nicht-öffentlichen Teil. Auch die Nutzung digitaler Medien zur Informationsverbreitung steckt in Uehlfeld noch stark in den Kinderschuhen. Da will ich frischen Wind reinbringen und die Bürger wesentlich besser informieren als das bisher der Fall war. Sie sollen immer Bescheid wissen, was in der eigenen Gemeinde los ist. Deshalb möchte ich sie auch mehr mit einbeziehen.

Und wie könnte das konkret aussehen?
Ich würde auf jeden Fall mehr Probeabstimmungen einführen. Nehmen wir den Austritt aus dem Schulverbund als Beispiel - da hätte ich vorher die Meinungen der Eltern abgefragt. Die Bevölkerung soll sich an derart wichtigen Entscheidungen beteiligen können.

Was würden Sie anders machen als der jetzige Bürgermeister Stöcker?
Die Energiewende, die Stöcker immer wieder medienwirksam zum Thema macht, ist zwar auch für mich sehr wichtig, jedoch sehe ich deren Umsetzung nicht als vordringliche Aufgabe einer Gemeinde. Ich möchte mich vielmehr zunächst den primären Pflichtaufgaben in Uehlfeld widmen. Zuerst will ich mir deshalb einen Überblick über den Zustand der Wasser- und Abwasserversorgung verschaffen und die vorhandenen Kanäle gegebenenfalls sanieren. Dasselbe gilt für die Straßen in allen Ortsteilen.

Was haben Sie sich noch vorgenommen?
Neubaugebiete brauchen wir erstmal nicht mehr. Es sind so viele Neubürger in den letzten Jahren dazu gekommen, man kennt viele bis jetzt noch gar nicht. Möglicherweise hat sich eine Neuausweisung mit dem drohenden Wasserschutzgebiet aber ohnehin erledigt. Wir haben dagegen in Uehlfeld jede Menge Leerstände und Baulücken. Die würde ich gerne nachverdichten und Mietwohnraum für einkommensschwache Personen schaffen. Da gibt es ein neu aufgelegtes Wohnraum-Förderprogramm, wofür ich als Zielgruppen speziell Auszubildende, Geringverdiener, Alleinerziehende, Hilfeempfänger und Rentner sehe. Natürlich muss aber beim Wechsel auf die soziale Schiene auch der Gemeinderat mitmachen.

Uehlfeld ist nicht in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans gekommen. Der Durchgangsverkehr wird aber nicht weniger...
Eine Reaktion der Gemeinde auf diese Entscheidung habe ich auch vermisst. Für die Anwohner sollten jetzt auf jeden Fall Lärmschutzmaßnahmen und Fassadenprogramme erschlossen werden. Auch Halteverbote im Bereich der Ortsdurchfahrt sollten eingerichtet werden. Ich könnte mir außerdem eine Mautpflicht vorstellen, um wenigstens den Lkw-Verkehr zwischen der A3 und der A7 zu verringern.

Hat Ihre Familie Ihre Entscheidung, für das Amt zu kandidieren, von Anfang an unterstützt?
Auf jeden Fall. Sonst kannst du sowas auch nicht machen. Als Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft bin ich mit den vier Gemeinden Mühlhausen, Lonnerstadt, Gremsdorf und Vestenbergsgreuth auch sehr ausgelastet. So viel würde sich also vermutlich gar nicht ändern, wenn ich zum Bürgermeister gewählt werde. Vielleicht wird es sogar angenehmer, weil ich mich dann ganz auf eine Gemeinde konzentrieren kann.

Was wäre, wenn Sie im September Bürgermeister werden, in sechs Jahren aber nicht ein zweites Mal gewählt werden? Können Sie dann zurück in ihren jetzigen Job?
Ich bin Beamter auf Lebenszeit. Somit habe ich einen Anspruch auf eine Wiedereinstellung in der Verwaltungsgemeinschaft.

Das Gespräch führte Sabine Memmel



Lebenslauf

Norbert Stolls beruflicher Lebenslauf hat viele Stationen:

 Sechs Jahre lang arbeitete er als Polizist beim Bundesgrenzschutz in Coburg, Bayreuth, Deggendorf und am Frankfurter Flughafen.
 Anschließend bewarb er sich bei der Bundeswehr und war dort zwölf Jahre lang als Fahrlehrer in Volkach tätig.
 Danach wollte er allerdings zurück in den öffentlichen Dienst. In Neustadt a.d. Aisch absolvierte er seine Ausbildung zum Verwaltungswirt und arbeitete ein halbes Jahr im Landratsamt in Erlangen.
 Seit 2005 ist er in der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt.
 2012 schloss er sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt in Hof ab.
 2014 übernahm er den Job von Vorgänger Otto Tröppner und wurde Geschäftsleiter der VG.

Stoll ist in Uehlfeld aufgewachsen, verheiratet, hat zwei Kinder (14 und 18 Jahre), ist seit 15 Jahren Vorsitzender des Uehlfelder Schützenvereins und aktiv bei der freiwilligen Feuerwehr. Er ist außerdem unter anderem Mitglied beim Bänkla, dem Militär- sowie dem Heimat- und Verschönerungsverein.

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